Drei unterschiedliche Ehrenämter füllen ihren Alltag aus

Drei Ehrenämter übt Evelyn Ziegler aus Kissing aus, abends fordert ihr betagter Kater Smoky Zeit für sich.
Kissing: Gemeindeverwaltung | Vor sieben Jahren entschied sich Evelyn Ziegler, in der Gemeinde Kissing zu leben. Ihr Ehrenamt in einem Münchner Verein, den sie mit anderen Müttern im Jahr 2000 gegründet hatte, führte sie trotzdem fort. Vor einem Jahr nahm sie noch zwei neue, vom Inhalt her ganz unterschiedliche Ehrenämter an, die sie seitdem mit Freude und Elan ausübt.
„Quicklebendig e. V.“ heißt der Münchner Verein, den Evelyn Ziegler vor 16 Jahren mit vier Müttern zur Förderung von Kindern, die ADHS haben oder von anderen seelischen Problemen betroffen bzw. bedroht sind, gegründet hat. Sie ist eines der Vorstandsmitglieder und übt das Amt der Kassiererin aus. Sie setzt sich dafür ein, dass der Verein weitere Mitglieder gewinnt und gewährt einen finanziellen Beitrag für die erforderlichen Therapien. „Vor allem Reittherapie und Schwimmkurse sind Möglichkeiten, diesen Kindern zu helfen“, erzählt sie. „Das Reiten ist eines der besten Mittel, denn die Kinder merken beim Streicheln der Tiere, dass sie ihnen nichts tun. Sie befassen sich mit den Pferden, satteln sie selbst und füttern sie.“ Sie erzählt, dass der Verein auch einmal einen Fotokurs anbot, bei dem die Kinder wunderschöne Bilder, zum Beispiel ein Kind auf einer Blüte, selbst gestalten konnten.

Anfang des Jahres 2015 endete Evelyn Zieglers berufliche Tätigkeit als Sekretärin in der Sparte Kerntechnik beim Technischen Überwachungsverein München. Im April 2015 nahm sie die große Herausforderung an, als ehrenamtliche Richterin beim Augsburger Verwaltungsgericht zu arbeiten. Einen Monat später besuchte sie eine Veranstaltung der Gemeinde Kissing, bei der Erster Bürgermeister Manfred Wolf weitere Aktive für den Asylhelferkreis suchte. Da noch Syrer erwartet wurden, für die Sprachkurse nötig waren, meldete sich Evelyn Ziegler als ehrenamtliche Lehrerin. Sie unterstützte zuerst eine andere Lehrerin, die noch vier Eritreer für einige Wochen unterrichtete und übernahm dann für etwa ein Jahr an zwei Tagen pro Woche einen eigenen Sprachkurs für Analphabeten im Kissinger Mehrgenerationenhaus. „Die ersten vier Wochen hatte ich einen Dolmetscher zur Seite und tat mich relativ leicht. Danach verständigte ich mich mit meinen Schützlingen durch Zeichensprache, durch Malen oder Sketche“, verrät die engagierte Frau. Sie begann den Kurs mit einer zweiten Lehrerin, die dann aber eine eigene Gruppe haben wollte. „Meine Schüler waren sehr motiviert und fleißig. Besonders stolz war ich, als sie beim Abschluss des Kurses das winterliche Gedicht von Christian Morgenstern über drei Spatzen lesen und sogar verstehen konnten“, freut sie sich. Sie gab den jungen Menschen auch Hilfen für den Alltag in Deutschland: Sie erklärte verschiedene Amtsbesuche, ein Gespräche mit einem Polizisten oder wie sie in einem Dialog über sich sprechen könnten. Einige ihrer Schützlinge zogen nach der Anerkennung in andere Städte, wo sie Freunde hatten und eine Wohnung und Arbeit fanden. Andere begannen den erforderlichen Integrationskurs. Außerdem kümmerte sie sich bis Juni 2016 darum, für die Neubürger Bankkonten zu eröffnen. Seit der Kleiderladen eröffnet hat, arbeitet Evelyn Ziegler dienstags und mittwochs dort an der Kasse. „Besonders dringend bräuchten wir Fahrräder und Fußballschuhe, für Kinder und auch für Erwachsene, und Fernsehgeräte mit Receivern“, sagt sie. Manchmal erteilt sie weiterhin auf Anfrage Unterricht im Laden oder im Gemeinschaftsraum der Unterkunft.

Evelyn Ziegler zeigt Fotos von drei Schülern mit besonderen Problemen, die sie durch ihr Engagement lösen konnte. „Als ich merkte, dass ein Teilnehmer meiner Gruppe bestimmte Buchstaben nicht aussprechen konnte, besorgte ich mir Spezialbücher und gab ihm Einzelunterricht, wodurch er sich zusehends verbesserte. Die beiden anderen nahm ich mit zu meinem Zahnarzt und dieser konnte bei ihnen die erforderlichen Zahnbehandlungen durchführen“, freut sie sich und erinnert sich, wie dankbar sie ihr damals waren. Hin und wieder fährt sie einzelne mit ihrem Privatauto nach Aichach zum Landratsamt, wenn sie dort einen Termin haben, weil es mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schwierig sei, pünktlich zu sein.

Als Motiv für ihre Hilfsbereitschaft gibt sie an, dass es für sie eine Christenpflicht sei, da zu helfen, wo „Not am Mann sei“. „In unserer Wohlstandsgesellschaft ist Hilfe für mich ein Akt der Humanität. Außerdem habe ich viel Zeit und lerne auch etwas von ihnen. Es ist für mich sozusagen ein Kulturaustausch“, verrät Evelyn Ziegler. Als Besitzerin eines hochbetagten Katers kann sie derzeit nämlich nicht in den Urlaub reisen. Sie lernt von den Afrikanern Mandinka, die Sprache des Landes Gambia und unterhält sich mit manchen auf Italienisch. Außerdem erfährt sie viel über deren Heimatländer.

Allerdings wird ihre Hilfe nicht immer nur positiv gesehen: Eine langjährige Freundin brach mit ihr den Kontakt plötzlich ab, weil sie an Weihnachten ihre ehemaligen Schüler besucht hatte. Viele Tätigkeiten übernahmen die von der Gemeinde Kissing vor einiger Zeit fest angestellten Kräfte. Fahrten zu Ämtern sind nicht erwünscht, damit die jungen Leute sich daran gewöhnen, selbständig ihre Pflichten wahrzunehmen.
Evelyn Ziegler zeigt auf eindrückliche Weise, dass ein Ehrenamt nicht nur Freude und Zufriedenheit bringt, sondern auch neue Fähigkeiten zu Tage fördert.
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