Abriss für 1,8 Millionen Euro: Sanierung der Königstherme ist unrentabel

Das einstige Aushängeschild gammelt vor sich hin. Fotos: Stöbich
 
Der vom Stadtrat beschlossene Teilabbruch soll 1,8 Millionen Euro kosten. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Viele Jahre lang war die Königstherme das stolze Wahrzeichen der Stadt Königsbrunn, jetzt hat das Ratsgremium mehrheitlich ihren Teilabbruch beschlossen. Gegen sieben Stimmen fiel in der jüngsten Sitzung die Entscheidung für den auf 1,8 Millionen Euro geschätzten Rückbau der Thermen- und Saunaanlagen einschließlich Technik, während Verwaltungstrakt und Eishalle stehen bleiben. Für letztere soll gemeinsam mit einem Lehrschwimmbecken und Sauna ein geeigneter Standort gesucht werden.
"Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagte Bürgermeister Franz Feigl zur Aufsichtsrats-Sitzung der Mitte vorigen Jahres gegründeten Freizeit- und Sportstättengesellschaft Königsbrunn (FSK). Doch eine millionenschwere Sanierung der maroden Therme lohne sich nicht: Es gibt Betonschäden und Schimmel, außerdem dringe Wasser ein und es bestehe ein Sicherheitsrisiko, wenn immer wieder Vandalen einbrechen. Deshalb ist die weitläufige Anlage jetzt durch eine Videoüberwachung gesichert, während sie allmählich vom Herbstlaub überwuchert wird.
Rolf-Peter Reinhardt von den Stadtwerken nannte im Rat eindrucksvolle Zahlen: Die Thermenhalle umfaßt 40.000 Kubikmeter, 7.300 Quadratmeter groß ist die Fläche von Therme, Sauna, Gaststätte und Außenanlagen. Für die künftige Verwendung des freien "Filetstücks", wie es in der Diskussion hieß, gibt es im Zentrum vielerlei Möglichkeiten, aber noch keine konkreten Pläne. Florian Kubsch (SPD) stellte fest, der ehemalige Geschäftsführer habe ein Desaster hinterlassen; er war zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt worden.
Reinhardt erinnerte an den Niedergang des Königsbrunner Markenzeichens: Jahrzehntelang war die Therme eine überregionale Attraktion; bis zu 400.000 Besucher pro Jahr kamen zu Spitzenzeiten in das Spaßbad, welches das erste seiner Art in der Region war. Doch mit der Zeit blieben die Gäste aus und entschieden sich für andere, modernere Schwimm- und Wellnesstempel: Thermen in Erding, Neusäß und Bad Wörishofen lockten mit ihren Angeboten die Kunden weg.
Aufgrund eines hohen Investitions- und Sanierungsstaus zeichnete sich 2013/2014 ab, dass die Anlage nicht mehr finanzierbar war. Der geschäftsführende Gesellschafter hatte deswegen die Stadt Königsbrunn um finanzielle Unterstützung gebeten beziehungsweise die Therme zum Kauf angeboten. Vor zwei Jahren war das Insolvenzverfahren eröffnet worden.
Neben verschiedenen Interessenten hat sich die Stadt Königsbrunn bald als ein möglicher Kaufinteressent herauskristallisiert, um an der Entwicklung dieser Immobilie im Zentrum maßgeblich mitwirken zu können. Die Entscheidungen hierzu verdichteten sich im Sommer 2016, nachdem der Stadtrat sein Votum für Kaufverhandlungen abgegeben hatte. So wurde im Juli 2016 die „Freizeit- und Sportstättengesellschaft Königsbrunn“ gegründet, die daraufhin das Erbbaurecht an dem Grundstück erworben hat.
Aufgabe dieser GmbH sollte es sein, sich um die Sicherung der stillgelegten Immobilie zu kümmern und Möglichkeiten zu untersuchen, wie diese nachhaltig genutzt werden kann, da die Königstherme über viele Jahre hinweg für die im Jahr 1967 zur Stadt erhobenen Kommune Wahrzeichen und Namensträger war. "Galt die großzügige Gestaltung der Thermenhalle, deren tragende Säule eine Innen-Höhe von 13,75 Metern aufweist, lange Zeit als Aushängeschild, hat sich dies inzwischen als ein Faktor herauskristallisiert, der einen wirtschaftlichen Betrieb nahezu unmöglich macht", sagte Reinhardt im Stadtrat. Unabhängig von der erforderlichen Energie für die Badelandschaften seien zusätzlich ca. 28.000 Kubikmeter Raumluft zu erwärmen, umzuwälzen und zu filtern.
Das Hygienegutachten zur Hauswasserinstallation zeigt auf, dass diese nicht mehr in Betrieb genommen werden kann. Die Decken, Fußböden und Fliesen wären komplett zu sanieren und schimmelfrei zu machen. Letztlich würde wahrscheinlich nur noch der Baukörper genutzt werden können, während der Innenausbau und das Flachdach hohe Sanierungskosten verursachen würden.
Eine erste Grobschätzung ergab, dass die Rückbaukosten für die Therme ohne Verwaltungsgebäude und Eishalle unter den bisherigen Annahmen liegen. Die Bausubstanzuntersuchungen hatten ergeben, dass die Schadstoffbelastung nicht so hoch ist wie befürchtet. Die Rückbaukosten liegen nach ersten Schätzungen bei 1,8 Millionen Euro.
In der lebhaften Diskussion verband Florian Kubsch (SPD) die Zustimmung zum Teilabbruch mit einem dringenden Appell: Es gelte, endlich zügiger zu arbeiten, betonte er: "Denn in Königsbrunn passieren die Dinge zu wenig und zu langsam", sagte er unter dem Beifall zahlreicher Zuhörer. An der Stelle der maroden Therme brauche die Stadt künftig auf jeden Fall wieder eine Art Ausrufezeichen, so Kubsch. Wie das aussehen könnte, ist auch wegen der Kosten eine langwierige Entscheidung, denn die Sanierung der Königsbrunner Schulen erfordert ebenfalls mehrere Millionen.
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