Studie der Uni Augsburg: Ein Stück vom Internet-Kuchen für den lokalen Handel?

Im Internet gibt es fast alles - aber relativ wenig Produkte aus der Region. Das könnte sich im kommenden Jahr vielleicht ändern. (Foto: Maksym Yemelyanov,123rf.de)


Ja, ist denn heut' schon Weihnachten? Für den Internethandel ja. Bis zum 24. Dezember herrscht Hochbetrieb in den Logistikzentren. In Graben im südlichen Landkreis Augsburg bereitet sich der Online-Riese Amazon auf das Weihnachtsgeschäft vor und sucht noch bis zu 2000 Saisonarbeitskräfte. Der lokale Einzelhandel indes versucht sein Geschäft gegen die Netz-Konkurrenz zu behaupten. Eine Untersuchung der Universität Augsburg soll jetzt klären, wie das hiesige Gewerbe ebenfalls vom Internet profitieren kann.

In einigen kleineren und mittleren Städten in der Region, etwa in Günzburg oder Pfaffenhofen an der Ilm, laufen bereits ähnliche Projekte. Auch dort sieht man im Onlinehandel eine zunehmende Bedrohung für die stationären Händler - und letztendlich eine Überlebensfrage für die Innenstädte.

Hilfe erhofft man sich von sogenannten lokalen Online-Marktplätzen: In solchen lokalen digitalen Warenhäusern präsentieren regionale Händler gemeinsam ihre Produkte. Vieles ist noch in der Test- und Evaluationsphase, heißt konkret: Ob die Geschäfte vor Ort Amazon & Co. wirklich Paroli bieten können, ist noch unklar.

Entsprechend zurückhaltend geben sich etwa die Teilnehmer an dem Projekt in Aichach. Markus Hilpert vom Augsburger Lehrstuhl für Humangeographie und Geoinformatik erklärte bei der Vorstellung der Untersuchung: Die Studie sei "völlig ergebnisoffen." Bis Juli 2017 sollen Einzelhändler, Handwerker und Dienstleister zunächst in Form von Interviews danach befragt werden, inwiefern sie überhaupt beim Online-Geschäft mitmischen wollen - und vor allem zu welchen Bedingungen.

"Ein Dschungel an Software-Möglichkeiten"

"Es gibt einen Dschungel an Software-Möglichkeiten. Wir versuchen in unserer Studie herauszufinden, was den Händlern wichtig ist: Soll das System, über das sie ihre Waren im Internet anbieten wollen, eher pflegeleicht sein oder wenig kosten?", erläutert Markus Hilpert. Fest steht: Der Onlinehandel verzeichnet noch immer große Zuwächse. "Viele Kunden gehen in die Läden vor Ort, lassen sich hier beraten und schauen dann zu Hause nach, ob es die entsprechende Ware im Internet billiger gibt."

Hilpert sieht für die lokalen Geschäfte im Onlinehandel aber dennoch Chancen. "Viele Betriebe profitieren bereits vom Internet, sie nutzen Homepages, um sich online zu präsentieren. Wir wollen herausfinden, ob und welches System passgenau auf den Aichacher Einzelhandel zugeschnitten ist." Nach der Befragung der Händler, Handwerker und Dienstleister, sollen gemeinsame Workshops stattfinden. Dort können sich die einzelnen Geschäftsleute noch einmal direkt untereinander austauschen.

Am Ende - das Projekt läuft bis Juli 2017 - will das Forschungsteam die Händler mit den Software-Anbietern zusammenbringen.

Mit von der Partie sind auch Einzelhändler aus Schrobenhausen. Christoph Gläßel von der Stadt Schrobenhausen war bei dem Treffen mit Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann und Wirtschaftsförderer Thomas Wörle mit dabei. Die Forschungsgruppe um Dr. Markus Hilpert aus Augsburg fungiert lediglich als Vermittler. Im Auftrag der Städte testet sie die verschiedenen Möglichkeiten. Herauskommen kann bei der Studie auch nichts, sprich: Das Ergebnis kann auch lauten, der Einzelhandel kommt auch ohne einen lokalen Online-Marktplatz gut zurecht. Oder: Jedes Geschäft regelt seinen Internet-Auftritt selbst.

Thomas Wörle sieht aber auch darin einen Nutzen: "Wenn nichts herauskommt, wissen wir, dass kein Handlungsbedarf besteht", so der Wirtschaftsförderer. Und Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann erklärt: "Die Kosten für die Studie halten sich in Grenzen." Ob und wie der Aichacher Handel sich sein Stück am Internet-Kuchen sichern kann, muss sich erst zeigen. Sicher ist, so Hilpert, nur das eine: "Das Internet wird immer billiger sein als der lokale Handel. Wichtig ist, mit anderen Werten zu punkten."

Einzelhändler, Handwerker und Dienstleister können sich direkt an Projektleiter Dr. Markus Hilpert wenden unter E-Mail: markus.hilpert@geo.uni-augsburg.de. ( Thomas Winter )
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