So breit wird sie werden

Wolfhard von Thienen (rechts), Sprecher des Aktionsbündnisses „Keine Osttangente“, bat die Teilnehmer, sich für ein Abschlussfoto aufzustellen. Foto: oh

150 Menschen haben am Wochenende in Kissing demonstriert und gezeigt, wie viel Platz die geplante, vierspurige Straße brauchen könnte. Eingeladen hatte das Aktionsbündnis.

Voraussichtlich Ende 2015 wird die Entscheidung für oder gegen das Projekt B2 Osttangente Augsburg fallen. Derzeit prüft das Bundesverkehrsministerium das eingereichte Projekt, das eine autobahnähnliche, vierspurige Verbindung zwischen der Autobahn A8 bei Derching und der Bundesstraße B17 bei Oberottmarshausen schaffen soll. Wie breit sie einmal werden könnte, das demonstrierten etwa 150 Menschen am Wochenende. Dazu hatte das Aktionsbündnis „Keine Osttangente“ aufgerufen.

Mit dabei war Eva-Maria Schilling, die von Mering-St.-Afra mit ihren Enkeln Anna und Alex nach Kissing geradelt war. „Ich bin erst vor einem Jahr aus München nach Mering gezogen und möchte für mich und meine Enkel die Natur und gute Luft erhalten“, erklärt sie.

Rosemarie Klaus aus Kissing wohnt zwar an der B2 – täglich rollen mehr als 20 000 Autos, Laster und Motorräder durch Kissing – trotzdem ist sie gegen die Osttangente. „Hier sind unsere Naherholungsgebiete und die Kissinger Heide. Der Bund Naturschutz hat Ausgleichsflächen für den vierspurigen Bahnausbau erhalten, die alle zerstört würden.“

Die vierspurige Straße werde noch mehr Verkehr anziehen, glaubt Claudia Riesinger. Sie wünscht sich offizielle Zahlen über eine konkrete Entlastung für Kissing. Auch andere Teilnehmer glauben nicht, dass der innerörtliche Verkehr dank der Osttangente abnehmen wird. Obwohl sich die Anwohner seit über zehn Jahren über den Durchgangsverkehr beschweren, seien weitere Geschäfte wie der V-Markt entstanden. Den würden auch auswärtige Kunden anfahren.

Schon im Mai bildete sich das Aktionsbündnis „Keine Osttangente“, das die Bürger informieren, aber auch zum Protest gegen die geplante Bundesstraße aufrufen möchte. „Bestehende Naturschutz-, Wasserschutz- und Naherholungsgebiete, landwirtschaftliche Nutzflächen, die diese vierspurige Straße zerstören würde, sollen für die künftigen Generationen erhalten werden“ lautet das Hauptziel der Gegner der Osttangente.

Mit einer Petition sammelte das Aktionsbündnis bis Mitte Oktober 10 000 Unterschriften gegen das Projekt. Diese will das Bündnis in Kürze übergeben.

Inzwischen hat das staatliche Bauamt Augsburg eine mögliche Variante für den Bundesverkehrswegeplan eingereicht. Nach einer Prüfung sind die Projekte im Internet veröffentlicht, so dass sich Bürger äußern können. Erst danach wird der Bundestag, Anfang 2016, darüber entscheiden.

„Wir hoffen, dass das Projekt nach der Prüfung im Bundesverkehrsministerium nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird, denn dies würde eine klare Vorentscheidung für den Bau dieses Wahnsinnsprojektes bedeuten, dessen erklärter Zweck es ist, überregionalen Verkehr zu bündeln, anzuziehen und durch unsere Region zu führen“, sagt der Sprecher des Aktionsbündnisses Wolfhard von Thienen aus Mering. Inwieweit die Äußerungen der Bürger nach der Veröffentlichung auf der Seite des Bundesverkehrsministeriums Einfluss auf das weitere Verfahren und die Entscheidung des Bundestages haben, ist ihm nicht bekannt.

Info: Weitere geplante Aktionen sind eine Kabarettveranstaltung Anfang Dezember, die Aufstellung von Markierungen und Hinweisschildern, um die Dimension der Osttangente zu zeigen.

oh
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