Neue Wege für eine gute Zukunft

Der Verkehrslärm ist bei den Bürgern in Hirblingen trotz Umgehung noch immer ein großes Thema. Unser Bild zeigt die Wertinger Straße. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Im Rahmen der Dorferneuerung in Hirblingen wurde auch vorgeschlagen, im alten Feuerwehrhaus (Bild) einen Dorfladen zu errichten. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die Dorferneuerung im Gersthofer Stadtteil Hirblingen brennt den Bürgern auf den Nägeln. Zur Veranstaltung im Feuerwehhaus kamen mehr als 120 Teilnehmer, über zehn Prozent der Hirblinger Bevölkerung. Dabei präsentierten sie sich sehr aktiv und ideenreich.

Bei der Dorferneuerung geht es darum, Hirblingen weiterzuentwickeln und durch Bürgerbeteiligung neue Wege für eine gute Zukunft zu finden. Die Geschichte des Ortes sei identitätsstiftend und solle deshalb bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden, resümierte Moderatorin Dr. Nina Hehn von KlimaKom.
Grundsätzlich gebe es zwei Varianten der Dorferneuerung: die umfassende Dorferneuerung mit dem Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz und die einfache Dorferneuerung ohne diesem Verfahren, erklärte Baudirektor Ludger Klinge vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben. Welche der beiden Variante in Hirblingen schließlich umgesetzt wird, steht noch offen.
Dr. Markus Brem stellte in diesem Zusammenhang einen kurzen Abriss der Ortsgeschichte vor. „Hirblingen ist bis heute bäuerlich-dörflich geprägt“, resümierte er. Früher habe es im Ort alle notwendigen Handwerker gegeben, so einen Schmied, einen Wagner und Schäffler. „Für verarmte Menschen stand ein sogenanntes Armenhaus zur Verfügung“, erläuterte Brem.
Dieses Miteinander bestehe bis heute. Als Beispiel führte er den Vereinsstadel an: „Das Projekt wurde durch die ehrenamtliche Mitarbeit von über 100 Bürgern in Tausenden von Arbeitsstunden, durch großzügige Spenden und Geldleistungen verwirklicht.“

Potenzielle Punkte

Im nächsten Schritt ging es darum, potenzielle Projekte zu sammeln, um sie im Rahmen der Dorferneuerung umsetzen zu können. Dabei kristallisierten sich mehrere Handlungsfelder heraus, so die innerörtliche Verkehrs- und Dorfzentrumsgestaltung, die Vereinsunterbringungen, das örtliche Zusammenleben der Generationen, infrastrukturelle Maßnahmen sowie die örtliche „Daseinsvorsorge“ und Versorgung.
Bei diesem großen Themenkomplex sprudelten natürlich Ideen, Wünsche, Anregungen und Forderungen. Die Gestaltung der Ortsdurchfahrt und die Parkplatzsituation wurden ebenso genannt wie ein Zentrum gegenüber dem Vereinsstadel. Wie verbunden die Bürger mit ihrem Ort sind, bewies der Appell des Großteils für die Bewahrung des Dorfcharakters. Stadtbaumeister Thomas Berger insistierte: „Bewahren heißt nicht, nichts tun.“
Als Gefahrenquelle diagnostizierten die Teilnehmer die Verengung der Ortseinfahrt von Gersthofen nach Hirblingen. Zudem wurde auf gefährliche Parkbuchten hingewiesen. Hier kam der Wunsch nach einer Zwischenlösung bis zur Dorferneuerung mittels einer Tempo-30-Zone zur Sprache. Damit werde der Ort sicherer und automatisch verkehrsberuhigt, hieß es.

Großes Thema: Lärmbelästigung

Ein großes Thema war auch die Lärmbelästigung durch die Autobahn im südlichen Teil von Hirblingen, weiter die Parkplatzsituation rund um die Spedition. Die öffentlichen Straßen seien vielfach voll geparkt, wurde moniert. Darüber hinaus würden noch immer zu viele Fahrzeuge durch den Ort fahren.
Dies alles trage zu weniger Lebensqualität bei. Bürgermeister Michael Wörle meinte dazu: Die Mitarbeiter der Spedition seien darauf hingewiesen worden, nicht mehr im Wohngebiet zu parken. Ein Parkverbot oder Anwohnerparkzonen seien jedoch nicht möglich.
Angeregt wurde, die lokale Versorgung zu stärken und mehr ins Bewusstsein zu rücken, die Errichtung eines Dorfplatzes neben dem Friedhof mit Bäckerei und Café oder eines Dorfladens, letzterer eventuell auch im alten Feuerwehrhaus. Das Problem sei nicht der Standort eines möglichen Dorfladens, sondern jemanden zu finden, der den Laden betreibt, wandte Bürgermeister Michael Wörle ein. „Hauptberuflich kann wahrscheinlich keiner davon leben.“

Haus der Vereine hat Priorität

Große Resonanz fand auch ein Haus der Vereine. Ein derartiges Projekt sahen viele Teilnehmer auf der Dringlichkeitsliste ganz vorne. Dort könnte auch eine Anlaufstelle untergebracht werden, die ehrenamtliche Tätigkeiten koordiniert, so ein Teilnehmer.
Wichtig war die Begegnung von Jung und Alt. Die Jugend sollte sich beispielsweise einmal monatlich zu einer Disco-Veranstaltung treffen können, wurde gefordert. Der Wunsch nach „Betreutem Wohnen“ war ebenso zu hören wie der Wille, neue Mitbürger, auch mit Migrationshintergrund, zu integrieren.
Im nächsten Schritt soll nun geprüft werde, welche Maßnahmen der Dorferneuerung im Rahmen der umfassenden oder vorgezogen im Rahmen der einfachen Dorferneuerung in Hirblingen umgesetzt werden können.

Von Siegfried P. Rupprecht
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