Warum soll saniert werden?

Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen hält die Gemeinde Gessertshausen an der Sanierung des Weiherhofs fest. Bürger sehen darin eine Verschwendung von Steuergeldern. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Erneut haben die Gemeinderäte von Gessertshausen zum Thema Flüchtlingsunterkunft Weiherhof in der vergangenen Gemeinderatssitzung Stellung bezogen. Wie berichtet, gehört das Gebäude des ehemaligen Gasthofs nach einer Schenkung vor einigen Jahren der Abtei Oberschönenfeld. Seither wurde an dem denkmalgeschützten Gebäude nichts getan, so dass es sich in einem schlechten Zustand befindet. Lediglich die dazugehörige kleine Kapelle wurde zwischenzeitlich saniert.

Nach dem Willen des Gemeinderats und im Zusammenwirken mit der Eigentümerin soll das Gebäude nun saniert und dem Landkreis zur Anmietung als Flüchtlingsunterkunft für 92 Flüchtlinge angeboten werden. Dieses Ansinnen erzeugte einen großen Aufschrei bei den Bewohnern des kleinen Weilers Weiherhof, der von 22 Erwachsenen und acht Kindern bewohnt wird. Sie sehen sich damit bei weitem überfordert. Des Weiteren gehen sie davon aus, dass ohne vorhandene Infrastruktur und Beschäftigung es unweigerlich zu Konflikten mit den Flüchtlingen kommen wird. Aber auch für diese sei es im Weiherhof kein angenehmes Leben, da Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindungen fehlten und weit entfernt lägen. Um alle möglichen Mittel auszuschöpfen, haben die Bewohner eine Petition an den Landtag geschickt. Da derzeit die Zahlen der Flüchtlinge zurückgehen, so erklärt die Sprecherin der Interessengemeinschaft Weiherhof, Karin Gleich, habe Bürgermeisterin Claudia Schuster bei der Gemeinderatssitzung mitgeteilt, dass die Gemeinde momentan zur Aufnahme von 50 Flüchtlingen verpflichtet sei. Weiterhin gäbe es eine Änderung, wonach die bisher nicht in die Statistik fallenden unbegleiteten Jugendlichen ab sofort ebenfalls zählen würden. Somit hat Gessertshausen bereits 28 Flüchtlinge aufgenommen. Die Bürgermeisterin schlug vor, die geplanten Projekte in der Schulstraße wie im Weiherhof einzustellen, erklärte Gleich. Die Gemeinderäte wären aber der Ansicht gewesen, dass davon auszugehen sei, dass doch noch Flüchtlinge in großer Anzahl kommen würden. "Zusätzlich sahen sie mit der Sanierung eine Chance, dem denkmalgeschützten Weiherhof eine Zukunft zu geben, denn man sei der Abtei regional verpflichtet", berichtete Gleich. Somit stimmten die Gemeinderäte Gessertshausens letztlich dafür, den Weiherhof für die Abtei Oberschönenfeld zu sanieren, um dort den restlichen 23 Flüchtlingen, die die Gemeinde unterbringen muss, ein schönes Zuhause im Grünen bieten zu können, empört sich Karin Gleich von der Interessengemeinschaft. Einen Vertrag mit dem Landratsamt gibt es aber noch nicht.

Gleich hat vom Landratsamt erfahren, dass derzeit aufgrund der abnehmenden Anzahl an Flüchtlingen weder neue Verträge abgeschlossen, noch alte verlängert würden. Nun stelle sich die Frage, warum zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt noch an die viel zu teure und aufwändige Sanierung des riesigen, alten Gebäudes gedacht wird. Warum hält die Gemeinde weiterhin an dem Projekt Weiherhof fest und scheut auch jetzt schon keine Kosten beispielsweise hinsichtlich Anfragen zum Brandschutz und Umbau? Gleich sieht darin nur eine Verschwendung von Steuergeldern. "Ein Bürgerentscheid wird immer wahrscheinlicher", meint sie. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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Peter Mieze aus Diedorf | 28.04.2016 | 17:28  
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