Gersthofen: CSU ist gegen Straßenbahn

Ausbau der Straßenbahnlinie 4 bis nach Gersthofen? Für die örtliche CSU-Fraktion sei sinnvoller, das Fahrverbot für die Busse der Gersthofer Verkehrsgesellschaft (Bild) nach Augsburg aufzuheben. Foto: GVG
 
Für Gersthofens CSU-Fraktionsvorsitzender Max Poppe (Bild) ist die Straßenbahn nicht das Gelbe vom Ei. Er und die Christ-Sozialen liebäugeln vielmehr mit modernen Technologien wie autonomes Fahren und Elektro-Kleinbusse. Foto: privat

Die örtliche CSU sieht auf Gersthofen bezogen keinen Vorteil im System Straßenbahn. Darauf macht nochmals Fraktionsvorsitzender Max Poppe auf Nachfrage unserer Zeitung aufmerksam. Die zukünftigen Herausforderungen lägen aus seiner Sicht an anderer Stelle.

„Wir sollten vielmehr darüber nachdenken, wie wir in der Feinverteilung im Gersthofer Stadtgebiet besser werden“, meint Poppe. „Denn der Weg zwischen Haustür und Haltestelle ist in meinen Augen der entscheidende Schlüssel für mehr zufriedene Fahrgäste". Die Straßenbahn könne zwar viele Fahrgäste befördern, sei technisch bedingt aber auch das starrste aller Systeme. „Eine effiziente Anbindung all unserer großen Wohngebiete sowie der westlichen Stadtteile ist unserer Auffassung nach nur mit straßengebundenen Fahrzeugen zu leisten", verdeutlicht der Fraktionschef.
Eine mögliche Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Augsburg/Oberhausen-Nord in die Innenstadt von Gersthofen wurde Thema durch die geplante Sanierung der Augsburger Straße in Gersthofen. In diesem Zusammenhang könnte geprüft werden, ob eine Tram-Verlängerung technisch machbar, wirtschaftlich und für die Ballonstadt sinnvoll sei, meinte die Tiefbauverwaltung. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg Holding, Walter Casazza, und der Leiter der Mobilitätsentwicklung der Stadtwerke, Robert Underberg, präsentierten darauf hin im Gersthofer Stadtrat grob aufgeplant zwei mögliche Varianten einer Tram-Verlängerung.

Lang diskutiertes Thema

Die Straßenbahn und Gersthofen ist nicht erst aktuell ein Thema. Bereits in den frühen 1920er-Jahren hatte die Kommune unter ihrem Bürgermeister Johann Dichtl einen Antrag auf eine Straßenbahn gestellt. „Es wurden mehrere Kostenvoranschläge ausgearbeitet, aber wegen der horrenden Kosten abgelehnt“, so der Augsburger Straßenbahn-Experte Karl Pfob. „Zum Zuge kam dann 1926 eine Buslinie von Gersthofen nach Augsburg. Aber auch hier müssen die Kosten zu niedrig angesetzt worden sein, da nach wenigen Jahren die Fahrpreise massiv nach oben korrigiert worden mussten.“ Bemerkenswert sei, dass die Farbwerke Gersthofen sich an einer Buslinie finanziell beteiligen wollten, nicht aber an einer Straßenbahn, so Pfob weiter.

Gefragt: moderne Technologien

Für die Gersthofer CSU ist die Straßenbahn „eine Technik aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts“. „Wir sollten lieber über moderne Technologien sprechen, die noch nicht in aller Munde sind“, fordert Poppe. Schließlich gehe es um eine Investition in die nächsten Jahrzehnte.
Als Beispiele moderner Technologien nennt er der StadtZeitung unter anderen „autonomes Fahren, elektrisch betriebene Kleinbusse und Flottenintelligenz“. Dies und viele andere Dinge würden in den nächsten Jahren auf uns zukommen und dafür sorgen, dass der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) flexibler, schneller und dadurch attraktiver wird, so der Fraktionsvorsitzende weiter. Mercedes-Benz erprobe in Amsterdam beispielsweise selbst fahrende Busse. „Wir sollten auch über zusätzliche Expresslinien sprechen, denn eine Fahrzeit von knapp einer halben Stunde mit der Straßenbahn nach Augsburg haut mich nicht vom Hocker.“

Fahrverbot für Busse aufheben

Poppe geht auch auf die unabhängige Trassenführung der Straßenbahn in Gersthofen ein: „Schon beim Rückbau der alten B2 wurde festgestellt, dass für eine vertretbare, unabhängige Trassenführung kein ausreichender Platz zur Verfügung steht, ganz zu schweigen von den Beeinträchtigungen durch Lärm oder etwa unansehnliche Oberleitungen.“ An diesem Umstand habe sich für die CSU nichts geändert. „Wir sollten uns viel eher gemeinsam stark machen, dass das sinnlose Fahrverbot für die Busse der Gersthfoer Verkehrsgesellschaft (GVG) nach Augsburg endlich aufgehoben wird“, appelliert Poppe.

Von Siegfried P. Rupprecht
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