Weiter Ärger mit dem Wasser: Gessertshauser Bürger haben die Nase voll vom Chlor

Der Ortsteil Deubach und der östliche Teil der Gemeinde Gessertshausen sind bereits wiederholt von der Verkeimung ihres Trinkwassers betroffen. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Seit Monaten erhalten die Bürger des Gessertshauser Ortsteils Deubach sowie des östlichen Teils der Gemeinde nur noch gechlortes Wasser. Inzwischen hat sich die Initiative "Sauberes Trinkwasser für Gessertshausen/Deubach ohne Chlor" gegründet, die endlich rückhaltlose Aufklärung durch die Gemeinde fordert.

Die Bürger fühlen sich von der Gemeinde allein gelassen, insbesondere, da vor allem die Bewohner Deubachs diese Trinkwassermisere bereits zum dritten Mal erleben. "Obwohl Probleme im Wassernetz der Gemeinde seit langem bekannt sind und wiederholt coliforme Bakterien an verschiedenen Messstellen im Versorgungsgebiet sowie im Hochbehälter der Versorgungszone Gessertshausen-Ost/Deubach gefunden worden waren, wurde über Jahre hinweg nichts getan", klagen die Bürger. Bei verschiedenen Wassernutzern hätten sich inzwischen Allergien und andere Abwehrreaktionen in verschiedenen Formen gezeigt.

Engelbert Kugelbrey und Robert Kastl, die Initiatoren der Initiative zur Sanierung der Wasserversorgung Gessertshausen, forderten Bürgermeister Jürgen Mögele und die Gemeinderäte dringend auf, endlich zu handeln. "Ziel muss es sein, den Gemeindebürgern so schnell wie möglich wieder sauberes Trinkwasser ohne Chlor zur Verfügung zu stellen." Auf einer Infoveranstaltung der Gemeinde in der Schwarzachhalle informierte vor Kurzem Diplom-Ingenieurin Andrea Wörle von den Stadtwerken über die Sachlage. Mögliche Ursachen für die Verkeimung könnten nicht nur Verschmutzungen durch Insekten sein, die im undichten Hochbehälter in Deubach nachgewiesen wurden, auch eine Anzahl von Hausanschlüssen sei veraltet und entspreche nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften. Des Weiteren berichtete sie von einer veralteten Elektrotechnik sowie Ablagerungen in den Rohren. Auf jede dieser Tatsachen könnte die Verkeimung zurück zu führen sein. Im Brunnen in Deubach seien bei Untersuchungen allerdings keine Keime gefunden worden. Klar wurde bei der Infoveranstaltung, dass die sehnlich gewünschte Aufhebung der Chlorung des Trinkwassers nicht so schnell möglich sein wird. Zuerst müssen alle notwendigen technischen Maßnahmen umgesetzt sein, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Die erste wichtige Maßnahme wird die baldige Spülung aller Rohrleitungen sein. Die Ausschreibung für den dafür notwendigen Übergabeschacht, der die Wasserversorgung während der Spülvorgänge gewährleisten soll, ist bereits erfolgt. Mit dem Beginn der Spülung wird mit Mitte Februar gerechnet. Nach erfolgreicher Spülung könne die Chlorung möglicherweise im Mai aufgehoben werden.

Die Vorwürfe der Betroffenen, dass bisher nichts unternommen worden wäre, wies Wörle zurück. Laufend würden Proben entnommen und Leitungen überprüft sowie die Sanierung bis ins Detail vorbereitet. Klar wurde aber auch, dass die Gemeinde wohl über Jahrzehnte hinsichtlich der Wasserversorgung nichts getan hatte. Jetzt muss aber schnellstens gehandelt werden. So soll in Margetshausen ein moderner Hochbehälter für ganz Gessertshausen für 2,3 Millionen Euro gebaut werden. Die Finanzierung könnte über den Wasserpreis erfolgen. Einen Zuschuss kann die Gemeinde nicht erwarten, da sie in den vergangenen 20 Jahren praktisch nicht in die Wasserversorgung investiert hat. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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