Bürgermeister Wörle sieht „kein Asylproblem“ in Gersthofen

Am Volkstrauertag meinte Bürgermeister Michael Wörle: „Freiheit und Demokratie entstehen nicht von selbst und erhalten sich auch nicht von alleine. Diese Werte brauchen aber Menschen, die täglich dafür eintreten und diese bewahren, schützen und stärken.“ Archivfoto: Siegfried P. Rupprecht
Bei den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag erinnerte Bürgermeister Michael Wörle an die beiden Weltkriege und an die Diktatur der Nationalsozialisten. Er verdeutlichte aber auch, dass die ständige Frage nach Krieg und Frieden aktuell geblieben sei. Die zahlreichen Konflikte mit zahllosen Toten, die jüngsten Terroranschläge in Paris würden jeden Abend frei Haus mit der Tagesschau ins Wohnzimmer geliefert. Gleichzeitig ging das Stadtoberhaupt auf den aktuellen Zustrom von Flüchtlingen aus den Krisengebieten in Syrien, Afghanistan, Irak und weiten Teilen Afrikas ein. „Er macht uns deutlich: Frieden herrscht noch lange nicht. Ganz im Gegenteil!“

Erfreut zeigte sich Wörle da-rüber, dass in Gersthofen eine Plattform vorhanden sei, Vorurteile abzubauen, rassistische Bewegungen zu stoppen und dem Rechtsradikalismus keine Chance zu bieten. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem rechtsradikalen Gedankengut sei weiterhin aktuell und äußerst wichtig, betonte er. Man müsse gemeinsam Flagge zeigen gegen geistige Brandstifter, „die auch sehr zahlreich unter dem Namen Pegida vertreten sind“. „Dort macht man es sich sehr einfach, mit oberflächlichen Aussagen große Ängste hervorzurufen.“

Wörle machte weiter aufmerksam darauf, dass der Volkstrauertag auch zum Gedenken an die Toten von Gewalt, Terror und Verfolgung aufrufe. Damit stehe man mitten in der Asylproblematik, erklärte der Bürgermeister. Dabei könne man trefflich darüber streiten, ob bei dieser Thematik eventuell ein Staatsversagen vorliege.
„Sicher ist jedenfalls, dass eine völlig verfehlte Politik im Nahen und Mittleren Osten Schuld an der Misere ist“, so Wörle. „Nicht zu vergessen ist die jahrzehntelange menschenverachtende Ausbeutung der Ressourcen und der Menschen in der Dritten Welt. Dafür werden wir jetzt zur Rechenschaft gezogen.“

Klare Forderung an die Flüchtlinge

Und weiter: „Selbstverständlich sollen wir helfen, wo wir helfen können, analog der Genfer Flüchtlingskonvention, aber eines sollte gleichzeitig klar zum Ausdruck gebracht werden: Jeder, der bei uns in unserem Land bleiben möchte, muss das Grundgesetz sowie die allgemeinen Gesetze tolerieren und akzeptieren!“ Zudem forderte der Rathauschef Toleranz und Akzeptanz ein für unsere Kultur und Religionen.

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es in Gersthofen kein Asylproblem, versicherte Wörle. „Und das lassen wir uns auch nicht von vermeintlichen ,Stimmungsmachern’ aufdrücken.“ Klar sei, dass Gersthofen das weltweite Problem nicht lösen kann. „Aber wir Gersthofer können und müssen mit den Folgen von Flucht, Vertreibung und Bürgerkrieg umgehen und ein humanitäres Bild der gelebten Solidarität zeigen.“

Erbfeinde sind heute Freunde

An dieser Stelle verwies der Bürgermeister auf die bald 50-jährige Gersthofer Partnerschaft mit der französischen Stadt Nogent-sur-Oise. Sie beweise, dass es auch mit sogenannten ehemaligen Erbfeinden gelingen kann, den Begriff von Toleranz und Solidarität in Freundschaft zu leben.
Anschließend legte er einen Kranz am Denkmal am Kirchplatz nieder. An die Bürger appellierte Wörle, sich aktiv für Menschlichkeit, Toleranz und den Frieden einsetzen. (spr)
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