Schwabens Kunsterbe unter Dach und Fach im Weiherhof - Erinnerungen an ein Ausflugslokal in den Stauden - einst gab's hier Bier und Wurstsalat

 
Über das neue Depot, das im Weiherhof für das künstlerische Erbe schwäbischer Künstler entstehen soll, freuen sich Landrat Martin Sailer, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Äbtissin Sr. Gertud Pesch und der ehemalige stellvertretende Landrat Max Strehle (von links).
  Nachlass-Depot für Werke schwäbischer Künstler wird im Weiherhof entstehen.

Der weitläufige, zum Kloster Oberschönenfeld gehörende Gebäudekomplex des Weiherhofes soll als künftiges Depot für Schwabens Künstlernachlässe ausgebaut werden.
Einen vorläufigen Schlusspunkt beim umfassenden Museumsausbauplan des Bezirks Schwaben setzt dieses Jahr die geplante Erschließung eines Depotgebäudes für Künstlernachlässe aus Schwaben. Denn längst fällig war laut Jürgen Reichert „eine Regelung, wie der Nachlass bedeutender schwäbischer Künstler über einen längeren Zeitraum hinweg sicher verwahrt werden kann“. Der Bezirkstagspräsident erläutert den jüngsten Beschluss des Kulturausschusses, in den kommenden Jahren ein Nachlass-Depot für zeitgenössische schwäbische Kunst im Ortsteil Weiherhof bei Gessertshausen aufzubauen: „Kunstwerke sind Teil unserer Erinnerungskultur und Künstlernachlässe gehören, falls dies auf privatem Wege nicht erfolgen kann, in öffentliche Obhut genommen“.

Wohin mit der Kunst?
Verschiedene Gründe sprechen für das Vorhaben: Laut Reichert gebe es eine wachsende Anzahl an Künstlernachlässen in Schwaben. Die Anfragen nach Sammelstellen steigen. Etliche der Kunstschaffenden befassen sich nicht immer ausreichend mit ihrer Nachlass-Verwaltung und so manchem Erben fehlen ganz einfach die Fachkenntnisse zur Beurteilung relevanter Werke.
Das künftige Depot soll die Bewahrung sowie die niedrigschwellige, öffentliche Zugänglichkeit von hiesigen Künstlernachlässen mittels Katalogen, Kunstausstellungen oder museumspädagogischen Veranstaltungen unterstützen. Das Weiherhofgelände bietet aufgrund der vorhandenen Gebäudestruktur über viel Platz für das Archiv, Ausstellungsflächen, Vortragsräume oder Ateliers, Künstlerresidenzen auf Zeit sowie eine Hausmeisterwohnung. Das bisherige Gästehaus soll im Rahmen der bestehenden Kooperation mit dem Landkreis Augsburg bewirtschaftet werden.
Das Depot wird voraussichtlich im Stadl untergebracht. Hier sollen die Nachlässe wissenschaftlich erfasst, restauratorisch gesichert, sachgerecht gelagert, archiviert, dokumentiert und erforscht werden. Über die jeweilige Aufnahme eines künstlerischen Nachlasses in das Depot entscheidet eine Fachjury.
Als ideal für die künftigen Besucher wird beim Bezirk die räumliche Nähe zum Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld und seiner Schwäbischen Galerie gesehen, dem Ausstellungsort für Schwabens zeitgenössisches Kunstschaffen.

Der Weiherhof

Die Einödsiedlung Weiherhof liegt zwei Kilometer südwestlich des Klosters Oberschönenfeld. Der barocke Massivbau mit Kapelle (1728 unter der Äbtissin Viktoria Farget errichtet) steht prominent auf einer Anhöhe über der Verbindungsstraße zwischen dem Kloster und Döpshofen und diente lange als Gasthaus und beliebtes Ausflugsziel im Im Weiherhof zieht bald wieder Leben einNaturpark Augsburg-Westliche Wälder. Überlieferungen zufolge soll sich im Hochmittelalter an diesem Ort der erste Sitz des Oberschönenfelder Frauenklosters befunden haben. Es wurde im Jahr 1211 an die heutige Stelle verlegt. (pm)



