Junge Union: Bald nur noch „Laternenfeste“?

Dem Heiligen Martin zu Ehren, ziehen viele Kinder mit Laternen durch die Straßen. Der Legende nach begegnete Martin von Tours in einer kalten Nacht einem Bettler. Aus Mitleid schnitt er ihm ein Stück von seinem Mantel ab. Viele Künstler haben dieses Symbol der Barmherzigkeit in ihren Werken aufgegriffen. Foto: oh
In letzter Zeit mehren sich die Berichte über Grundschulen und Kindertagesstätten in Deutschland, die nach eigenen Angaben „Wert legen auf weltanschauliche Neutralität“. Dort tritt an die Stelle des Heiligen Martin ein „Lichter- oder Laternenfest“. Andere feiern „aus Gründen politischer Korrektheit“ nun das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Ziel sei es, Kinder und Eltern aus anderen Kulturkreisen nicht zu diskriminieren, heißt es. Die Meinungen über solche Umbenennungen gehen allerdings auseinander. Auch in Gersthofen. Dazu hat sich nun die örtliche Junge Union (JU) zu Wort gemeldet.

Die CSU-Nachwuchsorganisation lehnt die Umbenennung des Sankt-Martins-Umzugs strikt ab. „Dabei würden oft bewusst neutrale Formulierungen gewählt – mit dem Ziel niemanden auszuschließen“, so JU-Vorsitzender Patrick Haas in einer Pressemitteilung. Resultat sei die Verleugnung der eigenen Identität und Tradition.

Gemeinschaftsgefühl

Jedes Jahr am 11. November wird weltweit der Tag des Heiligen Martin von Tours begangen. Martin, der im vierten Jahrhundert lebte, steht mit seinen Taten als Symbol für Barmherzigkeit. Er soll seinen Mantel mit dem Schwert geteilt und die Hälfte des Kleidungsstücks einem Armen gegeben haben.

„In unseren Augen sollte an diesem Tag ein konfessionsübergreifendes Gemeinschaftsgefühl geschaffen und den Kindern die grundlegenden Werte wie Toleranz und Barmherzigkeit vermittelt werden“, verdeutlicht Haas. „Außerdem werden durch die Figur des Sankt Martin Inhalte wie das Teilen und die Bereitschaft, den Schwächeren zu helfen, ausgedrückt.“ Nur mit dem Bezug zum Heiligen Martin bekomme das Fest ein Gesicht mit dem man sich identifizieren kann. Das oftmals geäußerte Argument der „besseren Integration durch Neutralität“ werde nicht geteilt, macht die JU weiter aufmerksam.

Mit Befremden

In diesem Zusammenhang zitiert sie den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Dieser habe 2013 festgestellt, dass „das Leben des Heiligen Martin auch für Muslime vorbildlich“ sei.

„Mit Befremden“ hat die Junge Union deshalb nach eigenen Worten auf die Veranstaltungen des städtischen Kindergartens „Blumenwiese“ und der Kinderkrippe „Kindervilla“ reagiert, die auf der Homepage der Stadt Gersthofen einen „Laternenumzug mit Feier“ angekündigt haben.

„Gerade in der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, sich zu unserer christlichen Geschichte und zu deren Werten zu bekennen, nämlich dem friedlichen Zusammenleben in unserem Land“, meint JU-Chef Patrick Haas.
Auf Nachfrage unserer Zeitung räumt er allerdings ein, dass nach Informationen von Eltern bei den Veranstaltungen beider Einrichtungen auch der Heilige Martin vorkomme. „Daher ist der Bezug zu Sankt Martin nicht ganz verschwunden“, so Haas. Es stelle sich jedoch die Frage, warum das Ganze als „Laternenumzug“ beworben wird.

Zur Vervollständigung: Der Hedwig-Kindergarten und die Kolping-Kita haben einen „Martinsumzug“ veranstaltet, die Elisabeth-Kita weder einen Umzug noch ein Laternenfest, sondern eine „St.-Elisabeth-Feier“, der Ulrichs-Kindergarten ein „Laternenfest“ mit Anschluss an den Martinsumzug der Pfarrkirche St. Jakobus. Das hat eine telefonische Umfrage der StadtZeitung ergeben. (spr)
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