Alltagsmenschen kommen wieder

Ein Teil der liebevollen Figuren der „Alltagsmenschen“-Ausstellung kommt zurück nach Gersthofen. Die Stadt hat vier der knubbeligen Betonskulpturen gekauft. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Im letzten Jahr belebten rund 20 der liebevoll-kauzige Figuren der Wittener Künstlerin Christel Lechner die Gersthofer Innenstadt. Sie zeigten Alltagsszenen und entsprachen bewusst nicht dem gängigen Schönheitsideal. Jetzt kaufte die Stadt vier der Betonskulpturen. Mit ihnen will sie optisch dauerhaft das Zentrum bereichern und auflockern

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Die „Alltagsmenschen“ wiesen auf das 20-jährige Jubiläum der Stadthalle hin. Schon nach kurzer Zeit besaßen sie bei vielen Bürgern Kultstatus. Geliebt wurden sie wegen ihrer „Normalität“. Gerade weil sie nicht perfekt aussahen, wirkten sie mit ihrer knubbeligen Heiterkeit gemütlich und sympathisch. Über alle Generationen hinweg entwickelten sich die Figuren zu einem äußerst attraktiven Fotomotiv.
Doch nicht alle hatten sie ins Herz geschlossen. Sechs der aufgestellten Skulpturen wurden in verschiedenen nächtlichen Aktionen mutwillig beschädigt oder ganz zerstört. Die Täter wurden bis heute nicht ermittelt, obwohl eine stattliche Belohnung ausgesetzt wurde.
Als erstes fiel den Vandalen einer der drei Banker vor der Kreissparkasse an der Rathauskreuzung zum Opfer. Ihm wurde der Kopf abgebrochen. Danach folgte eine der Ratschkathln vor dem City-Center. Beim „Tanzpaar“ in der Grünanlage vor dem Kulturamt wurde der Frau die Hand abgeschlagen.
Schließlich erwischte es auch noch den „Denker“. Der stand bereits seit Jahren vor dem Ballonmuseum. Das Kunstwerk war der erste „Alltagsmensch“ der Künstlerin Christel Lechner, der in Gersthofen aufgestellt wurde. Das Objekt wurde seinerzeit von der Stadt gekauft.
Die anderen rund 20 Figuren, die bis Mitte Oktober in der Innenstadt zu sehen waren, waren dagegen Eigentum der Künstlerin. Der oder die Unbekannte hatten die mit Erdnägeln gesicherte Figur im Stadtpark umgeworfen. Sie wurde durch den Aufprall geköpft.

Bürgermeister übt harte Kritik

Die Gewalt und den Hass gegen die „Alltagsmenschen“ wollte Bürgermeister Michael Wörle seinerzeit nicht wortlos hinnehmen. In einem Facebook-Post richtete er an die Vandalen deutliche Worte. „Liebe Vollidioten und Asoziale“, schrieb er dort und verteidigte seine klare Ansage damit, dass es nicht in Ordnung sei, dass Dinge mutwillige zerstört werden. Diese Aktionen seien „sinnlos, niveaulos und einfach nur primitiv“, resümierte das Stadtoberhaupt.
Damit erntete Wörle in weiten Teilen der Bevölkerung nicht nur großes Verständnis, sondern schaffte es damit auch in die bundesweiten Medien. Die Münchner „tz“ und „Abendzeitung“ berichteten über die Wutrede des Rathauschefs ebenso wie die „Süddeutsche Zeitung“ und das Magazin „Focus“.

Keine Kapitulation vor Vandalen

„Wir kapitulieren nicht vor Vandalen", hatte dann auch Kulturreferent Helmut Gieber betont. Die Stadt ging jetzt sogar noch weiter. Sie beschloss den Kauf von vier „Alltagsmenschen“. So kehren der „Anzugsträger“, zwei „Einkaufsfrauen“ und die „Dame“, die ihren Platz auf der Bank unter den Platanen auf dem kleinen Rathausplatz hatte, wieder nach Gersthofen zurück.
Eine Begegnung gibt es auch wieder mit dem „Denker“. Er wurde mit viel Aufwand repariert und wird die Bürger künftig erneut zum Schmunzeln animieren. (spr)
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