Parade für den Lippl-Luggi

Die Verbundenheit des Jubilars mit seiner Heimatgemeinde zeigt das Kissinger Wappen an der Hofmauer. Foto: Stöbich


Eine große Gratulantenschar stand bei Ludwig Bernhard Schlange, um mit ihm auf seinen 80. Geburtstag anzustoßen. Außer seinen zahlreichen Spezln und Kissings Bürgermeister Manfred Wolf kamen auch mehr als ein Dutzend Schlepper-Freunde mit ihren Fahrzeugen, um dem Lippl-Luggi ihre Glückwünsche zu überbringen. Unter diesem Namen, der sich auf den ehemaligen Hof in der Bachernstraße bezieht, kennt man den Jubilar in Alt-Kissing, wo er gewissermaßen zum Urgestein zählt. Denn seit seiner Geburt als Jüngster von drei Brüdern lebt Bernhard auf dem Grundstück der Landwirtschaft, die er von seinen Eltern übernommen hat.

Eine Kindheit ganz ohne Blue-Ray, Smartphone und WhatsApp - so etwas können sich seine drei Enkel gar nicht mehr vorstellen. Doch der junge Ludwig wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und erlebte, wie mühsam es sein kann, von der eigenen Hände Arbeit zu leben: "Um fünf Uhr früh musste ich aufstehen und die Kühe versorgen, bevor ich anschließend zu meiner Arbeit als Maurer ging." So lang die Tage oft waren, so kurz waren die Nächte, denn als Schlagzeuger saß Bernhard mehrere Abende in der Woche zwischen Mering und München auf der Bühne. "Das Trommeln habe ich noch richtig nach Noten gelernt und war mein halbes Leben lang in der Kissinger Blaskapelle."

Auch der Feuerwehr, den Schützen und Veteranen sowie den Gesangvereinen in Kissing und Ried gehört er an. Mit den "Haderlumpen" war er noch bis vor zwei Jahren musikalisch aktiv und erinnert sich gern an manch feucht-fröhliche Hochzeitsfeier und seine Erfolge als flammenwerfender Feuerspucker. Aber auch an einen Zusammenbruch, als der Stress zuviel wurde: "Da habe ich auf der Bühne einen Magendurchbruch hinter meiner Trommel bekommen!"

Viel in der Welt herumgekommen ist der Luggi nicht, der 1961 seine Frau Theresia heiratete. Ihm genügte stets sein geliebtes Kissing, auf das er von seiner Wiese aus hinunterschauen kann wie ein König von seiner Burg.

Als heimlichen Bürgermeister charakterisiert ihn gar das amtierende Gemeindeoberhaupt Manfred Wolf, der ihn mit dem Goldenen Ehrenring auszeichnete. Denn 24 Jahre lang hat Bernhard als CSU-Ratsmitglied die Kommunalpolitik wesentlich mitgestaltet, zunächst von 1972 bis 1990 und nach einer Pause noch einmal sechs Jahre lang ab 1996. Auch heute nimmt der 80-jährige noch regen Anteil am Geschehen in seinem Heimatort und teilt gern seinen reichen Erfahrungsschatz, wenn er bei wichtigen Entscheidungen um seinen Rat gefragt wird. (Peter Stöbich )
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