Archäologischer Arbeitskreis findet in Königsbrunn ein Keramikgefäß

Rainer Linke leitet den Grabungskreis ehrenamtlich. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Einen ganz besonderen Fund erhoffte sich Rainer Linke, Grabungsleiter des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte Gruppe Süd, als er eine frisch abgeschobene Fläche nach archäologischen Befunden absuchte: In einer dunklen Verfärbung zeichnete sich der Rand eines großen Keramikgefäßes mit circa 80 cm Durchmesser ab. Die Freude darüber war ebenso groß wie die Aufregung, denn so ein gewaltiges Gefäß ist ein sehr seltener Fund.
Zur Bergung wurde Ursula Off-Melcher als Leiterin des Königsbrunner Kulturbüros informiert, die sich auch gleich auf den Weg machte. Der archäologische Arbeitskreis gräbt abschnittsweise auf diesen Fluren bereits seit dem Jahr 2004 und es ist noch nicht abzusehen, wann die künftigen Kiesabbauflächen vollständig erforscht sind. Die notwendigen Ausgrabungsarbeiten können nur mit Genehmigung des Landratsamtes und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege vorgenommen werden. „Solange eine Ausgrabung läuft, unterliegen wir der Geheimhaltungspflicht, um Plünderungen zu vermeiden“, erläutert Linke; darum kann die genaue Örtlichkeit nicht genannt werden.
Rainer Linke und Siglinde Matysik erhielten im Jahr 2015 in Anerkennung ihrer Verdienste um die Archäologie in Königsbrunn die goldene Bürgermedaille verliehen. Beide leiten den Grabungskreis ehrenamtlich und verzichten auf die übliche Honorierung durch die Grundstückseigentümer. Als Lohn erbitten sie die dem Grundstückseigentümer zustehenden 50 Prozent der möglichen Funde auf dem jeweiligen Areal und stellen diese dem Archäologischen Museum in Königsbrunn zur Verfügung.
Das freigelegte, 45 cm hohe Vorratsgefäß konnten sie diesmal doch nicht im Ganzen bergen, denn durch die landwirtschaftliche Bearbeitung bildeten sich Risse in der Keramik und man konnte nur Stück für Stück die Scherben aus der Grube nehmen. Ursula Off-Melcher erhielt jedoch eine ganz besondere Lehrstunde: In mindestens zehn Schritten wird eine Ausgrabung vorgenommen. „Mein Respekt vor dieser Leistung ist um ein Vielfaches angestiegen“, sagt sie. „Es ist nicht nur eine körperliche Herausforderung, bei Wind und Wetter im Freien zu arbeiten, sondern erfordert auch ein hohes Maß an Konzentration, kleinste Fundstücke zu entdecken, zeichnen und zu bergen."
Die detaillierte Zeichnungsarbeit vor Ort übernimmt Siglinde Matysik, die als Mitglied im Königsbrunner Künstlerkreis die Arbeit einer Bauzeichnerin beherrschen muss. Ebenso scharfe Augen, eine ruhige Hand, Geduld und viel Können benötigt , der dann zu Hause die Bleistiftzeichnungen mit Tusche nachzieht und ausfärbt.
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