Ein eindrucksvolles Schauspiel

Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle (Zweiter von rechts), Rainer Haßold, Vorsitzender des Freiballonvereins Augsburg (Erster von rechts) und der Leiter des Ballonmuseums, Dr. Thomas Wiercinski (Erster von links), mit den Teilnehmern des Internationalen Ballonmuseumscups 2016. Foto: Victor Naumann
 
Bei der Ausstellungseröffnung „Die Gordon-Bennett-Wettfahrt 1906 bis 2016“ im Gersthofer Ballonmuseum war auch eine Reihe von Teilnehmern der legendären Wettfahrt (Bild) zu Gast. Foto: Freiballonverein Augsburg

Für Frühaufsteher war es ein lohnender Hingucker. Vom Ballonstartplatz in Gersthofen stiegen an zwei Tagen jeweils kurz vor 6 Uhr früh farbenprächtige Gasballone in den Himmel. Dabei hatte der Start fast so etwas wie Raritätswert. Immerhin gibt es weltweit nur noch rund 100 Gasballone. Insofern war es ein eindrucksvolles und zugleich seltenes Schauspiel, das sich dort bei Tagesanbruch bot.

Auslöser des Spektakels war der Internationale Ballonmuseumscup. Seit 2014 startet der Wettbewerb von Gersthofen aus. Organisiert wird die Wettfahrt vom Ballonmuseum Gersthofen und dem traditionsreichen Freiballonverein Augsburg. Hintergrund der Veranstaltung vor den Toren der Schwabenmetropole Augsburg ist, dass Gersthofen nicht nur über das Spezialmuseum, sondern auch als einer der wenigen Orte in Deutschland über einen Startplatz für Gasballone verfügt. Von Gersthofen aus wurden bereits große Ballonwettfahrten durchgeführt.
Überhaupt stand Gersthofen bereits früh im Mittelpunkt der deutschen Ballonfahrer. So hatte im Jahre 1786 Maximilian Freiherr von Lütgendorf erfolglos versucht, im Augsburger Siebentischwald als erster Deutscher mit dem Ballon aufzusteigen. Nachdem die Stadt dem Luftfahrtpionier einen weiteren Start verbot, versuchte er es in Gersthofen. Doch auch hier vergebens.

Zielkreuz ausgelegt

Die heurige Wettfahrt fand bei idealen Wetterbedingungen statt. Sie war als sogenannte „Fuchsjagd“ ausgelegt. Hier startete der „Fuchs“ in Gestalt eines Heißluftballons und mit der Hüllenaufschrift „Erlebnis Ballonmuseum Gersthofen“ vorne weg. Nach einer halben Stunde landete er bei Bonstetten. Dort legte er ein Zielkreuz aus, das von oben möglichst genau mit einem gelben Band getroffen werden musste.
Nach einer Viertelstunde folgten dem „Fuchs“ acht Gasballone. Ihre Mannschaften kamen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Luftgefährte landeten aber nicht beim Zielkreuz, sondern fuhren weiter, um eine zweite Aufgabe, die erneut der „Fuchs“ vorbereitet hatte, zu lösen.

Fahrt bis nach Nancy

Diesmal mussten die Gasballone aus der Höhe ein rotes Band beim Landeplatz des „Fuchses“ ablegen. Einer der Ballonfahrer aus der Schweiz nutzte die gute Wettersituation zu einer Fahrt bis in die Abendstunden hinein. Er landete schließlich in Frankreich in Nähe von Nancy. Alle anderen Ballone gingen in der Region Ulm runter.
Der zweite Durchlauf fand zwei Tage später statt, wieder bei herrlichster Witterung. Mit im Korb war diesmal auch der Gersthofer Bürgermeister Michael Wörle. Seitdem ist das Stadtoberhaupt ein Adliger.

„Michael Fürst zu Osterbuch“

Jeder, der zum ersten Mal Ballon gefahren ist, wird nämlich nach alter Sitte in den Adelsstand erhoben. Grund dafür ist, dass König Ludwig XIV. im Jahr 1783 anordnete, dass nur Adelige in einem Ballon aufsteigen durften. Nach alter Tradition müssen das die Ballonpiloten übernehmen, um nicht gegen die alte Regel zu verstoßen. Und so wurde Wörle zu „Michael Fürst zu Osterbuch“.
Auf den Sieger des Internationalen Ballonmuseumscups wartete am Ende des Wettbewerbs bei einem Festabend im Ballonmuseum ein künstlerisch gestalteter Wanderpokal. Überreicht wurde er an Max Krebs aus der Schweiz.
Der zweite Preis ging an Ulf Weisser und Victor Naumann (Stadtbergen/Bamberg). Dritter wurde der Schweizer Max Imstepf.
Am Abend vor der Preisübergabe wurde zudem noch die Sonderausstellung „Die Gordon-Bennett-Wettfahrt 1906 bis 2016“ im Ballonmuseum – sie ist dort noch bis Sonntag, 12. Juni, zu sehen - eröffnet. Unter den Gästen befanden sich auch 15 ehemalige Gordon-Bennett-Teilnehmer. (spr)
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