Europaabgeordneter ehrt Gersthofer für 70 Jahre CSU Mitgliedschaft

  Gersthofen: Gasthaus "Zum Stern" | Die Einladung an die Mitglieder des CSU-Ortsverbandes Gersthofen zum diesjährigen traditionellen Herbstfest hielt was darin angekündigt wurde: Es gab den versprochenen geselligen Abend - fast ohne Politik, dazu viele gute Gespräche, für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt und die Ehrungen von langjährigen Mitgliedern standen im besonderen Mittelpunkt. Zudem freute sich der CSU-Ortsvorsitzende Stefan Buck über die Anwesenheit des CSU-Bezirksvorsitzenden MdEP Markus Ferber und von Staatssekretär MdL Johannes Hintersberger. In bewährter Art und Weise organisierte die stellvertretende Ortsvorsitzende Michaela Rogg erneut dieses Herbstfest. Dafür kam von den Gästen der verdiente Beifall.

Ganz ohne Politik ging es beim CSU-Herbstfest aber doch nicht. So dankte CSU-Ortsvorsitzender Stefan Buck allen Helfern im zurückliegenden Bundestagswahlkampf. „An unserem örtlichen Einsatz und an der Unterstützung für den Kandidaten Hansjörg Durz hat es sicherlich nicht gelegen“, spielte Buck auf das insgesamt enttäuschende CSU-Wahlergebnis an. Und der Europaabgeordnete Markus Ferber mahnte, dass nach dem Wahldebakel innerhalb der CSU ein enger Schulterschluss und ein Zusammenfinden für wichtige anstehende Sach- und Personalthemen dringend notwendig ist.

Markus Ferber kam in einem besonderen Auftrag zum Gersthofer CSU-Herbstfest. In seiner Funktion als Bezirksvorsitzender übernahm er eine nicht alltägliche Ehrung. Die Außergewöhnlichkeit der Würdigung verlangte auch einen tieferen Einblick in die politische Vergangenheit des Geehrten.

Für eine sehr bewegte 70jährige gemeinsame CDU- und CSU-Zugehörigkeit zeichnete Markus Ferber das Mitglied Günter Schlobach aus. „Günter Schlobach kann man als einen „echten Zeitzeugen“ und direkt persönlich Betroffenen der zuletzt sehr wechselvollen deutschen Geschichte bezeichnen“, so Markus Ferber in seiner Laudatio. Günter Schlobach trat als Oberschüler im Jahr 1947 mit 18 Jahren in seiner Heimatgemeinde Zöllnitz im Landkreis Jena der CDU bei. Als Student und CDU-Ortsvorsitzender wurde er im Jahr 1953 vom Bezirksgericht Gera aus politischen Gründen in einem Schauprozess zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Grund: In einer Rede zum 17. Juni 1953 machte er sich dafür stark, dass alle Schuldigen vor ordentliche Gerichte gestellt werden sollten. Die Haft saß er im Zuchthaus in Untermaßfeld ab. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis folgte 1955 die Flucht Schlobachs aus politischen Gründen nach Westberlin. 
Ab 1956 arbeitete der gebürtige Thüringer im Landratsamt Neu-Ulm, dann im Landratsamt Schwabmünchen und von 1970 bis 1991 in führender Position als Verwaltungsdirektor im Landratsamt Augsburg. Mit seiner Familie kam Schlobach im Jahr 1970 nach Gersthofen.

28 Jahre nach dem DDR-Gerichtsurteil aus dem Jahr 1953 wurde er völlig rehabilitiert. Nachdem der Generalstaatsanwalt in Stuttgart das Urteil des Bezirksgerichts Gera für unzulässig erklärt hatte, revidierte auch der CDU-Kreisverband Jena-Land den damaligen Parteiausschluss. Schlobach wurde ohnehin vom Büro der Exil-CDU in Westberlin weiterhin als Mitglied geführt. Die 44 Jahre Mitgliedschaft in der CDU wurden „ohne Unterbrechung“ in der nunmehr 70jährigen CSU-Mitgliedschaft berücksichtigt.

Neben Günter Schlobach ehrte der CSU-Ortsverband Gersthofen auch noch weitere langjährige Mitglieder. Besondere Anerkennung für ihre beispielhafte 50jährige Treue und aktive Mitarbeit erhielten Josef Kölbl und Josef Ottopal. Die weiteren geehrten Mitglieder sind: Gerhard Urban, (45 Jahre), Anna Sedlmeir (30 Jahre), Michael Rehberger, Johanna Oehler und Benjamin Knauth (alle 10 Jahre). khw
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