Initiative will Versachlichung

Die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ (Bild) will bei der Diskussion um das geplante Einkaufszentrum „Forum“ zu einer Versachlichung beitragen. Dabei rüttelt sie nicht an ihrem Ziel: den Erhalt der Strasser-Villa und die Nichtveräußerung des städtischen Grundstücks. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die Gersthofer Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ war nicht überrascht, dass es bei der letzten Stadtratssitzung im Zusammenhang mit der Strasser-Villa und dem von Investor Peter Pletschacher angestrebten Kauf des Grundstücks zu keinem Votum für ein Ratsbegehren kommen würde (wir berichteten). Dies teilt Initiativen-Mitglied Manfred Lamprecht auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Mit der Ankündigung neuer Pläne wolle der Investor auf Zeit spielen und damit den Stadtrat mürbe machen, vermutet Lamprecht. Irgendwann werde sich im Gremium eine Mehrheit für seine Planungen finden.
Ein Blick zurück: Bereits 2011 wurde in der Öffentlichkeit über die Zukunft der Strasser-Villa heftig diskutiert. Damals war die Mehrheit im Stadtrat bereit, das Grundstück mit dem Gebäude an den Dasinger Investor zu veräußern.
Die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ um den früheren Bürgermeister Siegfried Deffner sammelte daraufhin in kürzester Zeit rund 3.000 Unterschriften für die Durchführung eines Bürgerentscheids zum Erhalt der Strasser- Villa. Vor diesem Hintergrund votierte der Stadtrat im Juli 2011 für den Erhalt von Grundstück und Gebäude.
Die neuerlichen Forderungen des Investors nach Kauf des Grundstückes und dem damit verbundenen Abriss der Villa veranlasste die Bürgerinitiative, sich erneut zu formieren. Öffentlich erklärte sie, wenn notwendig ein neues Bürgerbegehren zu initiieren (wir berichteten).

Ja zum Ratsbegehren

Im Vorfeld dazu hatten die Stadtratsfraktionen von CSU und W.I.R., die zusammen im Gremium die knappe Mehrheit aufweisen, angedeutet, eventuell die Villa zu opfern, um die geplante Bebauung des „Gersthofer Lochs“ in der Stadtmitte zu forcieren. Parallel dazu forderte Bürgermeister Michael Wörle (parteilos) ein Ratsbegehren ein, um die Bürger über dieses für die Stadt so bedeutendes Projekt entscheiden zu lassen.
Diese Entwicklung wurde von der Bürgerinitiative nach eigenen Worten „sehr begrüßt“. „Sie verhindert eine harte Auseinandersetzung zwischen den Gegnern und Befürwortern eines Verkaufs und legt die Entscheidung, wie von uns schon immer gewollt, in die Hände der Bürger“, so Heinz Zettl im Namen der Initiative. Zudem trage sie mit Sicherheit auch zu einer Befriedung im Gemeinwesen bei.

„Formulierung ist wichtig“

Der Bürgerzusammenschluss macht allerdings nachdrücklich auf die Formelierung des Ratsbegehrens aufmerksam. Ein reiner Beschluss der Stadträte, die Villa nicht zu verkaufen, reicht nach Meinung der Initiative nicht aus. „Dies lässt völlig offen, dass die Villa abgerissen wird, einem Dritten ein Erbbaurecht oder eine Grunddienstbarkeit eingeräumt wird, wonach dieser frei verfügen kann“, erklärt Heinz Zettl die Problematik. Deshalb sei das Abrissverbot aus unserer Sicht zwingend in den Text aufzunehmen, so Zettl weiter.
Nach dem Beschluss des Stadtrats im Jahr 2011 sei gegenüber der Initiative öfters geäußert worden, dass eine Überbauung der Strasser-Villa nach wie vor möglich sei, ergänzt Zettl. „Aus diesem Grund muss auch die Solitärstellung der Villa Bestandteil eines Entscheids sein.“
Der Bürgerzusammenschluss hat sich deshalb intensiv Gedanken über einen Textvorschlag für ein Ratsbegehren des Stadtrats gemacht. Er lautet: „Muss die Strasser-Villa im Eigentum der Stadt, freistehend bleiben und darf sie auch nicht abgerissen werden?“
Mit ihrer Neuformierung und ihren Wortmeldungen will die Bürgerinitiative nach eigenen Worten zu „einer Versachlichung der Diskussion“ beitragen. „Wir stehen sowohl der Stadtverwaltung als auch dem Bürgermeister und den Fraktionen für Gespräche gerne zur Verfügung“, resümiert Zettl.

„Längst nicht in trockenen Tüchern“

Sein Initiativen-Kollege Manfred Lamprecht hat mit der jetzigen Situation allerdings auch seine Bedenken. Er spielt das Szenario bei einem eventuellen Votum der Stadträte für die Pläne des Investors und Verzicht des Ratsbegehrens aus seiner Sicht weiter: „Sollte es dann bei einem durchgeführten Bürgerentscheid zum Nichtabriss der Strasser-Villa kommen, werde der Investor den Schwarzen Peter sicherlich den Bürgern zuschreiben.“
Doch ein solcher Ausgang des Entscheids sei längst nicht in trockenen Tüchern, glaubt Lamprecht. „Bei dem ewigen Hickhack könnte die Bevölkerung irgendwann die Nase voll haben und der Ruhe wegen zugunsten des Investors entscheiden.“

Von Siegfried P. Rupprecht
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