Machbarkeitsstudie wird erstellt

Kann in der Augsburger Straße in Gersthofen (Bild) eine Straßenbahntrasse errichtet werden? Eine Machbarkeitsstudie soll feststellen, ob es möglich ist. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Zur Potenzialabschätzung der Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Augsburg/Oberhausen-Nord nach Gersthofen ist zunächst eine Machbarkeitsstudie notwendig. Darauf konnte sich der Gersthofer Stadtrat kürzlich nicht einigen. Das Gremium hatte mit knapper Mehrheit dagegen votiert. Jetzt sieht die Sache anders aus. In ihrer letzten Sitzung beschlossen die Stadtratsmitglieder nun doch mehrheitlich, die Verwaltung zu beauftragen, diese Studie in Auftrag zu geben.

Vor allem die Stadtratsfraktion der Freien Wähler (FW) hatte sich zuletzt dafür stark gemacht. „Wir wollen Pro und Contra gegenüberstellen, um dann die beste Lösung für unsere Bürger zu bekommen, und dies auch unter Berücksichtigung unserer eigenen Verkehrsbetriebe", betonte stellvertretender Fraktionsvorsitzender Herbert Lenz. Die Fraktion sehe darin zudem die Chance, dass durch zusätzliche Linien ein optimaler Öffentlicher Personennahverkehr angeboten werden könne. „Man kann nicht vorne herein etwas ablehnen, ohne es geprüft zu haben“, so Lenz.

Busbrechung stoße bitter auf

Den Fraktionsmitgliedern sei klar, dass eine Machbarkeitsstudie nicht zum Nulltarif zu haben ist. Dagegen stehe allerdings, dass vielen Gersthofer Bürgern die Brechung des Personennahverkehrs am Umsteigepunkt Augsburg/Oberhausen-Nord bitter aufstößt. „Das ist hinreichend bekannt“, verdeutlichte Lenz.
In diesem Zusammenhang führte er an, dass die bayerische Staatsregierung im Juni beschlossen habe, bei der Bundesregierung die Förderung für den Bau von Straßenbahnen auch ohne eigene Gleistrasse einzufordern. Damit habe sich die Ausgangssituation für die Stadt Gersthofen fundamental verändert. „Ein Grund mehr, die Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben“, meinte Lenz.
Herbert Lenz ging im Vorfeld der Stadtratssitzung noch einen Schritt weiter. Auch die Einbindung des Gersthofer Bahnhofs als Mobilitätsdrehscheibe werde als zusätzliche Möglichkeit gesehen. „Sollte die Studie ergeben, dass der Bau einer Straßenbahnlinie durch Gersthofen nicht durchführbar oder unwirtschaftlich ist, oder unüberwindbare Hindernisse auftreten, so hat man zumindest den Versuch unternommen“, gab er die Meinung der Fraktion wider. Auf die Deutsche Bahn wolle man sich nicht verlassen, zumal im Bundesverkehrswegeplan ein drittes Bahngleis nach Norden nicht vorgesehen und somit ein Ausbau der Bahnstrecke Augsburg-Donauwörth höchst unwahrscheinlich ist.

Lang diskutiertes Thema

Die Straßenbahn und Gersthofen ist nicht erst seit heute in Thema. Bereits in den frühen 1920er-Jahren hatte die Kommune unter ihrem Bürgermeister Johannes Dichtl einen Antrag auf eine Straßenbahn gestellt. „Es wurden mehrere Kostenvoranschläge ausgearbeitet und wegen der horrenden Kosten abgelehnt“, so der Augsburger Straßenbahn-Experte Karl Pfob. „Zum Zuge kam dann 1926 eine Buslinie von Gersthofen nach Augsburg. Aber auch hier müssen die Kosten zu niedrig angesetzt worden sein, da nach wenigen Jahren die Fahrpreise massiv nach oben korrigiert worden mussten.“ Bemerkenswert sei, dass die Farbwerke Gersthofen sich an einer Buslinie finanziell beteiligen wollten, nicht aber an einer Straßenbahn, so Pfob weiter.
Zurück in die Gegenwart: Nach Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von der Haltestelle „Bärenwirt“ nach Augsburg/Oberhausen-Nord wurden die Buslinien der Stadt Gersthofen im Jahre 2001 zu Schwachlastzeiten auf die Tramlinie gebrochen. Zum Fahrplanwechsel 2006 erfolgte die Vollbrechung. Seitdem müssen die Gersthofer Fahrgäste an der Haltestelle Augsburg/Oberhausen-Nord umsteigen.
Der jetzige Vorstoß, die Straßenbahnlinie bis in die Gersthofer Innenstadt zu führen, hat mit der anstehenden Sanierung der Augsburger Straße in Gersthofen zu tun. In diesem Zusammenhang könnte geprüft werden, ob eine Tram-Verlängerung technisch machbar, wirtschaftlich und für Gersthofen sinnvoll sei, meinte das Tiefbauamt.

„Kein ausreichender Platz“

Aber nicht bei allen Stadträten kam darüber Freude auf. Man dürfe nicht außer Acht lassen, dass aus Platzgründen der Gleiskörper auf der Fahrbahn platziert werden muss, meinte beispielsweise Albert Kaps von Pro Gersthofen vor der letzten Sitzung. Das führe vor allem bei Stoßzeiten zu Staus. Für ihn sei „die beste und einfachste Lösung, die Brechung der Gersthofer Busse in Oberhausen-Nord aufzuheben. „Dann könnten die Busse wieder nach Augsburg fahren.“
Genauso sah es der CSU-Fraktionsvorsitzende Max Poppe. „Schon beim Rückbau der alten B2 wurde festgestellt, dass für eine vertretbare, unabhängige Trassenführung kein ausreichender Platz zur Verfügung steht.“
Er appellierte, dass das „sinnlose Fahrverbot für die Busse der Gersthofer Verkehrsgesellschaft nach Augsburg endlich aufgehoben“ werde.
In der Studie wird nun untersucht, ob die Tram-Verlängerung technisch machbar ist. Als grobe Kostenschätzung für die Untersuchung wurde von den Stadtwerken Augsburg eine Summe in Höhe von rund 30.000 Euro genannt, die von der Stadt Gersthofen zu tragen ist. Erst im zweiten Schritt wäre nach erfolgreicher technischer Machbarkeit eine wirtschaftliche Analyse notwendig.

Von Siegfried P. Rupprecht
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