Ein Blick hinter die Schlossmauern

Ergotherapeutin Jutta Pfeuffer begleitete Paulina bei ihrem Blick hinter die Kulissen. Das "Schwein", welches sie in der Hand hält, ist eines der außergewöhnlichen Kunstobjekte, welche die Bewohner in der Töpferei herstellen und welche sowohl im Schloss selber als auch auf diversen Märkten erworben werden können. Foto: Jessica Frank

Zwei Tage konnte sich die 15-jährige Schülerin Paulina als Praktikantin im AWO Therapiezentrum & Museum Schloss Cronheim einen kleinen Einblick in das Berufsbild Ergotherapeutin verschaffen und lernte dabei auch einige Bewohner und ihre Lebensgeschichten kennen. In der soziotherapeutischen Einrichtung für chronisch alkoholkranke Menschen leben aktuell 60 Personen, 40 in offenen, 20 in beschützenden Plätzen, zehn weitere in betreutem Wohnen in unmittelbarer Nähe. Das Ziel der Einrichtung ist es, langjährig suchtkranken Menschen einen Weg aus der Abhängigkeit und eine Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Auch im Rahmen der Ergotherapie wird versucht, die Menschen individuell da abzuholen, wo sie sich gerade befinden - dabei weder zu unter-, aber auch nicht zu überfordern - und mit Erfolgserlebnissen das Selbstwertgefühl zu stärken. Um langfristig auch ohne Alkohol wieder selbstbestimmt und selbstständig leben zu können.

Mit 15 Jahren steht man ja selber an einer Schwelle: die ersten Partys, Jugendgruppen und vieles mehr. Auch hier spielt Alkohol keine unwesentliche Rolle. Welche Erfahrungen Paulina in ihren zwei Tagen - auch für sich selbst - mitgenommen hat, hat sie uns in einem kleinen Interview erzählt.
Redaktion:
Du hattest dich ja bestimmt vorher informiert, mit welchem Problem die Bewohner in Cronheim im Wesentlichen kämpfen. Hattest du Berührungsängste?
Paulina:
Ja, ich war tatsächlich zu Beginn etwas befangen. Ich hatte bislang noch mit keinem Suchtkranken zu tun und wusste überhaupt nicht, wie ich mich verhalten und mit ihnen sprechen soll. Ich hatte ja auch gelesen, dass es auch darum geht, sie vor sich selbst und auch andere vor ihnen zu schützen.
Redaktion:
Wie liefen denn die beiden Tage ab?
Paulina:
Zuerst bekam ich eine Führung durch die gesamte Einrichtung, die ja in zwei Bereiche unterteilt ist: Das fand ich schon interessant. In dem einen konnten sich alle frei bewegen und auch das Gebäude verlassen. Einen anderen Bereich durften die Bewohner entweder noch gar nicht oder nur in Begleitung eines Betreuers verlassen, weil sie eben noch vor sich selbst beschützt werden müssen. Sie haben noch zu großes Verlangen nach Alkohol und sind noch nicht stark genug, nein zu sagen. Dann gibt es noch die Küche und den Speiseraum, wo zusammen gegessen wird. Und natürlich die verschiedenen Arbeitsbereiche, in welchen ich dann auch mit der Ergotherapeutin Jutta Pfeuffer "gearbeitet" habe: Eine Töpferei, eine Korbflechterei, es werden tolle Mosaik-, Strick- und Filzarbeiten gemacht und gemalt. Auch eine Musikgruppe gibt es. Zum Therapiezentrum gehört auch ein Museum, in welchem unter anderem verschiedene Miniaturen ausgestellt sind, welche in der Schreinerei entstanden sind und von den Originalen eigentlich nur durch die Größe zu unterscheiden sind - faszinierend! Die Bewohner machen überhaupt viele tolle Sachen, die sie dann auch im Laden oder auf Märkten verkaufen, teilweise auch selber. Ich glaube, das macht sie schon sehr stolz.
Redaktion:
Du hast dich ja auch mit dem einen oder anderen unterhalten ...
Paulina:
Klar und das war schon irgendwie erschreckend: Der eine hatte schon einen alkoholkranken Vater und glaubt, dass das auch ein bisschen vererbt wurde. Ein anderer ist da durch seinen Job "reingeschlittert". Er war auf dem Bau und irgendwie wurde da immer Bier getrunken und eine gewisse Menge war dann irgendwann ganz normal - und dann konnte er nicht mehr ohne. Dafür war er allein, weil meistens auch die Familie daran zerbricht.
Redaktion:
Wie stehst du jetzt dem Thema Alkohol gegenüber?
Paulina:
Ich glaube, man muss schon aufpassen wie oft und wieviel man trinkt. Bisher hab ich das immer eher lustig empfunden, wenn wer betrunken war. Aber allein die Aussage: "...der ist meistens auf Feiern betrunken..." sollte einen nachdenklich stimmen und vielleicht auch eingreifen lassen.
Redaktion:
Und wie steht's mit dem Beruf Ergotherapeutin?
Paulina:
Ich könnte mir schon vorstellen, in dem Bereich zu arbeiten. Es ist toll, mit welchen Mitteln man den Menschen helfen kann, sich wieder wert zu fühlen. (Jessica Frank )
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