Straßenbahn nach Gersthofen?

Bereits in den 1920er-Jahren forderte Gersthofen, die Augsburger Straßenbahnlinie in ihre Kommune zu führen. Doch daraus wurde nichts. Kommt jetzt, fast einhundert Jahre danach, ein erfolgreicher Vorstoß? Foto: Karl Pfob

Die Stadt Gersthofen liebäugelt mit einer Straßenbahn von Augsburg bis in die Gersthofer Innenstadt. Beim Bürgerempfang hat Bürgermeister Michael Wörle mitgeteilt, dass er bereits erste Verhandlungen mit den Stadtwerken in der Fuggerstadt aufgenommen habe. Bei Realisierung der Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 nach Norden würde das Umsteigen am Haltepunkt Augsburg-Nord in Oberhausen überflüssig.

„Alles was dazu dient, direkt und ohne Brechung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr von Gersthofen nach Augsburg und zurück zu kommen, ist eine Überlegung wert“, urteilt dazu CSU-Stadtrat Karl-Heinz Wagner. Dies könne mit einem attraktiven Fahrplan aber auch über die Bahn erfolgen, meint er weiter.
Der Fraktionsvorsitzende von SPD/Die Grünen, Peter Schönfelder, zitiert in diesem Zusammenhang Matthias Kollatz: „Unsere Utopien von heute können die Realität von morgen sein.“ Nichts wäre schlimmer, wenn einmal festgestellt werde, dass Stadtrat und Bürgermeister eine Chance ausgelassen haben. Für den Sozialdemokraten stellt sich intern die Frage, ob im Rahmen einer Sanierung der innerörtlichen Hauptschlagader Augsburger-/Donauwörther Straße Platz sei für einen Gleiskörper der Straßenbahn.
Extern gehe die Frage an die Stadt Augsburg. Hier gelte es, Gemeinsamkeiten auszuloten. Wörles Initiative zeige von Weitblick, Fantasie und zugleich Verantwortung für die Generationen nach uns, wertet Schönfelder den Vorstoß.
Parallel dazu bringt auch er die Alternative einer Anbindung des Gersthofer Bahnhofes durch einen ausgebauten und optimierten innerörtlichen Busverkehr ein. „Damit gäbe es ebenfalls eine Verbindung per Schiene nach Augsburg – wenn die Taktzeiten der Bahn kürzer sind als aktuell“, so Schönfelder.

Busse bis nach Augsburg durchfahren

Stadtrat Albert Kaps (Pro Gersthofen) findet die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt, da eine Sanierung der Hauptstraßenachse in Zukunft ansteht, grundsätzlich für richtig und wichtig. Aus Platzgründen müsse der Gleiskörper jedoch auf der Fahrbahn platziert werden, resümiert Kaps. Dies bedeute, dass auch die Straßenbahn am Morgen und Abend im Stau stehen kann.
Für ihn sei die beste und einfachste Lösung, bei der Regierung von Schwaben zu erreichen, dass die grünen Busse der Gersthofer Verkehrsgesellschaft (GVG) wie früher ohne Brechung nach Augsburg durchfahren können. „Busse von privaten Unternehmern dürfen dies schon seit Jahren“, betont Kaps und fragt: „Warum ist dies möglich?“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken: „Was passiert mit unseren Bussen, wenn wir eine Straßenbahn haben?“ Beides funktioniere nicht.

Schon immer ein Thema

Karl-Heinz Wagner ist es, der das Thema historisch betrachtet. Er blickt dabei auf den November 1987 zurück. „Damals fasste der Werkausschuss der Stadt Gersthofen den einstimmigen Beschluss, eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 nach Gersthofen abzulehnen“, berichtet der langjährige ehemalige zweite Bürgermeister. Für dieses Projekt von der Stadtgrenze Augsburg bis zum Gersthofer Kirchplatz seien Kosten in Höhe von 12 Millionen Mark errechnet worden.
Derartige Gedanken habe sich die Stadt zuletzt auch beim Rückbau der Augsburger- und Donauwörther Straße gemacht. „Aber für eine eigene Trasse mit Gleisen war nicht genug Platz vorhanden, wurde damals festgestellt“ so Wagner.
Der Augsburger Straßenbahnexperte Karl Pfob verweist sogar auf Gersthofer Pläne, die bis ins Jahr 1920 zurückgehen. Zu jener Zeit beantragte bereits das Unternehmen Hoechst, die Straßenbahnlinie 7 von Oberhausen über die Donauwörther Straße nach Gersthofen zu verlängern. „Im Stadtarchiv befinden sich dazu sehr detailreiche Pläne“, macht Pfob aufmerksam. „Die Zeichnungen zeigen eine eingleisige Gleisführung vom Bärenwirt bis nach Gersthofen.“ Gescheitert sei das Projekt auch hier an den hohen Kosten für Bau und Betrieb. „Als Konsequenz daraus wurde 1925 ein Busbetrieb zum Hauptbahnhof ins Leben gerufen.“ Dieser sei erst nach der verlängerten Linie 4 wieder gekappt worden.
Wo die Straßenbahn verlaufen könnte, ist jedoch noch völlig offen, ebenso, ob eine Verlängerung der Linie 4 bis ins Gersthofer Stadtzentrum überhaupt kommt. Erinnert sei an Königsbrunn. Dort mussten die Bürger fast vier Jahrzehnte lang auf eine Tram warten. Erst kürzlich haben sich Stadtwerke, Landkreis Augsburg und die Stadt Königsbrunn auf Planung, Bau, Betrieb und Finanzierung verständigt.

Von Siegfried P. Rupprecht
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