Linie 4: Ist die Straßenbahn das falsche System?

Ist eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 nach Gersthofen machbar? Viele Gersthofer Stadträte äußerten da Zweifel und Bedenken. Foto: Karl Pfob
 
CSU-Fraktionsvorsitzender Max Poppe (Bild) sieht bei einer Tramverlängerung keine „wirklichen Verbesserungen für die Mehrzahl der Gersthofer Bürger“. Foto: privat

Die anstehende Sanierung der Augsburger Straße in Gersthofen bringt nicht nur die Durchführung dieser Baumaßnahme auf den Tisch. In diesem Zusammenhang soll auch geprüft werden, ob eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Oberhausen-Nord nach Gersthofen technisch machbar, wirtschaftlich und für die Stadt sinnvoll sei. Der Stadtrat äußerte sich in seiner letzten Sitzung zu diesem Thema eher verhalten.

Die Verlängerung der Linie 4 in die Ballonstadt kommt immer wieder mal zur Diskussion. Interessant wurde sie, als die Tram von der Haltestelle Bärenwirt nach Oberhausen-Nord ausgebaut wurde. Die Folge: Die Buslinien der Stadt Gersthofen wurden im Jahre 2001 zu Schwachlastzeiten auf die Linie 4 „gebrochen“. Zum Fahrplanwechsel 2006 erfolgte dann die „Vollbrechung“. Seitdem müssen die Gersthofer Fahrgäste an der Haltestelle Oberhausen-Nord zur Weiterfahrt vom Bus in die Tram umsteigen.
Der Stadtrat diskutierte nun darüber, ob eine Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Linie 4 nach Gersthofen für geschätzte 30.000 Euro in Auftrag gegeben werden soll. Ein Betrag, der von der Stadt Gersthofen zu tragen wäre.

Zwei Varianten

Als Einleitung dazu stellte der Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg, Walter Casazza, den Stadträten zwei mögliche Linienführungen vor. Als grobe Preisschätzungen nannte er pro gebauten Straßenbahnkilometer rund zehn Millionen Euro, bei einer Förderung von 80 Prozent.
Die erste Variante sah einen Streckenverlauf entlang der Augsburger und Donauwörther Straße mit Endhaltestelle nordwestlich des Feuerwehrhauses vor. Die zweite Variante beinhaltete einen Tramverlauf entlang der Augsburger Straße und Bahnhofstraße zum Gersthofer Bahnhof.

Planungsproblem

Doch die Begeisterung der Stadträte hielt sich in Grenzen. Viele, so auch Alois Pfiffner (W.I.R.), sahen vor allem ein großes Planungsproblem bei der Hauptverkehrsachse von Süd nach Nord, also in der Augsburger und Donauwörther Straße in Gersthofen. Andere wie Albert Kaps von Pro Gersthofen monierten, dass nicht direkt an der Tramlinie wohnende Bürger dann das Nachsehen hätten.
Für die CSU käme eine solche Überlegung nur dann in Betracht, wenn sich wirkliche Verbesserungen für die Mehrzahl der Gersthofer Bürger ergeben. „Das einzige wirkliche Übel ist die Brechung an Augsburg-Nord, aber auch bei den vorgestellten Modellen müssten viele Gersthofer Bürger nach wie vor umsteigen, dann halt im Gersthofer Stadtgebiet“, meinte Fraktionschef Max Poppe.

„Halbgares Überbleibsel“

Eine möglichst unabhängige Trassenführung abseits der Straße wäre für die CSU ein weiteres zentrales Kriterium, um einen zuverlässigen Betrieb zu garantieren. „Aber genau auf der Stammstrecke zwischen Festplatz und Sankt Jakobus sehen wir keinerlei Möglichkeit abseits der Straße zu planen“, so Poppe weiter. „Ein Entfall von Parkbuchten und Grünzonen kommt für die CSU nicht in Frage, von den Qualitätseinbußen etwa durch Oberleitungen und den erhöhten Lärm ganz zu schweigen.“
Der Fraktionsvorsitzende sah in der Idee der Verlängerung der Linie 4 lediglich „ein halbgares Überbleibsel aus Wahlkampfzeiten, das künstlich in die Länge gezogen“ werde. „Statt im Jahr 2016 noch ernsthaft über die Einführung einer Technik aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts nachzudenken, sollten wir lieber über moderne Technologien sprechen.“ Der zukünftige öffentliche Nahverkehr werde deutlich flexibler und individualisierter, resümierte Poppe Hierfür sei die Straßenbahn das falsche System.
Zur Potenzialabschätzung der Tram-Verlängerung wäre als nächster Schritt die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, dann eine wirtschaftliche Untersuchung notwendig. Doch darauf konnte sich der Stadtrat nicht einigen. Mit knapper Mehrheit votierte das Gremium vorerst dagegen. Das Projekt soll in den Fraktionen aber weiter diskutiert werden. (spr)
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3 Kommentare
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Walter König aus Augsburg - Nord/West | 05.07.2016 | 23:51  
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Martin Müller aus Augsburg - City | 06.07.2016 | 16:47  
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Christoph S aus Augsburg - City | 07.07.2016 | 09:16  
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