Jubel!!!! - auf der Gauklernacht in Kaltenberg

 
Trotz des vorangegangenen Regenschauers ließen sie die Akteure und die Besucher der Gauklernacht auf Schloss Kaltenberg ihre gute Laune nicht verderben und feierten gemeinsam bis spät in die Nacht und den neuen Morgen hinein (Foto: Christine Wieser)
   

Gaukelei – neue Künstler und wichtige Klassiker sowie mittelalterliches Leben & Handwerk. Mehr als 800 Darsteller verwandeln Schloss Kaltenberg an den Turniertagen von Freitag 14., bis Sonntag, 30. Juli in eine kleine mittelalterliche Stadt. So kann man hautnah sehen und erleben, wie sich das Leben im Mittelalter angefühlt hat.

Jubel auf Schloss Kaltenberg

Auf Schritt und Tritt begegnet man in Kaltenberg Gauklern, die das Publikum mit geschickten Fingern, Theater oder Schabernack unterhalten. Darunter finden sich Klassiker, aber auch spannende Newcomer, von denen wir einige vorstellen:

Hypnotica: Großes Feuer, große Kunst

David Haberzettl war 14 Jahre alt, als er das Feuer für sich entdeckte. Zuvor hatte er sich im Bogenschießen, im Schwertkampf und in Kampfkunst geübt. Nicht allein, sondern mit Gleichgesinnten. Und als einer von diesen mit einer an einer Kette befestigten Feuerkugel arbeitete, versuchte sich David Haberzettl auch daran. „Ich habe es sofort geliebt“, schwärmt der Tscheche. Und Talent brachte der heute 25-Jährige auch mit. Immer tiefer tauchte er in die Kunst des Feuertanzens ein, inspiriert von einer weltweiten Community, die Choreographien und Tricks über Soziale Netzwerke, aber auch auf Veranstaltungen wie der Europäischen Jonglierconvention in München teilt. So entstand Hypnotica. Das besondere an der Gruppe: Dort wo andere Feuershows aufhören, fängt Hypnotica erst an. Die Tricks und Effekte, die Kostüme und das Jonglierequipment stammen allesamt aus der Ideenwerkstatt der Gruppe. Das Ergebnis sind Kleider mit Feuerketten, eine Feuerkrone oder zwölf Kilogramm schwere Jonglierstöcke mit Feuerkreisen an den Enden. Allein sieben Jahre tüftelte Hypnotica an einer eigenen Pyromischung, mit der sich besonders viele und stabile Funken erzeugen ließen. Die Nummer, wenn Haberzettl oder ein anderes Mitglied von Hypnotica inmitten einer Funkenwand zu stehen scheint, gehört zu den Kaltenberg-Bildern, die man nie mehr vergisst. Bis zu 15 Meter hoch steigen die Funken, wenn die Feuerstöcke Marke Eigenbau auf den Boden peitschen. „Für den Auftritt in Kaltenberg trainieren wir seit zwei Monaten täglich“, erklärt David Haberzettl. Die Besucher dürfen gespannt darauf sein, welche funkensprühenden Überraschungen Hypnotica diesmal nach Kaltenberg mitbringt. (www.hypnotica.cz)

Neu in Kaltenberg Ottfried und Odil – Der letzte Drachenhüter und ein Skelett

Angefangen hat das alles mit Ottfried, dem letzten Drachenhüter und Odil, dem melancholischen Skelett, auf einer Geburtstagsparty. Ottfried heißt eigentlich Stef Vetters und hinter Odil steht Vetters Frau Anne Vanharen. Um die Geburtstage ihrer drei Kinder aufzupeppen, spielte das belgische Paar Theater. Damals noch mit Handpuppen. Das Theater bereitete den beiden so viel Spaß, dass sie anfingen, auf der Straße und auf Festen aufzutreten. Stef lernte auf der Abend- und Zirkusschule wie man auf Stelzen läuft oder jongliert. Seine Frau beschäftigte sich mit dem Marionettenspiel. Und da Stef schon sein ganzes Leben lang gern bastelt, kam irgendwie eins zum anderen. Ein Jahr lang baute Stef an einem Drachen, den man so noch nicht gesehen hatte. „Am Schwierigsten war es, die Beweglichkeit des Drachens zu realisieren“, erklärt Stef. Da es sich nicht um eine normale Marionette handelt, musste Stef mit einer Kastenaufhängung, Riemenscheiben und Gegengewichten für die Balance experimentieren. Mit Erfolg und schon bald darauf machte Stef die Kunst zum Beruf und tourte fortan als Seigneur Ottfriedt mit seinem feuerspeienden Drachen durch die Lande. Seit elf Jahren erobert das aufsehenerregende Straßentheater ganz Europa. Als die eigenen Kinder schließlich groß genug waren, wollte Anne Vanharen ihren Mann auf den Theatertouren begleiten. So entstand die Figur der Odil, dem melancholischen Skelett, das von einer Marketenderin begleitet wird. Odil hat seine letzte Ruhe noch nicht gefunden und treibt daher neugierig mit den Leuten allerlei Schabernack. „Das Skelett ist zwar auch ein bisschen gruselig, aber unheimlich expressiv.“, sagt Stef. Kein Wunder, dass sich die Scheu vor dem klapperigen Gerippe auch bei Kindern schnell in Luft auflöst. In diesem Jahr sind die beiden bezaubernden Walk Acts Ottfriedt und Odil zum ersten Mal in Kaltenberg zu erleben und stehen auch zur Wahl als Gauklerkönige. Ottfriedt und Odil – an allen drei Wochenenden als Walk-Act auf dem Gelände. (www.lescontesdasphaldt.be)

