Entscheidung vertagt

Wie geht es mit der Strasser-Villa (Bild) in Gersthofen weiter? Der Stadtrat hat sich für weitere Gespräche mit dem Investor des geplanten Einkaufszentrums in der Innenstadt entschieden. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Der Zuhörerstrom war groß und die Zuschauerplätze im Sitzungssaal des Gersthofer Rathauses schnell belegt. Grund dieses lebhaften Interesses war die Beantwortung der Frage „Ratsbegehren – ja oder nein?“ im Zusammenhang mit der Strasser-Villa und letztlich um das vom Investor Peter Pletschacher geplante Einkaufszentrum in der Innenstadt(wir berichteten). Doch der Stadtrat setzte sich in der Sitzung mit dieser Frage erst gar nicht auseinander. Die Abstimmung wurde vertagt. Der Unmut unter vielen Besuchern war deshalb groß

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Bürgermeister Michael Wörle (parteilos) ging gleich zu Beginn der Sitzung auf den augenblicklichen Sachstand ein. Dabei erinnerte er nicht nur an die Historie des in den 1920er-Jahren gebauten und zwischenzeitlich gründlich sanierten Gebäudes. Er verwies auch auf den im Juli 2011 gefassten Stadtratsbeschluss, dass das Grundstück im Besitz der Stadt Gersthofen bleibe und die Villa nicht abgerissen werde.
Aufheben könnte diesen Beschluss der Stadtrat oder ein Rats- beziehungsweise Bürgerbegehren. Und so favorisierte das Stadtoberhaupt ein Ratsbegehren, das scheinbar auch die knappe Mehrheit im Stadtrat – CSU und W.I.R. – bevorzugte, obwohl diese beiden Fraktionen sich offenbar, anders als Freie Wähler, SPD/Die Grünen, Pro Gersthofen und der Bürgermeister, einen Abriss der Strasser-Villa vorstellen können. Hintergrund war, damit eine harte Auseinandersetzung zwischen den Gegnern und Befürwortern eines Abrisses der Strasser-Villa zu verhindern. Gleichzeitig würde die Entscheidung in die Hände der Bürger gelegt.

Initiative für Ratsbegehren

Die Tendenz zu einem eigenen Ratsbegehren begrüßte dann auch die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“. Diese Entwicklung trage mit Sicherheit zu einer Befriedung im Gemeinwesen bei, meinte Heinz Zettl im Namen der Initiative. „Allerdings setzt dies voraus, dass der Formulierungsvorschlag des Ratsbegehrens sich mit den Absichten der Bürgerinitiative deckt.“ In diesem Zusammenhang schlug die Gruppe gleich einen Formulierungsvorschlag vor: „Muss die Strasser-Villa im Eigentum der Stadt, freistehend bleiben und darf sie auch nicht abgerissen werden?“

Ältestenrat gegen Abstimmung

Soweit so gut. Dass es dennoch bei der Sitzung trotz Ankündigung zu keiner Entscheidung kam, lag daran, dass am Tag zuvor der Ältestenrat, also nur die Fraktionsvorsitzenden, tagte. Dieses Gremium kam zu dem Entschluss, tags darauf nicht über die Durchführung eines Ratsbegehrens abzustimmen. Der Grund war, dass man abwarten wollte, was der Investor weiter zu sagen habe.
Peter Pletschacher muss wohl signalisiert haben, dass er bereit sei, Kompromisse beim geplanten Einkaufszentrum einzugehen und auch neue Pläne in Auftrag zu geben. Wenn dies zutrifft, dann lässt es sich dahingehend interpretieren, dass er ein Ratsbegehren nach Möglichkeit umgehen wolle.
Fakt ist, dass es bei den Fraktionschefs im Stadtrat weiteren Abstimmungsbedarf gibt und dazu auch der Investor gehört werden soll. Kurz: Es wird weiter verhandelt – und zwar hinter verschlossenen Türen.

Unmut unter den Zuhörern

Die Vertagung der Entscheidung fiel allerdings nicht bei allen Zuhörern der Stadtratssitzung auf Verständnis. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Investor bereit ist, auf das Grundstück der Strasser-Villa - mit oder ohne Gebäude - zu verzichten“, meinte eine Besucherin. „Der Stadtrat dreht sich ständig nur im Kreis, eine Entscheidung muss endlich her.“ Und: „Wir wissen doch alle, was der Investor will. Da nützen auch neue Pläne nichts.“ Bei etlichen Besuchern war der Unmut jedenfalls groß und viele fühlten sich nach eigenen Worten „verarscht“.

Von Siegfried P. Rupprecht
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