"Nicht hinnehmbar"

Die Freien Wähler im Landkreis Augsburg schlugen eine Außenstelle des Gersthofer Paul-Klee-Gymnasiums (Bild) in Meitingen vor. Diese Idee wurde in Wertingen als Kampfansage an das dortige Gymnasium gewertet. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Das Gersthofer Paul-Klee-Gymnasium kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nach dem Hickhack um die Frage Neubau oder Generalsanierung bringen die Freien Wähler (FW) im Landkreis eine neue Variante ins Spiel: Sie werfen den Hut für ein neues Gymnasium in Meitingen in den Ring. Mit einer dortigen Außenstelle soll ihren Worten nach die überfüllte Gersthofer Bildungseinrichtung entlastet werden. Doch diese Idee stößt wiederum in Wertingen auf heftige Kritik.

Doch der Reihe nach: Die Raumnot im Paul-Klee-Gymnasium ist seit vielen Jahren ein Thema. Um die ärgsten Engpässe zu lindern und die Schüler unterzubringen wurden immer wieder Container aufgestellt. Heute zählt die Schule rund 1000 Schüler. Die Tendenz ist jedoch steigend.
Parallel dazu wird vom Landkreis als Träger des Gymnasiums seit Jahren eine Generalsanierung versprochen. Denn nicht nur die Raumnot plagt, auch Sicherheitsbestimmungen, Heizung und Elektroanlage sind längst nicht mehr auf dem Stand der notwendigen Technik. Doch bislang blieb es beim Versprechen.
Nun kam kürzlich wieder Bewegung ins Spiel: Bis Ende des Jahrzehnts soll der Bau in Angriff genommen werden. Während der rund dreijährigen Phase soll auf dem Gersthofer Festplatz an der Schubertstraße übergangsweise eine „Container-Schule“ errichtet werden.
Um die hohen Kosten dieses Notbehelfs zu senken, schlug die W.I.R.-Fraktion im Gersthofer Stadtrat vor, die Schüler während der Baumaßnahme in der zum Abriss anstehenden benachbarten Mittelschule unterzubringen. Doch die verantwortlichen Behörden winkten ab. Die Substanz sei zu marode, der Brandschutz nicht mehr gewährleistet.

„Win-Win-Situation“

So forderten die Freien Wähler im Landkreis die Prüfung, ob der Raumnot am Gersthofer Gymnasium durch eine Außenstelle des Gymnasiums in Meitingen abgeholfen werden könne. Die Parteifreien gingen in diesem Zusammenhang sogar noch einen Schritt weiter. Mittelfristig könnte im Gegenzug auch der lang gehegte Wunsch der Stadt Gersthofen nach einer Realschule in Erfüllung gehen, indem die stark steigende Nachfrage nach dieser Schulart im Gegenzug über eine vollwertige Außenstelle der Meitinger Schuleinrichtung am Standort Gersthofen abgefangen wird, so die FW-Politiker Fabian Mehring und Johann Häusler. Damit könne für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation entstehen.
FW-Kreischef Dr. Markus Brem setzte noch eins drauf: „Die Neubauvariante, die erst im Jahr 2023 fertig wäre, könnte damit ad acta gelegt werden. Sowohl in Meitingen als auch in Gersthofen wären auf diese Weise mittelfristig dann alle wesentlichen Schularten vor Ort.“ Dies wäre ein Gewinn für das Lechtal.

Existenzielle Frage

Dieser Vorstoß gefiel allerdings den Kommunalpolitikern in Wertingen überhaupt nicht. Der dortige Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Dr. Johann Popp, betrachtete die Forderung der Freien Wähler „als Angriff“ auf das bestehende Gymnasium vor Ort, das damit in seiner existenziellen Daseinsberechtigung in Frage gestellt werde. „Aktuell kommen weit über 50 Prozent der Wertinger Gymnasiasten aus dem Landkreis Augsburg“, begründete er. Diese Schüler könnten bei einer Schulaußenstelle in Meitingen wegbrechen. Sein eindeutiger Appell: „Hände weg vom Wertinger Gymnasium.“
Selbst von ihren Wertinger Kollegen erhielten die Parteifreien aus dem Landkreis Augsburg schweren Gegenwind. Sowohl der FW-Fraktionsvorsitzende Dr. Herbert Nuber mit seinen Stadträten als auch der Ortsverein und Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier sprachen sich unisono entschieden gegen den Vorstoß aus. Das Gymnasium im Zuamtal zähle zu den Leuchttürmen der örtlichen Bildungslandschaft, betonten sie. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine gut funktionierende Einrichtung, die über die Landkreisgrenzen hinaus erfolgreich arbeitet und aus öffentlichen Steuergeldern massiv in den letzten Jahren finanziert wurde, zerschlagen werden soll.

Von Siegfried P. Rupprecht
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