Wird Strasser-Villa doch abgerissen?

Bei der vom Investor und dem Stadtrat favorisierten Variante zur Bebauung des sogenannten „Lochs“ in Gersthofen müsste die Strasser-Villa (Bild) weichen. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die Verhandlungen um das geplante Einkaufszentrum im sogenannten „Loch“ in der Gersthofer Innenstadt zwischen dem Investor Peter Pletschacher und der Stadt gehen in eine neue Runde. Und wieder scheint es großen Ärger zu geben. Anlass ist ein vom Investor vorgelegter Bebauungsvorschlag. Bei dieser Variante ist der Abriss der Strasser-Villa unvermeidbar. Zur Erinnerung: Am Widerstand einer Bürgerinitiative ist der Abriss bereits einmal gescheitert.

Doch der Reihe nach: Bürgermeister Michael Wörle vereinbarte mit dem Investor, dass dieser zwei neue Vorschläge für die Bebauung der brachliegenden Grundstücke im Zentrum ausarbeitet. Dabei sollte eine Variante die Nutzung mit und ohne Strasser-Villa enthalten.
Im letzten Dezember stellten daraufhin Vertreter des Investors die beiden Planungen vor. Sie wurden sowohl im Arbeitskreis als auch in den Stadtratsfraktionen und in der Verwaltung diskutiert. Ergebnis dieser Debatte war, dass die Variante A mit Strasser-Villa abgelehnt wurde. Diesem Ergebnis schloss sich jetzt auch der Stadtrat in seiner letzten Sitzung einstimmig an.
Grund dazu war die allzu dichte Bebauung. Sie sieht unter anderem einen zweigeschossigen Flächenbau über das gesamte Areal vor, darüber hinaus ein - scheinbar provokatives - rund 28 Meter hohes Turmgebäude in unmittelbarer Nähe der Strasser-Villa.

Modifikationsvorschläge

Die Variante B mit der Struktur einer Quartiersbebauung und ohne Turmgebäude wurde dagegen als gute Basis für weitergehende Planungen angesehen. Sie orientiert sich am Siegerentwurf eines von der Stadt ausgelobten Architektenwettbewerbs zur Gersthofer „Neuen Mitte“.
Verwaltung und Stadtrat waren allerdings der Meinung, dass die Masse, also die Größe und Höhe der Bebauung, reduziert werden müsse, da sie insgesamt zu mächtig ist und es zu wenig freie Fläche gibt. Ein weiterer Modifikationsvorschlag beinhaltete eine Platzsituation in Richtung Hotel und Rathausplatz. Das Gebäude auf der südwestlichen Ecke sollte deshalb ein Stück nach Norden verschoben werden. Damit könnte im Bereich von Hotel und Rathausplatz eine höhere Aufenthaltsqualität sowie die direkte Verbindung zu Stadthalle, Rathausplatz und zum City-Center erzielt werden.

Investor: Abriss unvermeidbar

Weiter präsentiert diese Variante eine zweigeschossige Tiefgarage, die über die Bahnhofstraße erreichbar ist. Um diese Stellplätze jedoch zu verwirklichen, forderte der Investor den Abriss der Strasser-Villa und den Verkauf des städtischen Grundstücks an der Ecke Bahnhof-/Donauwörther Straße bis hin zur Strasser-Kreuzung. Wenn die Villa bestehen bleiben würde, wäre der Bau der Tiefgarage technisch nur sehr schwer möglich und wirtschaftlich kaum darstellbar, so der Investor.

Keine Kombination beider Varianten

In einem Schreiben an den Bürgermeister meinte Peter Pletschacher klipp und klar, dass eine Kombination der beiden Varianten, also eine Bebauung mit Wohn- und Handelsflächen unter Beibehaltung der Strasser-Villa, sich für ihn „nicht verwirklichen“ lasse.
Wie geht es weiter? Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, Gespräche mit dem Investor aufzunehmen, um Modifikationsmöglichkeiten auszuloten, und dem Stadtrat dann einen Beschlussvorschlag vorzulegen. Ziel sollte eine Planung sein, die sowohl für den Investor als auch für die Stadt und ihre Bürger eine städtebaulich und funktional zukunftsfähige Lösung darstellt.

Stadträte halten sich bedeckt

Wie heikel die Angelegenheit ist, zeigen auch die Stadträte, die sich zu dem Thema sehr bedeckt halten. Georg Brem (W.I.R.) äußerte: „Bürgermeister Wörle hat alle Fraktionen gebeten, bis zur Bauausschusssitzung keine Infos zur aktuellen Meinungsbildung an die Presse herauszugeben. Die Fraktionen befinden sich in der internen wie auch in der Abstimmung untereinander. Die Ergebnisse müssen erst abgewartet werden.“
Albert Kaps (Pro Gersthofen) meinte: Es laufen auch Gespräche mit dem Investor. Presseberichte würden die ,heiße‘ Phase der Gespräche nur beeinflussen.“ Ähnlich äußerte sich Stefan Buck (CSU).
Etwas deutlicher wurde Bernhard Happacher (Freie Wähler): „Für uns steht das städtische Grundstück nicht zur Disposition. Die Variante B ähnelt dem Siegerentwurf. In diese Richtung sollte nach unserer Auffassung die Bebauung auch gehen.“
Nach den Äußerungen der Fraktionschefs in der letzten Stadtratssitzung scheint die Gremiumsmehrheit von CSU und W.I.R. geschlossen für den Abbruch der Strasser-Villa zu votieren. Wenn dies der Fall sein sollte, hat die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ bereits ihren Hut in den Ring geworfen. „Wir kämpfen weiterhin für den Erhalt der Strasser-Villa“, betonte Initiativensprecher Manfred Lamprecht. „Notfalls werden wir wie bereits 2011 ein weiteres Bürgerbegehren starten.“ (siehe gesonderter Bericht).

Von Siegfried P. Rupprecht
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