Ein "Sozialkümmerer" für Graben

Sie beide waren ein perfekt eingespieltes Team im Projekt : Vera Lachenmaier (links) und Karina Pade. Foto: Caritas/Bernhard Gattner.


Am 1. April 2013 fiel der Startschuss für das Projekt "Wir - DAHEIM in Graben". Nun geht das Projekt nach drei Jahren seinem Ende entgegen. Vergangene Woche fand die Abschlussveranstaltung des Inklusions- und Sozialraumprojekt im Kulturzentrum Graben statt. Nun setzt sich Grabens Bürgermeister Andreas Scharf dafür ein, dass die gewonnen Errungenschaften fortbestehen.

Vor drei Jahren tat sich die politische Gemeinde mit dem Caritasverband der Diözese Augsburg zusammen und rief das Projekt "Wir - DAHEIM in Graben" ins Leben. Ihr gemeinsames Ziel lag darin, genau zu prüfen und zu beobachten, was eine ländliche Gemeinde wie Graben tun muss und kann, um angesichts des demographischen Wandels ein attraktives soziales Umfeld zu bieten. Das Projekt richtete sich vor allem an diejenigen, die auf Hilfe angewiesen sind: Junge oder Alte, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit finanziellen Problemen.

Die Aktion Mensch begrüßte das Projekt als ein Sozialraum- und Inklusionsprojekt und auch der Freistaat Bayern, der Landkreis Augsburg und der Verein Begegnungsland Lech-Wertach zeigten großes Interesse und unterstützten das Projekt finanziell und reicherten es mit Ideen an. Auch das Institut für Humangeographie und Geo-Informatik der Universität Augsburg beteiligte sich am Projekt. Mit einer Bürgerbefragung konnten die Grundlagen für eine detaillierte soziographische Analyse geschaffen werden. Die Soziologin Annette Plankensteiner begleitete das Projekt aus einem fachlichen Blickwinkel und wertet nun die Ergebnisse in einem Buch aus, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Da das Projekt zu Ende geht, haben Grabens Einwohner die Sorge, dass das Geschaffte verloren gehe. Denn vieles ist in den vergangenen drei Jahren durch das bürgerliche Engagement entstanden: eine Informations-Broschüre mit allen wichtigen Adressen und Informationen für die "Gräbinger", ein Fahrerservice und ein wöchentlicher Einkaufsmarkt auf dem Rathausplatz. Auch der Asylhelferkreis konnte in den vergangenen drei Jahren ein nachhaltiges und umfassendes Hilfsnetzwerk aufbauen. Sogar die Beseitigung von Barrieren ist den Bewohnern Grabens gelungen. Dazu bot das Projekt eine Ortsbegehung für interessierte Bürger an, um gemeinsam die Barrieren des Ortes ausfindig zu machen.

Dass dieses Projekt so viele Früchte trägt, ist nicht zuletzt den Bürgern selbst zu verdanken. Bürgermeister Scharf betonte immer wieder den entscheidenden Impuls des Projekts: "Wir haben neu zu denken gelernt, unsere Blickwinkel verändert und uns für Neues geöffnet."

,Wir' - das sind vor allem die Ehrenamtlichen Helfer. Aber auch Vera Lachenmaier trug maßgeblich zum Erfolg des Projektes bei. Die Pädagogin hatte der Caritasverband engagiert, um vor Ort das Sozialraum- und Inklusionsprojekt "Wir - DAHEIM in Graben!" ins Leben zu übersetzen. Sie moderierte, lieferte Ideen, ermutigte, unterstützte und half den Gräbingern. "Ohne die Ehrenamtlichen, die sich nicht nur einbrachten, sondern auch klar sagten, was sie sich vorstellen und was sie wollen, wäre das Projekt niemals aus der Wiege herausgekommen", so Lachenmaier. "Die Menschen hier vor Ort sind die besten Experten in ihrer eigenen Sache."

Auch Karina Pade, die im Projekt als Verwaltungsangestellte mitgearbeitet hatte, ist sich sicher: "Dieses Projekt war so ein großer Erfolg, weil der Bürgermeister, der Gemeinderat, die Verwaltung uns zur Seite standen. Nicht zu vergessen ist der Aspekt, dass es nie ohne unsere ehrenamtlichen engagierten Bürger gegangen wäre. Ohne diese Unterstützung hätten wir keine Erfolge vorzeigen können."

Nach den Fortschritten ist es also selbstverständlich, dass diejenigen, die das Projekt vorantrieben, große Angst haben, dass alles wieder "den Bach heruntergeht" oder "sich verläuft und wir wieder dort stehen, wo wir vor dem Projekt waren." Doch die Angst konnte ihnen Bürgermeister Andreas Scharf nehmen. Gemeinsam mit fünf anderen Lechfeld-Gemeinden schließt sich Graben nun zusammen und möchte gemeinsam einen "Sozialkümmerer" anstellen. Auch die "Sachbearbeitung Soziales" wird in der Gemeinde Graben in die Geschäftsordnung übernommen und damit fest in der Kommunalverwaltung verankert sein. Diese Aufgabe übernimmt Karina Pade.

In dem neu gegründeten Sozialbeirat sind nun auch die Jugendreferentin, die Seniorenbeauftragte, der Senioren-Club, die Behindertenbeauftragte, die beiden Kirchen, der Helferpool und der Asylhelferkreis fester Bestandteil, wie auch die Themengruppe, die inzwischen in "Arbeitsgemeinschaft Wir - Daheim in Graben und Lechfeld" umbenannt wurde. Für die Gräbinger und das Team war das Projekt also ein voller Erfolg. "Ich habe in diesen drei Jahren viel an Erfahrung mitgenommen. Vera Lachenmaier war diesbezüglich eine sehr große Unterstützung. Man hat viele Netzwerke und Kontakte geknüpft, die für das weitere Vorgehen sehr nützlich sind", so Pade, die sich über das Fortbestehen der Projektidee freut. (Verena Gawert )
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