Ortsumfahrung: Drei Varianten, viele Meinungen

"Einig sind sich wohl alle, dass durch die derzeitige Ortsdurchfahrt eine schwierige Situation in Gessertshausen herrscht", sagt die Bürgermeisterin von Gessertshausen, Claudia Schuster. Aus drei Varianten gelte es, die bestmögliche Lösung für eine Umgehungstraße zu finden. Foto: jkw

15 000 Fahrzeuge fahren täglich durch Gessertshausen. Die Anwohner plädieren für eine Ortsumfahrung, doch die Situation ist nicht einfach.

Jetzt wollen auch die Bewohner von Gessertshausen verstärkt dem Verkehr, der täglich durch ihren Ort braust, den Kampf ansagen. Denn einig sind sich wohl alle, dass durch die derzeitige Ortsdurchfahrt eine schwierige Situation im Ort herrscht. "Wir brauchen dringend eine Ortsumfahrung", erklärt die erste Bürgermeisterin der Gemeinde Gessertshausen, Claudia Schuster. Wie die geforderte Umgehung für den Markt Diedorf ist auch die Umgehungsstraße für Gessertshausen bereits seit etlichen Jahren im Bundesverkehrswegeplan im vordinglichen Bereich eingestellt. Doch während in der Nachbargemeinde Diedorf eine bestimmte Trasse im Fokus steht, gibt es in Gessertshausen gleich drei verschiedene Möglichkeiten, die zu bewerten sind.

Als Möglichkeiten stehen die Südtrasse, die Bahntrasse ohne Rampe sowie die Bahntrasse mit Rampe im Variantenvergleich. "Eigentlich sind sie nicht miteinander vergleichbar. Eine Entscheidung ist damit nicht einfach", so Schuster. Klar sei aber, dass durch jede der möglichen Trassen der Starkverkehr mit 15 000 bis 17 000 Fahrzeugen täglich auf der Hauptstraße in Gessertshausen um 70 bis 80 Prozent verringert werden könne. Anhand der neuesten Voruntersuchung für die Trassenführung der Ortsumfahrung Gessertshausen durch das Staatliche Bauamt, soll nun endgültig über den Verlauf der Trasse entschieden werden. Mit dieser möchte die Bürgermeisterin dann in den neuen Bundeswegeverkehrsplan aufgenommen werden, der Ende dieses Jahres oder Anfang 2016 auf den Weg gebracht werden soll.

Bei der Voruntersuchung prüfte das Staatliche Straßenbauamt nicht nur die Machbarkeiten der verschiedenen zur Wahl stehenden Trassen, sondern auch Umweltverträglichkeiten hinsichtlich Menschen, Wohnen, Boden, Tiere, Pflanzen und Landschaft. Überdacht werden nun in Gessertshausen die drei Möglichkeiten: Südtrasse, eine sehr alte Variante; die Bahn- oder die "Strehletrasse", benannt nach dem ehemaligen stellvertretenden Landrat Max Strehle, der diese Möglichkeit schon vor vielen Jahren ins Gespräch gebracht hatte; sowie als weitere Variante die Bahntrasse mit Rampe. Der Variantenvergleich wurde in der vergangenen Bürgerversammlung vorgestellt. Jede Variante hat ihre Nachteile. Die verkehrstechnische Beurteilung für die Südumfahrung fällt noch am besten aus. Allerdings wird hier die Natur weitgehend in Mitleidenschaft gezogen, des Weiteren ist ein größerer Flächenverbrauch nötig.

Mit 34,4 Millionen Euro wäre diese Lösung auch die teuerste. Wesentlich günstiger käme die Variante einer Nord-Umfahrung südlich der Bahntrasse ohne eine Rampe. Sie würde 21,7 Millionen Euro kosten. Dafür aber müssten nicht nur der Park+Ride-Platz verlegt, sondern sogar das vor einigen Jahren gebaute Ärztehaus möglicherweise abgerissen werden. Zudem würde die Bahntrasse ohne Rampe direkt durch das Überschwemmungsgebiet der früheren B 300 führen. Die Variante der Bahntrasse mit Rampe hat eine Anbindung zum Süden hin und führt nahe durch das bebaute Gebiet. Hier warnte bereits die Initiative "Pro Natur - lebendiges Gessertshausen ohne Ortsumfahrung" vor nachfolgenden Problemen wie etwa einer massiven Verkehrszunahme für Margertshausen.

Während für die Regierung von Schwaben schon seit 2002 entschieden ist, dass die Südvariante gebaut werden soll, sind sich die Bürger von Gessertshausen also noch lange nicht einig. In den vergangenen Jahren haben sich hinsichtlich Pro und Kontra der möglichen Varianten vier verschiedene Initiativen gebildet. Die Gruppe "Pro Natur - Lebendiges Gessertshausen ohne Ortsumfahrung" möchte dabei gar eine Umfahrung auf Kosten der Natur völlig vermeiden und ohne Umfahrung auskommen.
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