Gessertshausener Ortsumgehung nicht auf Kosten der Natur

15.000 Fahrzeuge fahren täglich durch Gessertshausen. Die Anwohner plädieren für eine Ortsumfahrung. Der Verein "Pro Natur - lebendiges Gessertshausen ohne Ortsumfahrung" macht aber vehement darauf aufmerksam, dass es keine gute Lösung für eine Ortsumfahrung gebe, ohne andere erhebliche Nachteile. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek

Im Gegensatz zu Diedorf ist die Ortsumfahrung Gessertshausen seit mehr als 30 Jahren umstritten. Eine baldige Entscheidung muss her.

"Das Schmutter- und Staudengebiet ist so lieblich, dass es eine Schande wäre, es zu zerstören", erklärt die zweite Vorsitzende des Vereins Pro Natur - Lebendiges Gessertshausen ohne Ortsumfahrung e.V.

Im Gegensatz zum Nachbarort Diedorf, wo das Verkehrsaufkommen fast doppelt so hoch ist und die Bürger vehement für eine Ortsumfahrung kämpfen, ist dieses Thema in Gessertshausen seit mehr als 30 Jahren umstritten. Durch 15.000 Fahrzeuge, die täglich durch den Ort fahren, sind die Anwohner teilweise unerträglich belastet. "Allerdings", so erklärt Ertl, "wurde festgestellt, dass an der Straße gar nicht so viele Bürger wohnen. Es handelt sich hier vielmehr um überwiegend Geschäfte". Damit sind alle Pläne in den angedachten Dimensionen für eine Ortsumfahrung ihrer Meinung nach schlichtweg Wahnsinn. Dagegen möchte der Verein Pro Natur aufmerksam machen.

"Es gibt einfach keine gute Lösung für eine Ortsumfahrung in Gessertshausen. Jede der Ortumfahrungen bringt erhebliche Nachteile mit sich", zeigt sich die Zweite Vorsitzende von Pro Natur kämpferisch. Für sie ist es eine Gewissensfrage, durch weitere massive Einschnitte noch mehr Natur zu zerstören. Allein die angedachte Südumfahrung, die durch den Bannwald über die Schwarzach führen würde, zöge nicht nur die Rodung von sieben Hektar Bannwald nach sich, es würden sechs Brücken entstehen, davon eine über 400 Meter lang. Damit wäre die Natur weitgehend verschandelt.

Verworfen wurde bereits die Nord-Trasse, deren Bau eine weitere Gefahr für das Überschwemmungsgebiet bergen würde. Jetzt ist eine Nord-Umfahrung südlich der Bahntrasse geplant. "Dafür aber müssten nicht nur der P + R-Platz verlegt, sondern sogar das vor einigen Jahren gebaute Ärztehaus möglicherweise abgerissen werden", will sich Ertl diese Möglichkeit als Endlösung erst gar nicht vorstellen. Hier gäbe es in der Ausführung zwei Möglichkeiten, die beiden keinen Gefallen finden: Die Bahntrasse ohne sogenannte "Rampe" würde direkt durch das Überschwemmungsgebiet auf der früheren B 300 führen. Die Variante der Bahntrasse mit Rampe hat eine Anbindung zum Süden hin und führt nahe durch das bebaute Gebiet. In diesem Zusammenhang mahnen die Mitglieder von Pro Natur davor, dass eine Umfahrung Gessertshausens auf keinen Fall alle Probleme löse, sondern auch neue schaffe. Bei einer Südtrasse sei zu erwarten, dass durch den Ort Margertshausen mehr Verkehr fließe.

Bei der Bahntrasse mit Rampe sei eine ähnlich hohe Verkehrszunahme für Margertshausen zu erwarten. Die Bahntrasse ohne Rampe bringe eine nur um 2000 Autos geringere Verkehrsentlastung. Diese verhältnismäßig hohe Verkehrsentlastung könne aber nur dadurch erreicht werden, indem sich der Verkehr andere Wege suche. Für Wollishausen würde das bedeuten, dass sich der Verkehr verdoppeln würde.

Nach Meinung von Pro Natur wäre bereits mit einer Verbesserung des Nahverkehrs, etwa durch eine S-Bahn-ähnliche Verbindung, viel geholfen. Auch ein vor zwei Jahren auf die Durchfahrtsstraße aufgebrachter Flüsterasphalt hätte einiges gebracht. Trotzdem aber gingen die Forderungen im Ort weiter.

Vorstellen könnten sich die Mitglieder von Pro Natur zur Entlastung der Anwohner auch Parkverbote an den Engstellen, Geschwindigkeitsreduzierungen oder Schallschutzfenster auf Kosten des Staates. Hinsichtlich Parkverboten und Geschwindigkeitsreduzierungen sind der Gemeinde aber die Hände gebunden, da es sich bei der Ortsdurchfahrt, der B 300, um eine Staatsstraße handelt.

Eine Entscheidung bezüglich einer Ortsumfahrung muss gefällt werden. Für die Erste Vorsitzende des Vereins Karin Kowalke und Claudia Ertl kann dies nur eine Entscheidung gegen eine Ortsumfahrung sein. Der Ort Weyarn hatte eine ähnliche Situation wie Gessertshausen zu bewältigen und sich gegen eine Ortsumfahrung entschieden. Der Verein Pro Natur hatte deshalb den damaligen Bürgermeister Michael Pelzer eingeladen, um zu berichten, welche wesentlichen Entscheidungen dort getroffen worden waren. Pelzer meinte, er könne keine konkreten Ratschläge geben. Aber er berichtete, dass in Weyarn durch einen Bürgerbeteiligungsprozess ein mehrheitsfähiger Kompromiss gefunden wurde. Durch einen breiteren Gehsteig und Radweg sowie einem zusätzlichen Grünstreifen wurde der dörfliche Charakter der Straße betont und dadurch die Interessen aller Verkehrsteilnehmer gleichermaßen berücksichtigt.

Auch die Erste Bürgermeisterin Claudia Schuster sei eine baldige Entscheidung für Gessertshausen wichtig. "Die Ortsumfahrung ist ein heikles Thema, bei dem große Uneinigkeit vor Ort herrscht", erklärt sie. "Solange so viel Uneinigkeit herrscht, ist es schwierig, in irgendeiner Art und Weise weiter zu kommen. Es ist aber wichtig, diese Entscheidung bald zu treffen", so Schuster. Nach Meinung der Bürgermeisterin braucht Gessertshausen eine Ortsumfahrung. Die Gemeinde will sich allerdings in diesem Disput neutral verhalten. "Einig sind sich wohl alle, dass durch die derzeitige Ortsdurchfahrt eine schwierige Situation in Gessertshausen herrscht".
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