Pfusch und Schlamperei - prekäre Lage durch marode Wasserleitungen in Gessertshausen

Der ausgestellte Schieber in der Informationsveranstaltung zum Thema Wasser sah nicht sehr appetitlich aus. Laut Marc Schlachter vom Gesundheitsamt sähen diese aber in normalen Wasserversorgungen so aus und wären in gesunden Wasserversorgungen kein Problem. In Gessertshausen entstünden allerdings Probleme aufgrund eines speziellen Keimes. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek

Die technischen Arbeiten der Stadtwerke Augsburg, die als Notfallmaßnahmen am Wassernetz Gessertshausens durchzuführen waren, sind abgeschlossen, die Spülmaßnahmen, die etwa zweieinhalb Wochen dauern sollen, sind seit dem 18. April im Gange. Daran anschließend sollte man aus der Chlorierung aussteigen können, erklärte Gessertshausens Bürgermeister Jürgen Mögele bei einer zweiten Informationsveranstaltung zum Thema Wasser in die Schwarzachhalle.

Doch Marc Schlachter vom Gesundheitsamt-Land machte deutlich, dass es auch anschließend nochmals zu einem kurzfristigen Abkochgebot oder einer Chlorierung kommen könne. "Die Keimfreiheit des Wassers kann man eben nicht feststellen, so lange gechlort wird".

Gemeinde und Stadtwerke in der Pflicht

Doch damit ist in Gessertshausen noch lange nicht alles gut. Marc Schlachter nahm bei der Informationsveranstaltung kein Blatt vor den Mund und machte den 70 anwesenden Bürgern deutlich, was noch auf sie zukommen wird. Man müsse davon ausgehen, dass die aufgetretenen coliformen Bakterien, die zu Abkochgebot und Chlorierung führten, zurück zu führen sind auf eine Nichteinhaltung von Regeln der Technik bei Planung, Bau und Betrieb. Beim Auftreten solcher Probleme sei eindeutig die Gemeinde in der Pflicht. Diese beauftragte deshalb die Stadtwerke Augsburg mit der Angelegenheit. Klar erkannt wurde dabei, dass in der Vergangenheit organisatorische und planerische Fehler passiert sind: Behälter und Leitungen wurden mangelhaft gepflegt und gewartet. Defekte Absicherungen zu den Hausinstallationen wurden entdeckt.

"Planwerk stimmte in keinster Weise"

Für Schlachter war es nur eine Frage der Zeit, bis das Ganze havarierte. Stadtwerke und Gesundheitsamt klagen über größte Schwierigkeiten und zahlreiche Überraschungen, weil etliche Wasserleitungen nicht dort lagen, wo sie laut Plan sein sollten. Planwerk und die Gegebenheiten unter dem Boden hatten kaum etwas miteinander gemein. "Das Planwerk stimmte in keinster Weise. Wo eine Leitung liegen sollte, lagen zwei und auch die angegebenen Durchmesser der Rohre waren weitgehend falsch", war von den Verantwortlichen zu erfahren, "nichts was man sich in der Planung vorgenommen hatte, war vor Ort zu verwirklichen. Wichtige Entscheidungen konnten somit nur noch direkt vor Ort getroffen werden."

Nach vorne in die Zukunft schauen

Auf die Frage eines Bürgers, wie es denn in anderen Ortsteilen aussähe, erklärte Schlachter unumwunden, dass die gleiche Havarie hier jederzeit ebenfalls passieren könnte, da die Leitungen genauso marode wären.

"Es wurde in der Vergangenheit Mist gebaut und wir müssen nun dafür zahlen", beschwerten sich die Bürger. Auch wenn Schlachter die Schuldfrage, die immer wieder von den Zuhörern aufgeworfen wurde, verstehe, sah Schlachter letztlich für Gessertshausen nur die Möglichkeit, jetzt nach vorne zu schauen.

Sanierungsarbeiten betreffen Ortsteile von Gessertshausen

Auch Robert Hörmann von den Stadtwerken Augsburg sprach von massiven Hindernissen bei den Notfallarbeiten durch schlechte Bestandsunterlagen, falsch eingezeichnete Leitungsquerschnitte, zum Teil sehr tief verlegte Leitungen und undichte Streckenschieber. Doch von all diesen Problemen seien viele Punkte inzwischen abgearbeitet worden. Doch mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten müsse erst begonnen werden, ein Fahrplan für die Zukunft aufgestellt werden. Dazu gehören die Klärung Schutzgebiet Brunnen Döpshofen, die Erneuerung des Brunnens in Döpshofen, eine Risikoanalyse für Gessertshausen-West, Margertshausen, Wollishausen und Döpshofen sowie eine Begehung der dortigen Kundenanlagen. Weiter erforderlich sind Anpassungen im Hochbehälter Deubach für die Einspeisung in den Zentralbehälter Margertshausen, Erneuerung von Wasserleitungen und Verbesserungen im Leitungsnetz sowie der Aufbereitungsanlagen Deubach und Margertshausen.

Maßnahmen werden teuer, sind aber nötig

All diese Maßnahmen sind zwingend erforderlich und werden nicht billig sein. Man müsse zu gegebener Zeit sicher über Gebührenerhöhungen oder Verbesserungsbeiträge nachdenken, derzeit habe man aber noch keine Hausnummer, erklärte Geschäftsstellenleiter Wolfgang Dietz von der Gemeinde Gessertshausen. Klar sei, dass sich Gessertshausen darauf einstellen muss, dass Geld in die Hand genommen wird, da redete auch Bürgermeister Jürgen Mögele nicht um den heißen Brei. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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