Hiasl-Erlebniswelt soll in Kissing bleiben

Eine derart umfangreiche Karte wird für die Suche nach einem Nachfolgestandort für die Hiasl-Erlebniswelt wohl nicht vonnöten sein. Das Museum über den Wildschütz soll auch nach dem Aus auf Gut Mergenthau in der Gemeinde Kissing bleiben. Foto: Siegfried Kerpf/Regio Augsburg Tourismus GmbH

Zwölf Jahre lang war die Hiasl-Erlebniswelt auf Gut Mergenthau bei Kissing daheim. Doch zum 31. Oktober geht die Zeit für das kleine Räubermuseum zu Ende. Der Mythos des in Kissing geborenen Wildschützen und Räuberhauptmanns soll aber weiterleben. Bürgermeister Manfred Wolf berichtet über Gespräche mit möglichen Nachfolge-Standorten in der Gemeinde.

Als Matthias Klostermayr zu Lebzeiten das Gut Mergenthau verlassen musste, markierte das den Wendepunkt in seinem Leben. Bis dahin hatten die dort ansässigen Jesuiten den jungen Mann als Jagdgehilfen beschäftigt - wegen eines Scherzes wurde er vom Hof gejagt. Er hatte einen Pater, der auf der Jagd versehentlich eine Katze geschossen hatte, als "Katzenschützen" verspottet.

Dieses Mal ist es schlicht ein endender Vertrag, der den Mann, der später als "Bairischer Hiasl" in die Geschichte einging, aus dem Gut verdrängt. Gutsherrin Monika Fottner hatte der Hiasl-Erlebniswelt dort zwölf Jahre lang eine Heimat gegeben - ohne wirtschaftlichen Hintergrund. Nun möchte sie die Räume der bisherigen Erlebniswelt selbst nutzen. Sie wolle, so Fottner in einer eigens einberufenen Pressekonferenz, mit dem Gebäude an sich Geld verdienen, um es zu erhalten.

Finanziert wurde die Räuberschau von der Regio Tourismus GmbH Augsburg und dem Wittelsbacher Land Verein. Dessen Vorsitzender Klaus Metzger, Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg, wie auch Kissings Bürgermeister Manfred Wolf äußerten einerseits Verständnis für den Schritt, betonten aber unisono, dass das Ende der Hiasl-Erlebniswelt auf Gut Mergenthau nicht zugleich das Ende des Mythos vom freien Räuberleben in den Wäldern um Kissing bedeute. "Dafür ist diese Story für uns vor Ort und weit darüber hinaus viel zu spannend", äußerte sich Wolf.

Die Geschichte des Mattheus Klostermair, wie sein Name nach seiner Geburt in einem Ökonomiegebäude des Gut Mergenthau 1736 ins Tafelregister eingetragen wurde, ist tatsächlich eine faszinierende. Nach dem Job bei den Jesuiten verdingte er sich bei einem Bauern als Knecht, verliebte sich in dessen Tochter, mit der er schließlich in wilder Ehe lebte und einen Sohn hatte. Weil das zu Schwierigkeiten mit dem Bauern führte, verließ Klostermayr den Hof und führte fortan ein Leben als Wildschütz. Der Beginn einer Legende.

Bereits damals verpasste man ihm den Spitznamen "Bairischer Hiasl", widmete ihm Kupferstiche. Einerseits dankten die Bauern ihm, dass er den Wildbestand reduzierte. Andererseits - und das brachte ihm den Ruf als bayerischer Robin Hood ein - gaben Klostermayr und seine Wilderer- und Räuberbanden wohl Teile ihrer Beute an die Armen ab. Klostermayr musste schließlich dafür büßen. In eine frische Kuhhaut gewickelt wurde er zur Richtstätte geschleift, auf der Radbrechmaschine erdrosselt, gerädert, geköpft und gevierteilt, sein Kopf auf den Galgen gesteckt und die Extremitäten in Dillingen, Füssen, Oberstdorf und Schwabmünchen ausgestellt.

Das war 1771. Doch sein Mythos lebt fort. Und das soll so bleiben. Daher wird für die Ausstellung über das Leben des Wilderers und Räuberhauptmanns neuer Raum gesucht - und zwar weiter innerhalb der Gemeinde. Wolf sprach von "vorsichtigen Gesprächen", Metzger von der Strahlkraft, die der charismatische Wildschütz für Kissing und den Landkreis habe.

Die letzte Chance, die Hiasl-Erlebniswelt in ihrer jetzigen Form auf Gut Mergenthau zu besichtigen, besteht an den kommenden Wochenenden jeden Samstag und Sonntag (von 14 bis 19 Uhr) und unwiderruflich am letzten Öffnungstag, am Sonntag, 29. Oktober. Dann wird der "Hiasl" ein zweites Mal Abschied nehmen von dem Ort, an dem er seine Kindheit und Jugend verbrachte - damals noch fernab von Beutezügen bei Großkopferten und dem Ärger mit der Obrigkeit. (
Von David Libossek)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.