Handball für einen Sack Weizen

Rückblick auf das Handballgeschehen in Gersthofen, als noch das „Sport-Echo“ des TSV erschien. Fotocollage: spr

Die Handball-Abteilung des TSV Gersthofen blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Die Leistungskurve ging in den vergangenen Jahrzehnten stetig auf und ab. Jetzt hat die Abteilung ihr 70-jähriges Gründungsfest mit einem Benefizspiel gegen den frischgebackenen Bundesligisten HC Erlangen in der neuen Turnhalle der Mittelschule gefeiert.

Der Handballsport nahm in Gersthofen im Mai des Nachkriegsjahres 1946 seinen Anfang. So außergewöhnlich wie die damalige Zeit war, so ungewohnt waren auch die Begleitumstände, bis es zum ersten Spiel kam. Ein Ball musste gegen einen Sack Weizen eingetauscht werden und das Damenteam wurde zu verdonnert, Trikots zu nähen. Dann war es soweit: Gegen die erfahrene Mannschaft des TSV Schwaben Augsburg gab es im ersten offiziellen Match eine 5:9-Niederlage.

Kein schlechtes Omen

Die Niederlage entpuppte sich allerdings nicht als schlechtes Omen für die Zukunft. Bereits in der Saison 1947/48 errang die erste Mannschaft die Meisterschaft der Bezirksklasse Augsburg und stieg in die Schwäbische Kreisliga auf.
Der TSV Gersthofen wurde im Laufe der Jahre zu einer in ganz Schwaben geachteten Mannschaft. Zur Eröffnung des neuen Stadions an der Sportallee gastierte das österreichische Staatsliga-Team von ATSV Linz-Urfahr. Dabei traten die Gäste mit drei Nationalspielern an. Nach einem spannenden Kampf behielten die Linzer nur knapp die Oberhand.
Im Hebst 1958 gelang es den Gersthofer, die schwäbische Feldhandball-Meisterschaft zu erringen. Der damalige Abteilungsleiter Theo Neis hatte für den Erfolg auch einen Namen: die fundierte Jugendarbeit des Vereins.
Ein Vierteljahrhundert nach Gründung der Handball-Abteilung hieß es Abschied nehmen: Der TSV Gersthofen hing den Handballsport auf dem Großfeld an den Nagel. Künftig traten die Spieler nur noch auf dem Kleinfeld und in der Halle an.
Durch die Umstellung verloren die Handballer zunächst etwas den sportlichen Anschluss. Den absoluten Tiefgang erreichte das Gersthofer Handallgeschehen in der Saison 1972/73. Der TSV stieg in die B-Klasse ab.

Sportliche Wechseljahre

Nach so viel Leid hatte Glücksgöttin Fortuna jedoch mit den Schwarz-Gelben wieder ein Einsehen. Sieben Jahre später waren die Ballwerfer in der höchsten bayerischen Spielklasse, der Oberliga, vertreten. Grundstein dieser Erfolge waren die Kameradschaft und das gute Verhältnis der Spieler auch außerhalb des Spielfelds. Und natürlich eine Reihe von Neuzugängen, die in dieses Gefüge passten.
Nach dem Höhenflug kam wieder einmal der Absturz. Der TSV fiel von der Oberliga in die A-Klasse zurück. Es folgten sportliche Wechseljahre. Mehr als Teilerfolge war den Handballern nicht vergönnt, auch wenn sie mehrfach um den Aufstieg mitspielten. Heute sind die Handballer unter der Abteilungsleitung von Samir Babovic und Trainer Michael Bauer in der Bezirksoberliga zu Hause. Mit einem Heimsieg gegen den TV Gundelfingen II sicherten sich die Handballer im Frühjahr den Aufstieg in diese Spielklasse.

Bundesligistin ersteigert

Zum 70-jährigen Vereinsjubiläum gelang es der TSV-Handball-Abteilung mit viel Glück und dem Einsatz von rund 2.500 Euro, im Rahmen einer Auktion zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe ein Freundschafsspiel gegen den Bundesliga-Aufsteiger HC Erlangen zu ersteigern.
Beim Spiel vor über 700 Zuschauer in der neuen Turnhalle der Gersthofer Mittelschule zeigte sich der HC Erlangen spielerisch sehr gut aufgelegt und gewann gegen das Gersthofer Team deutlich mit 50:18 (28:8) Toren. Ziel des Matches war, begeisterte neue Handballfans zu hinterlassen. Und das gelang beiden Teams. Das Resultat sei bei dieser wirklich gelungenen Veranstaltung eher nebensächlich, resümierte dann auch HC-Trainer Robert Andersson.

Von Siegfried P. Rupprecht
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