Begehrte Bronze: Geniale Grabfunde im Königsbrunner Museum

Mit Siglinde Matysik und Rainer Linke freuten sich über den großen Anklang Hansi Metzner, die Frau des ehemaligen Bürgermeisters, die Stadträtin Doris Lurz und Ursula Off-Melcher. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Grabbeigaben aus Bronze waren bereits vor 4000 Jahren begehrte Objekte, denn man konnte diese Metall-Legierung einschmelzen und neue Schmuckstücke gießen. Rainer Linke und Siglinde Matysik vom Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte berichteten im Königsbrunner Info-Pavillon von der Ausgrabung des frühbronzezeitlichen Gräberfeldes im Baugebiet 110 an der Pater-Rupert-Mayer-Straße. „Für diese äußerst wichtige Arbeit, die Sie seit rund 30 Jahren ehrenamtlich tätigen, erhielten beide vergangenes Jahr die Bürgermedaille in Gold,“ sagte Kulturbüroleiterin Ursula Off-Melcher in ihrer Begrüßung.
Durch Zufall hatte Linke bei Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2007 erste Knochen entdeckt. Innerhalb von sechs Monaten brachte der Arbeitskreis besondere Schätze ans Tageslicht. Obwohl viele der Bestattungen beraubt waren, konnten noch wertvolle Bronzedolche und Schmuckgegenstände gesichert werden, die man nun restauriert im Archäologischen Museum bestaunen kann.“Vermutlich gab es schon damals Grabräubern“, glaubt Rainer Linke.
Die Zuhörer erfuhren beim Vortrag interessante Details über Bestattungssitten in der Bronzezeit: So wurden die Verstorbenen in Hockstellung mit stark angezogenen Beinen und vor dem Oberkörper verschränkten Armen beerdigt. „Dies sollte vermutlich die Embryo-Stellung nachempfinden und eine Wiedergeburt in einem anderen Leben erleichtern“, sagte Siglinde Matysik. Darüber hinaus lagen die Männer mit dem Kopf nach Norden, Frauen nach Süden im Grab, Blickrichtung war jedoch immer Richtung Osten der aufgehenden Sonne zugewandt.
Bei Raubgrabungen werden alle derartigen Erkenntnisse, die man bei den genauen Freilegungen gewinnen kann, zerstört, da die Schatzsucher ja nur an den Metallfunden interessiert sind. Anhand vieler Fotos von den Ausgrabungen, Detailzeichnungen und Fundstücken konnte man bei den spannenden Erzählungen die Grabungs-Phase nachempfinden.
Ursula Off-Melcher zeigte sich sehr beeindruckt von der akribischen Arbeit, welche die ehrenamtlichen Arbeitskreis-Mitglieder leisten. „Das Wichtigste ist immer eine genaue Dokumentation, damit bei einer wissenschaftlichen Bearbeitung alles nachvollzogen werden kann“, erklärte der Grabungsleiter. Zum Dank für die gute Zusammenarbeit überreichte er den beiden Damen die Kopie eines Bronzedolchs, der bei dieser Grabung in einem Männergrab entdeckt wurde.
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