Siegfried Deffner: Eine kraftvolle Persönlichkeit

Siegfried Deffner war während seiner 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister von Gersthofen für seine zupackende Art bekannt. Jetzt wurde er 70. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Er hat fast ein Vierteljahrhundert Kommunalpolitik an vorderster Front gemacht und dabei das dörfliche Gersthofen zu einer selbstbewussten Stadt geführt. Dabei agierte er liebenswert, zuweilen beharrlich und schlitzohrig, aber immer fair. Die Rede ist von Siegfried Deffner. Der langjährige Bürgermeister feierte am 12. November seinen 70. Geburtstag.

Siegfried Deffner ist eine Persönlichkeit. Auch heute noch spricht er Klartext, nimmt kein Blatt vor den Mund. Während seiner 24-jährigen Amtszeit hat sich Gersthofen stark verändert. Zahlreiche öffentliche Gebäude wurden neu errichtet und saniert, das Stadtzentrum mit Rathaus, Stadthalle, Ballonmuseum, Stadtbibliothek, Friedhofsgebäude und City-Center neu belebt, Straßenbaumaßnahmen wie die Umgestaltung der B2 und wichtige Industrieansiedlungen durchgeführt.
Nicht immer stießen diese Entscheidungen auf breite Zustimmung. Doch er trieb die Projekte unbeirrt voran. Umso mehr freute sich Deffner später, dass nach den Realisierungen die Skepsis wich und sich eine breite allgemeine Akzeptanz einstellte.

Er ärgerte sich aber auch. Vor allem über Menschen, die behaupteten, für das Gemeinwohl zu arbeiten, aber in Wirklichkeit von Eigennutz und persönlichem Ehrgeiz getrieben werden. Diese Heuchelei habe ihn über alle die Jahre als Bürgermeister am meisten geärgert, meinte er einmal.
Sehr gestört hatte ihn auch der Widerstand von Bürgern gegen Einrichtungen für Kinder wie Spiel- und Bolzplätze und Kindergärten.
Gestaltungsspielräume genutzt
Sein Ziel war es, das Selbstbewusstsein der Gersthofer Bürger zu stärken. Dabei hatte er Visionen im Blick. In seiner Amtszeit wurden aus 30 Millionen Mark (15,34 Millionen Euro) Schulden rund 25 Millionen Euro Rücklagen. Er betrieb eine vorwärtstreibende Wirtschaftspolitik, um die Stadt zu stärken und letztlich weiter zu entwickeln. Dabei nutzte er seine Gestaltungsspielräume, nicht stur oder risikoreich, sondern zukunftsorientiert und im Rahmen eines soliden und kraftvollen Expansionskurses.

Ohne Zweifel: Siegfried Deffner war und ist ein „Zupacker“. Bei Unannehmlichkeiten taucht er nicht ab. Er stellt sich, nutzt seine Erfahrung, spricht Tacheles und gibt Richtungen vor.

Dennoch betrachtet er sich nicht als alleiniger Macher. Die Entwicklung der Stadt bezeichnet er vielmehr als Gemeinschaftswerk. In der allermeisten Zeit habe er im Stadtrat eine geschlossene Mehrheit hinter sich gehabt, urteilt er. Das habe manche Entscheidung einfacher gemacht. Und er konnte sich auf seine Mitarbeiter verlassen. Die Stadtzentrumsgestaltung wäre ohne den Stadtbaumeister Hermann Meichelböck so nicht möglich gewesen, meint er.

50 Jahre Arbeit

Siegfried Deffner weiß, was Arbeit bedeutet. Er wurde mit 13 Jahren aus der Volksschule entlassen. Seitdem war er ununterbrochen tätig. Zunächst im landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters, den er 1968 übernommen und bis 1978 bewirtschaftet hatte. Parallel dazu besuchte er ein Abendgymnasium, studierte anschießend Jura und legte das erste und zweite juristische Staatsexamen ab. Erst danach gab er seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf und arbeitete im Innenministerium. 1984 wurde er Bürgermeister. 2008 zog er sich aus dem Amt zurück.
Jetzt, im Ruhestand, liebt er seine Unabhängigkeit. Niemals werde er etwas tun, was der Stadt Gersthofen und ihren Bürgern schade, äußerte er einmal. Und so drohte er mit einem Bürgerbegehren zur Neuplanung der Innenstadt, um – wie er es betonte – „Schaden von Gersthofen“ zu nehmen.

Doch dies und sein öffentlicher Streit mit seinem Amtsnachfolger Jürgen Schantin war nicht die einzige überregionale Medienresonanz. Die erzielte Deffner 1999 vor allem mit seiner vielbeachteten Auszahlung einer „Dividende“ von 100 Mark pro Bürger.

„Am meisten amüsiert hat mich dabei, dass unser ganzes Rechtssystem offensichtlich darauf ausgerichtet ist, den Bürgern Geld wegzunehmen, und die Juristen des Staates krampfhaft versuchten, eine Rückgabe von Geld an die Bürger zu verhindern“, so Deffner. Die Auszahlung sei für ihn ein „besonderes Erlebnis“ gewesen. Er habe beim Verlassen des Rathauses nach der Geldauszahlung nur fröhliche Gesichter gesehen.

Von Siegfried P. Rupprecht
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