Unter Freunden

Finanzminister Markus Söder (vorne) beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Gersthofen: (von links) CSU-Ortschef Stefan Buck, Landrat Martin Sailer, CSU-Kreischefin Carolina Trautner und Gersthofens Erster Bürgermeister Michael Wörle. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Politprominenz beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen des CSU-Ortsverbands Gersthofen: (von links) Johannes Hintersberger, Eduard Oswald, Minister Markus Söder, Carolina Trautner, Stefan Buck, Karl-Heinz Wagner und Martin Sailer. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die Gersthofer CSU zeigte bei ihrem Festakt zum 70-jährigen Jubiläum im Sitzungssaal des Rathauses großes Kino. Sternsinger warben mit viel Weihrauch für den Frieden in der Welt. Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder trug sich nicht nur in das Goldene Buch der Stadt ein, sondern packte in seiner Festrede auch einige heiße Eisen an. Der frühere Vizepräsident des Deutschen Bundestags, Eduard Oswald, und Gersthofens langjähriger Zweite Bürgermeister, Karl-Heinz Wagner, ließen - zuweilen auch kritisch - die parteipolitische Vergangenheit Revue passieren. Über der ganzen Jubiläumsfeier lag allerdings die nachdrückliche Aufforderung, gestärkt und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Gleich eingangs nannte Ortsvorsitzender Stefan Buck den Zusammenhalt und die Verbundenheit als die Erfolgskriterien der CSU. Die Familie der CSU stehe eng beieinander und spreche die Dinge offen an.
Bürgermeister Michael Wörle (parteilos) hob in seinem Grußwort als „Hausherr“ den jahrzehntelangen politischen und gesellschaftlichen Stellenwert der Partei hervor. Die heutige Entwicklung der Stadt Gersthofen sei auch einer Reihe von CSU-Bürgermeistern zu verdanken.
Die Landtagsabgeordnete und CSU-Kreischefin Carolina Trautner forderte die Versammlung auf, die Werte der Gesellschaft zu erhalten, zugleich aber auch offen für Neues zu sein. Die CSU müsse weiterhin als Mitmach-Partei fungieren.
Lob kam auch von Landrat Martin Sailer. Er bezeichnete das 70-jährige Bestehen der CSU als „Erfolgsgeschichte“. Sie sei viele Jahrzehnte die gestaltende Kraft in Gersthofen gewesen. Parallel dazu sprach er die Flüchtlingsproblematik an. Deutlich erklärte er, dass die Kommunen hier trotz allem ehrenamtlichen Einsatz an ihre Belastungsgrenze stoßen.

Grenzen seien erreicht

Auch Minister Markus Söder griff in seiner Festrede schwerpunktmäßig die Asylpolitik auf. „Das Herz sei groß zu helfen“, sagte er. „Aber Deutschland kommt an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Wir können nicht alle Flüchtlingsströme der Welt aufnehmen.“ Lebhafter Beifall war ihm dafür gewiss.
Pessimistisch äußerte sich Söder über eine internationale Lösung des Flüchtlingsproblems. Europa stehe hier am Scheideweg eines Auseinanderbrechens. Als besonders gefährlich wertete er, den Schutz der EU-Außengrenzen in die Türkei zu verlagern. Bei dem Gedanken, dass man diesem Land im Gegenzug EU-Beitrittsverhandlungen in Aussicht stelle, habe er kein gutes Gefühl.
Söder bot jenen Politikern die Stirn, die wegen der immensen Unterbringungskosten der Asylbewerber höhere Steuern fordern. „Der Staat muss mit dem Geld auskommen, das er hat“, verdeutlichte er. „Schließlich befinden sich die Steuereinnahmen auf einem Rekordhoch.“ Da verböten sich neue Belastungen für die Bürger. „Ja zur Hilfe und Unterstützung anderer“, fasste der Minister zusammen. Aber die eigene Bevölkerung dürfe dabei nicht zu Schaden kommen.

„Werte müssen akzeptiert werden“

Weiter zielte Söder auf die Sicherheitsfrage ab. Vehement lehnte er unkontrollierte Grenzen ab. Dies sei auf Dauer nicht machbar. Und: Solange die Kontrollen an den europäischen Außengrenzen nicht funktionieren, müsse Deutschland seine Grenzen selbst kontrollieren.
Sorge bereitete ihm mittel- und langfristig die kulturelle Integration der Asylbewerber. „Die bei uns angekommenen Flüchtlinge kennen oft keine Konfliktbewältigung.“ Sie kämen aus einem Kulturkreis, in dem Gewalt und die Macht des Stärkeren herrscht.
Mit Blick auf die sexuellen Übergriffe in der Neujahrsnacht in Köln, Hamburg und anderswo erklärte Söder: „Menschen, die vor Gewalt fliehen und bei uns Frieden finden, hier aber Gewalt praktizieren, haben in Deutschland keinen Platz.“ Wer hier leben will, müsse die deutschen Werte akzeptieren, sagte er unmissverständlich.
Der Minister streifte auch kurz die Infrastruktur in Bayern. Förderung dürfe es nicht nur für die Ballungszentren geben, machte er aufmerksam. Er forderte - am Beispiel für schnelles Internet - für alle Regionen im Freistaat die gleichen Entwicklungsbedingungen. Zudem setzte er sich für eine Reform des Länderfinanzausgleichs ein. Bayerische Steuergelder seien am besten im Freistaat eingesetzt und nicht in Berlin, argumentierte er.

„Menscheln“ - eine CSU-Stärke

Im Rahmen einer Talkrunde betrachteten anschließend Eduard Oswald und Karl-Heinz Wagner die Vergangenheit der Gersthofer CSU. Übereinstimmend kamen sie zu der Überzeugung, dass die Christ-Sozialen vor Ort eine bewegte Geschichte aufweisen. Da habe es mitunter sehr gemenschelt, das sei aber auch wiederum die Stärke der CSU gewesen, so Oswald und Wagner unisono. Kommunalpolitik sei ständig ein Kampf, das Bessere zu erreichen.
Schlusspunkt der Jubiläumsfeier waren Ehrungen. Rosie Lemberger, Rosa Mayer und Erwin Fath erhielten für ihre außergewöhnlichen Leistungen als Kommunalpolitiker die höchste Auszeichnung, die ein Ortsverband vergeben kann: die CSU-Ehrenraute in Bronze.

Von Siegfried P. Rupprecht
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