Kinderbetreuung in Gersthofen: Container als Notlösung

Auf dem Areal des Kindergartens Sankt Ulrich an der Sportallee (Bild) entsteht ein Hort in Containerbauweise mit 50 Plätzen. Foto: Stadt Gersthofen

Die Stadt Gersthofen ist im Hortbereich in der Bredouille. Derzeit fehlen der Kommune rund 75 Plätze für die Betreuung von Schülern außerhalb der Unterrichtszeit. Um diesen Notstand zu beheben, hat sich der Stadtrat jetzt für ein Notprogramm entschieden. Um allen Kindern zum neuen Schuljahr einen Betreuungsplatz anbieten zu können, werden als Übergangslösung an zwei Standorten Containermodule aufgestellt.

In den letzten Jahren konnte - bis auf Kinder, deren Eltern nicht berufstätig waren -, jedem Kind ein Platz angeboten werden, so die Kindergarten- und Schulverwaltung der Stadt. Im Vergleich zu den Vorjahren seien die Anmeldezahlen jetzt allerdings deutlich angestiegen, parallel dazu werden weniger Plätze frei. Während in den vergangenen Jahren viele Eltern ihr Kind ab der vierten Klasse nicht mehr in der Mittagsbetreuung und im Hort betreuen ließen, gehe der Trend nun dort hin, den Nachwuchs bis zum Ende der Grundschulzeit betreuen zu lassen. Auch die Neuanmeldungen von Zweit-, Dritt- und Viertklässlern nehme zu, hieß es in der Stellungnahme. Derzeit bietet die Stadt mehr als 330 Hortplätze für Kinder im Grundschulalter an.
Die Stadt Gersthofen ist allerdings nicht die einzige Kommune im Landkreis Augsburg, die mit zu wenigen Plätzen für die Kinderbetreuung hadert. Nach Aussage des Landratsamts befinden sich aktuell 15 weitere Gemeinden in der gleichen Situation.
Die Eltern hätten zwar keinen unmittelbaren Rechtsanspruch auf einen Mittagsbetreuungs- oder Hortplatz, räumte die Kindergarten- und Schulverwaltung ein. Doch sie verwies darauf, dass bei einer Klage die Rechtsprechung zugunsten der Eltern entscheiden könne, da die Gemeinden verpflichtet sind, bedarfsgerecht zu planen.
Um allen Kindern zum neuen Schuljahr einen Betreuungsplatz anbieten zu können, schlug die Verwaltung dem Stadtrat vor, Container als Übergangslösung aufzustellen. Das Gremium kam diesem Vorschlag nach einer längeren Diskussion nach.

Zwei Container-Standorte

So soll die Mittagsbetreuung an der Pestalozzischule um 30 Plätze erweitert werden. Dazu sollen Container im vorderen gepflasterten Bereich der Schule platziert werden. Damit ist auch der Ausbau der Ganztagsschule nicht gefährdet.
Um die restlichen fehlenden Plätze abzudecken, schlug die Verwaltung weiter vor, einen Hort in Containerbauweise auf dem Grundstück des Kindergartens Sankt Ulrich mit 50 Plätzen zu errichten. Dieser Standort an der Sportallee sei ideal, um den Betreuungsbedarf der Mozart- und Pestalozzischule aufzufangen. Der Weg dorthin sei von beiden Schulen mit jeweils rund 600 Metern für die Kinder problemlos fußläufig erreichbar, meinte die Verwaltung weiter. Im Grundschulbereich gelte eine Wegstrecke von zwei Kilometern als zumutbar.

Ein Jahr Laufzeit

Die Stadträte verständigten sich darauf, die Container an beiden Standorten für die Dauer von einem Jahr zu errichtet. Darüber hinaus genehmigten sie außerplanmäßige Finanzmittel in Höhe von insgesamt 500.000 Euro. Mit diesem Betrag soll der Verwaltung für die Notlösung genügend Spielraum gewährt werden. Die Personalkosten für ein Jahr liegen bei rund 190.000 Euro.
Die neuen Hortgruppen müssten ihre Pforten bis zum 1. September und die Mittagsbetreuung bis spätestens 13. September öffnen. Stadtbaumeister Thomas Berger äußerte dazu jedoch Bedenken. Die Einhaltung des Fertigstellungstermins könne an dieser Stelle nicht garantiert werden, meinte er. Zu viele verschiedene Faktoren könnten eine Störung verursachen.

Mehr Professionalität gefordert

Ungehalten äußerte sich bei diesem Thema die CSU. Fraktionsvorsitzender Max Poppe forderte unmissverständlich dazu auf, endlich eine langfristige Strategie zu entwickeln: „Ich komme mir vor wie im Film ,Und täglich grüßt das Murmeltier‘, erst das vermeintliche Provisorium Blumenweise, dann die Interimscontainer und der Neubau Am Ballonstartplatz, jüngst die Diskussion um zusätzliche 30 Betreuungsplätze und jetzt schon wieder rund 80 weitere. Wir eilen von einem Feuerwehreinsatz zum nächsten ohne einen wirklichen Plan.“ Zukünftig seien kreative und unkonventionelle Lösungen gefragt, um durch verlässliche Erhebungen und Analysen sowie eine mögliche Anreizschaffung frühzeitig belastbare Anmeldezahlen sicherzustellen.
Weiter forderte Poppe, auch planerisch in Vorleistung zu gehen, um situativ schnell reagieren zu können. „Wir müssen weg von teuren und hastig erarbeiteten Sonderlösungen und hin zu einer professionellen Vorplanung.
Dem stimmte die große Mehrheit des Stadtrats zu und erhob die Forderung zum Beschluss.

Von Siegfried P. Rupprecht
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