Strasser-Villa wird abgerissen - Kein Bürgervotum erwünscht

Der Gersthofer Stadtrat hat sich mit großer Mehrheit für den Abriss der Strasser-Villa (Bild) ausgesprochen. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Der Gersthofer Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung zum Thema Zentrumsgestaltung klar positioniert. Mit 22 zu sechs Gegenstimmen votierten die Gremiumsmitglieder für die Variante C des Investors Peter Pletschacher und damit für den Abriss der Strasser-Villa. Der von Freie Wähler, SPD/Die Grünen und Pro Gersthofen vorgebrachte Antrag, ein Ratsbegehren zum Abbruch des Gebäudes einzuleiten, damit die Bürger darüber entscheiden, wurde bei Stimmengleichheit abgelehnt. Das heißt: Der Stadtrat bindet die Bevölkerung in diese wichtige Angelegenheit bewusst nicht mit ein.

Über das Warum zum Nein eines Ratsbegehrens kann man letztlich nur spekulieren. Sicher vertrat der eine oder andere Stadtrat die Meinung, dass ein an die Bürgerschaft abgegebenes Votum eine eigene Entscheidungsschwäche darstelle. Entscheidender dürfte allerdings sein, dass der Investor im Vorfeld der Abstimmung klar gesagt habe, dass er nur bei einer breiten Zustimmung im Stadtrat für seine Variante C mit der Planung zum „Forum“ weitermachen werde.
Fakt ist aber auch, dass der Entwurf des Investors bereits im April im Ältestenrat vorgestellt und den Stadträten in ihren Fraktionssitzungen erläutert wurde. Diese Variante sieht im Gegensatz zum Siegerentwurf des Architekturbüro MorphoLogic eine Bebauung des sogenannten „Lochs“ in der Innenstadt ohne Erhalt der Strasser-Villa sowie die teilweise Überlassung von städtischen Grundstücken zur Bebauung vor.

„Historischer Moment“

Die Bauverwaltung der Stadt nannte diese Variante ein „interessantes Bebauungskonzept“. Auf dieser Grundlage können weitere Planungsschritte in Zusammenarbeit mit dem Investor erarbeitet werden, so das Bauamt.
CSU-Fraktionsvorsitzender Max Poppe sprach von einem „durchaus historischen Moment“ für die Stadt. „Mit dem Richtungsentscheid zum Forum erreichen wir nach langem Ringen einen wichtigen Meilenstein beim Gesamtvorhaben Zentrumsabrundung“, meinte er. „Wichtig unter anderem deshalb, weil mit dem Gebäude endlich auch die Umformung der Bahnhofstraße sowie die Schaffung eines Stadtplatzes in Angriff genommen werden kann“.
Die Mitglieder des Stadtrats teilten mit großer Mehrheit, inklusive Bürgermeister Michael Wörle, diese Auffassung. Sie beauftragten daher die Verwaltung, mit dem Investor weitere Planungsschritte auf der Basis der Variante C vorzubereiten. Dies soll in Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Zentrum“ geschehen.
Da dieses Votum scheinbar noch im Widerspruch zu einem gefassten Beschluss aus der Stadtratssitzung vom Juni 2011 stand, wurde der damalige Beschluss vom Gremium aus Gründen der Klarheit und Rechtssicherheit aufgehoben.

CSU und W.I.R. dagegen

Nicht unbedingt vorhersehbar war das Abstimmungsergebnis in Sachen Ratsbegehren. Die Fraktionen Freie Wähler und SPD/Die Grünen sowie die Gruppierung Pro Gersthofen hatten beantragt, die Durchführung eines Ratsbegehrens zum Abbruch der Strasser-Villa und der Überplanung des Geländes vorzubereiten.
Bürgermeister Michael Wörle hatte noch in der Sitzung des Bauausschusses im März an die Fraktionen appelliert, über ein Ratsbegehren ein klares Votum der Bürgerschaft einzuholen. Dies sei - auf Grundlage der Lehren aus der Vergangenheit - gelebte Demokratie, meinte er damals.
„Wir sind überzeugt, dass die Bürger sich für einen offeneren Platz mit Strasser-Villa und mehr Grün entscheiden werden und auch nicht wollen, dass die Stadt ein Grundstück an den Investor verkauft“, so einer der Antragsteller, Albert Kaps von Pro Gersthofen. „Wir sind dafür, dass die Bürger selbst entscheiden sollen.“
CSU und W.I.R. schlossen sich dem Antrag allerdings nicht an und lehnten das Begehren geschlossen ab. Bei 14:14 Stimmen galt die Ablehnungsregelung.

Kommt jetzt Bürgerbegehren?

Spannend bleibt es dennoch weiter. Die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ hat bereits vor der Stadtratssitzung angekündigt, weiterhin für den Erhalt der Strasser-Villa zu kämpfen. Soweit notwendig, werde sie ein erneutes Begehren zum Erhalt des Gebäudes starten, so die Initiatoren. Der Zusammenschluss fühlt sich nach eigenen Worten dabei bestätigt, da im Jahre 2011 sich in einer sehr kurzen Eintragungsfrist rund 3.000 Bürger der Stadt für den Erhalt der Strasser-Villa ausgesprochen hatten.

Von Siegfried P. Rupprecht
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