Vom Alptraum zum Traumhaus

Das Wohnzimmer besticht durch viele Details wie alte Holzbalken oder ein Buntglasfenster. Foto: Mertens

Als Barbara Sterz mit ihrem Mann vor mehr als zwei Jahrzehnten das Grundstück der verfallenen unteren Säge in Großaitingen kaufte, hätten sich die beiden nicht träumen lassen, dass sie vom Landkreis einmal mit einem Preis für innovatives und zeitgemäßes Bauen geehrt würden: Mit ihrem Haus an der Singold wurden sie für "Vorbildliches Bauen im Landkreis Augsburg" ausgezeichnet.

Die Architektin war bei ihrer Arbeit am Bebauungsplan auf das idyllische Gelände aufmerksam geworden und hatte mit ihrem Mann Erich Forster eine 800 Quadratmeter große Fläche von der Gemeinde erworben.

"Wenn ich damals gewusst hätte, wie viel Aufwand und Mühe auf uns warten", sagt sie und blättert in einem Fotoalbum, in dem die sechs Jahre dauernden Bauarbeiten dokumentiert sind. Zeitweise geriet der Traum vom Haus an der Singold zu einem wahren Alptraum, denn das Paar erledigte vieles in Eigenregie, kaufte sich einen alten Kran und säuberte unter anderem rund 10 000 Ziegelsteine; sie sind im neuen Gebäude verbaut und zeigen stellenweise Abdrücke von Katzenpfoten und Kinderhänden, die wahrscheinlich über Hundert Jahre alt sind.

"Als uns in der kalten Jahreszeit der Mörtel gefroren ist, haben wir aufgehört", schildert Sterz, doch entmutigen ließ sie sich deshalb nicht. "Viele haben uns für verrückt erklärt, aber wir waren richtig euphorisch!" Weil die Gattersäge auf einem massiven Betonfundament stand, musste ein Sprengmeister in Großaitingen anrücken und Platz für den Neubau schaffen. Während der anstrengenden Schufterei brachte die Architektin auch noch drei Kinder zur Welt und verbrachte viele Wochenenden auf der Baustelle. "Zum Glück ist bei der Arbeit keines der Kinder ins Wasser gefallen", sagt sie, denn direkt unter dem Wohnzimmer im ehemaligen Turbinenhaus rauscht die Singold durch. Sie wird Jahr durch den Einbau einer Wasserschnecke zur Energiegewinnung genutzt.

Wer heute ins Haus An der alten Säge 1 kommt, kann sich den früheren Ausnahmezustand kaum vorstellen. Das etwa 80 Quadratmeter große und fünfeinhalb Meter hohe Wohnzimmer mit Fußbodenheizung wirkt durch die Integration der alten Holzbalken sehr heimelig. Viele geschmackvolle und durchdachte Details fallen ins Auge wie ein Buntglasfenster, das die vier Elemente symbolisiert. Biber, Eisvögel und Silberreiher kann man mit etwas Glück von der Terrasse aus beobachten, die anstelle des ehemaligen Turbinenhausen über die Singold gebaut ist; unter dem Gebäude brütet eine Wasseramsel.

Beim Neubau in Großaitingen wurde die ursprüngliche L-Form beibehalten und das Abbruchmaterial, soweit möglich, wieder verwendet. "Man könnte also von einem Recyclinghaus sprechen", meint die Architektin und genießt mit ihrer Familie jetzt ihr kleines Paradies. Getrübt wird es manchmal nur durch Umweltsünder, die die Singold zur Entsorgung missbrauchen. Manchmal schwimmen Dosen oder eine alte Luftmatratze unterm Wohnzimmer durch, "aber wir hatten im Wasser auch schon einen blauen Müllsack, in dem ein totes Schwein lag".
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