Fußball ohne Grenzen

Asylbewerber in Gersthofen treffen sich mittlerweile regelmäßig zum Fußballtraining. Als Trainer fungieren der ehemalige FCA-Kapitän Andreas Dörr (links) und Werner Kamp. Archivfoto: Siegfried P. Rupprecht

Politisch klar Stellung bezieht der TSV Gersthofen beim Thema Flüchtlinge. Der Verein heißt Asylbewerber herzlich willkommen. So sind einzelne Talente bereits in der Leichtathletik- und Fußball-Abteilung untergekommen. Besonders großen Zulauf findet bei den Flüchtlingen das Fußballtraining, das der TSV diesem Personenkreis seit März 2015 anbietet.

Los ging es damals mit Fußballinteressierten aus Eritrea, Mali und Somalia. Auf Initiative von Manfred Lamprecht und der „Helferliste Asyl“ wurden den Fans ein zielgerichtetes Fußballtraining angeboten. Sponsoren stellten neue Bälle, Trikots, Trainingsjacken und Trainingsmaterialien zur Verfügung. Ziel war es, mit Fußballspielen Abwechslung in den Alltag der Flüchtlinge zu bringen und damit auch Möglichkeiten für Kontakte abseits des Spielfelds zu sorgen.
„Am Anfang gab es einige Sprachprobleme“, berichtete Trainer Andreas Dörr beim TSV-Neujahrsempfang. Denn nur die wenigsten Trainingsteilnehmer sprachen Englisch, geschweige Deutsch, so der ehemalige Kapitän des FC Augsburg.
Das Trainerteam – neben Andreas Dörr fungiert noch Werner Kamp - entschied sich letztlich für 22 Spieler. Mit dieser Anzahl lasse sich ein zielorientiertes Training durchführen, machte Dörr aufmerksam.

Gelichtete Reihen

Doch bereits kurze Zeit nach dem Trainingsstart hatten sich die Reihen der Spieler gelichtet. Grund dafür waren einmal das große Leistungsgefälle, zum anderen die regelmäßigen Trainingszeiten, mit denen etliche Asylbewerber nicht klar kamen. Auch im Fastenmonat Ramadan ging die Spielerstärke sichtbar zurück. „Im letzten Sommer kamen schließlich mehr Syrer nach Gersthofen“, erzählte Andreas Dörr. Die Reihen wurden wieder aufgefüllt.
Zwischenzeitlich tragen die Trainingseinheiten Früchte. Die Asylbewerber absolvierten eine Reihe von Spielen, nahmen an Turnieren von Freizeit- und Hobbymannschaften teil. Diese Begegnungen helfen mit bei der Bewältigung der alltäglichen Probleme und der Verarbeitung des Erlebten. Zudem wirken sie Spannungen in den Wohnquartieren entgegen.
Die Spielroutine in der Praxis steigerte sich und mit ihr die Leistungen der Fußballer. Besonders erfreute zeigte sich Dörr über die Hinführung von Spielern in die U17- und U19-Teams des TSV Gersthofen.
Auch persönlich möchte er mittlerweile den Kontakt mit Asylbewerbern nicht mehr missen. „Ich habe viel über fremde Kulturen gelernt“, gestand er. Auch die Begeisterung und Hilfsbereitschaft auf dem Fußballplatz habe ihn tief beeindruckt. „Mir wird jede Tätigkeit auf dem Spielplatz abgenommen, lächelte er. „Ich darf weder das Netz mit den Bällen, noch die Trainingshütchen, die Trainingstasche oder Getränke tragen – für alles finden sich sofort freiwillige Helfer.“

Spieler weiterentwickeln

Sein Plan für dieses Jahr: das Team für den regemäßigen Spielbetrieb anzumelden und die Fußballer spielerisch und taktisch weiterzuentwickeln.
Nach der Winterpause findet das Training wieder mittwochs um 18.30 Uhr auf dem Sportplatz der Mittelschule an der Schubertstraße statt.

Von Siegfried P. Rupprecht
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