Im Weiherhof zieht bald wieder Leben ein

Stefan Gruber 
  
Es ist schon traurig, den Weiherhof so leer und verlassen zu sehen, war er doch drei Generationen unter der Leitung einer Familie eine Ausflugsgaststätte. Da sind die Augsburger auf dem Fahrrad aufs Land gefahren, entweder am Bismarckturm vorbei über den Sandberg und dann nach Anhausen oder über Wellenburg ins Anhausertal und dann durch den schattigen Wald nach Oberschönenfeld. Und wenn’s noch Brot gab und der Laden auf war, kaufte man das begehrte Klosterbrot in Oberschönenfeld bei den Schwestern, bevor es an den Klosterweihern vorbei zum Weiherhof ging, um sich dort zu erfrischen, Brotzeit zu machen, ein Radler zu trinken – lang, lang ist’s her.

Erinnerungen
Auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert steht vor dem großen alten Gebäude, blickt auf die leere Wirtschaft und meint: „Mit 17 Jahren hab ich dort drinnen mit meiner ersten Band auf einer Hochzeit gespielt. Als ich noch singen konnte.“ Reichert spielte Schlagzeug und sang.

Das Geschenk eines Wohltäters

So hat jeder seine eigenen Erinnerungen an diesen Ort, der durch einen ungenannten Wohltäter und mit einer erklecklichen Summe Geld ausgestattet als Geschenk wieder zurück ans Kloster Oberschönenfeld ging. In der Zeit der Säkularisation wurde dem Kloster der Weiherhof genommen, so wie auch viele andere Höfe, erzählt Äbtissin Sr. Gertrud Pesch die „glücklich“ sei, dass der Weiherhof wieder eine Verwendung finde, der Ursprung des Zisterzienserinnenklosters Oberschönenfeld nun wieder zum Kloster gehöre. „Das Kloster hätte den Weiherhof nie kaufen können“, erklärt sie und macht auf die kleine, mit ausschließlich und viel ehrenamtlich erbrachter Arbeit renovierte Einsiedlerkapelle aufmerksam, die als Keimzelle des Klosters gelte.

Fürs Kloster zu teuer
Nachdem die Gastronomie aufgegeben war, stand 2012 der Gebäudekomplex Weiherhof zum Verkauf, etwa eine Million Euro hätte er kosten sollen einschließlich der 18 000 Quadratmeter dazugehörigem Grund. Die Kontakte des ehemaligen stellvertretenden Landrats Max Strehle, auch zur Besitzerfamilie, machte den Übergang des Weiherhofes zum Kloster möglich.

„Artist in Resindence“
Landrat Martin Sailer und Berzirkstagspräsident Jürgen Reichert sind sich einig, dass die Begriffe Kunst und Schwaben wie Kunst und Kloster zusammen gehören, gefördert werden müssen und alle sich bemühen werden, dem Weiherhof künstlerisches Leben einzuhauchen. Denkbare Projekte neben dem Depotgebäude könnten im ehemaligen Wirtshaus die zeitweilige Unterkunft für Studenten und Künstlern zur Arbeit und Forschung im Sinne von „Artist in Residence“, Ateliers und Ausstellungen sein – aber das Konzept stehe noch nicht, nur dass es sich mit der Museumslandschaft in Oberschönenfeld ergänze und keine Konkurrenz sein soll.

500 Quadratmeter
Der Scheunenbau mit 500 Quadratmetern Grundfläche soll nächstes Jahr zum Depot fertig ausgebaut werden, so Reichert, und das könne wohl noch bis zu einer Million Euro kosten, die von der Kulturstiftung des Bezirks übernommen werden soll. Die Zeiten sind nun vorbei, in denen diskutiert wurde, ob im Weiherhof Asylbewerber untergebracht werden sollen– nun zieht mit Kunst dort wieder Leben ein.
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