Merlet: Die hollywooderfahrene Kampfgruppe aus der Tschechei

Die Geschwindigkeit, mit der die Ritter der tschechischen Truppe Merlet aufeinander losgehen, ist atemberaubend. Ihre Waffen? Das Schwert, der Streitkolben oder brennende Fackeln. Und obwohl man weiß, dass jedem Kampf eine wohleinstudierte Choreographie zugrunde liegt, zuckt man bei jedem Hieb zusammen. Zu echt wirkt
das Hauen und Stechen auf der Bühne. Kein Wunder, dass Merlet auch für zahlreiche Film- und TV-Produktionen gebucht werden. Ob „Wanted“, „Shanghai Knights“ oder „Die drei Musketiere“ – mittlerweile wirkte Merlet an mehr als 80 Filmproduktionen mit. Chef der elfköpfigen Truppe ist Roman Spácil, der sich vor 25 Jahren in den Schwertkampf verliebt hat. Da er zudem auch eine große Affinität zum Filmen hatte, dauerte es nicht lang, bis er beide Hobbys verbinden und zum Beruf machen konnte. Was auf der Bühne so leicht aussieht, ist harte Arbeit, die tägliches Training erfordert. Unterschiedliche Kampfstile aus unterschiedlichen Epochen müssen einstudiert werden. Mittelalterliche Ritter kämpfen schließlich mit ganz anderen Kriegstaktiken als französische Musketiere. Besonders herausfordernd sind Massenschlachten. Für Luc Bessons Film „Johanna von Orleans“ orchestrierten Merlet gemeinsam mit dem Filmteam mehr als 1200 Kämpfer. Doch nicht nur die Statisten fürs Heer werden von Merlet kampftauglich gemacht, nein, auch Stars wie Matt Damon oder Christoph Waltz haben das Fechten bei Merlet gelernt, um vor der Kamera ein gutes Bild abzugeben. In den ganz heiklen Szenen springen aber dann doch besser die Profis als Double ein. Auf die Frage, was Roman an seinem Beruf am liebsten mag, sagt er: „Schwertkampf, weil das unser Leben ist. Der eine mag Reiten oder Sprünge, wir mögen Schwertkampf am liebsten.“ Und genau den gibt es in Kaltenberg in Vollendung zu sehen. (www.merlet.cz)

Der Klassiker - Der Kristallmagier: „Meine Hände wissen, was sie tun“

Seine ersten Glaskugeln hat Ruven Nagel bei ebay gekauft. In einem Lieblingsfilm seiner Kindheit hatte er jemanden mit solchen Kugeln jonglieren gesehen. „Das wollte ich auch können.“ Er trainierte zwei Jahre, bevor er sicher genug war, mit den Kugeln erstmals aufzutreten. Heute lässt Nagel scheinbar mühelos gleich mehrere Glaskugeln über seine Hände, Arme und Schultern rollen. Selbst mit verbundenen Augen verliert er nicht die Kontrolle über die Kugeln. „Kontaktjonglage ist vor allem Körpergefühl. Meine Hände wissen, was sie tun. Die Augen braucht man eigentlich gar nicht.“ So wie ein normaler Mensch nicht darüber nachdenken muss, wenn
er beim Laufen einen Fuß vor den anderen setzt, muss Nagel nicht mehr darüber nachdenken, wie er seinen Köper bewegt, um die Kugeln im Gleichgewicht zu halten. Sein schwerster Trick? „Den gibt es nicht.“ Schwer sei eine Nummer nur, wenn man die Technik nicht genügend trainiert habe. „Die meiste Arbeit steckt wirklich im Grundlagentraining.“ Nimmt Nagel seine Kugeln mal vier Tage nicht in die Hand, spürt er das sofort. „Ich brauche dann erst mal eine halbe oder eine Stunde, um wieder warm zu werden.“ Angefangen hat Nagel als Straßenkünstler.
„Ich fand das toll, wenn ich die Leute aus ihrer Hektik holen und für einen Moment mit den Gedanken ganz woanders hinbringen konnte.“ Diese besondere Kunst verfing auch in Kaltenberg. 2011 trat der Kristallmagier das erste Mal beim Ritterturnier auf. Nur ein Jahr später wählte ihn das Publikum zum Gauklerkönig. Die Faszination, die von seiner Kunst ausgeht, ist ungebrochen. Folgt man den fließenden Bewegungen eine Weile, erscheinen die Kugeln plötzlich schwerelos. Zusammen mit der Musik, die Nagels Show begleitet, entsteht das Bild eines harmonischen universellen Tanzes und man hat das Gefühl, in eine andere Welt abzutauchen. Die pure Magie. (www.ruven-nagel.de)

Weitere Künstler und Artisten, die auf dem Kaltenberger Ritterturnier zu erleben sind:

Basseltan, die Schmierenkomödianten, Pill & Pankratz, der Barbier, Faszination Feuershow, Flixa Flamme, Herold Balduin, Hexe Walpurga, Max - der Narr, Duo Kurzweyl, der Gaukler Fabio (Neu!), Flugträumer, Feuershow Mystique, Hexe Tabuba (Neu!), Linda - die Schlangentänzerin (Neu!), Crysalis, Lilith & Celeste, Skalde Ragnar und sein Weib Norhild (Neu!), Theater Fritz und Freunde (Neu!), Fairytails, Vom kleinen Volke (Neu!), Zirkus Meer (Neu!).

Alle weiteren Informationen rund um das Kaltenberger Ritterturnier: www.ritterturnier.de

Weitere Fotos unter: http://www.stadtzeitung.de/gersthofen/veranstaltungen-r/spass-und-gute-laune-bei-der-gauklernacht-auf-schloss-kaltenberg-d29324.html
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