Couch-Surfing, Mathematik und Raubkunst: Spannende Vortragsreihe in Königsbrunn

Königsbrunn : Königsbrunn |

In Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg bietet das Kulturbüro Königsbrunn ab kommendem Monat wieder eine populärwissenschaftliche Ringvorlesung an. Die sogenannte Campus-Reihe im Generationenpark an der Bonhoeffer-Straße überrascht auch heuer wieder mit einer Reihe interessanter Themen. Dr. Martin Klose (Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeits- und Handelsrecht sowie Rechtsphilosophie an der juristischen Fakultät) spricht am 5. April um 19 Uhr über den berühmten Münchner Kunstfund und fragt "Macht die Zeit Unrecht zu Recht?"

Im Jahr 2012 entdeckte die Augsburger Staatsanwaltschaft anlässlich eines Ermittlungsverfahrens die etwa 1.280 Gemälde umfassende Sammlung
des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt in dessen Schwabinger Wohnung. Bei einem Teil der Werke handelt es sich um NS-Raubkunst, also von
den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 gestohlene Kunstgegenstände. Diese Exzesse werden heute richtigerweise als massives Unrecht qualifiziert. Gleichwohl können die ursprünglichen Eigentümer bzw. deren Erben nicht mehr die Herausgabe der Gemälde verlangen; die Zeit hat ihre Rechtsstellung erheblich verschlechtert. Der Vortrag erörtert die zugrunde
liegenden juristischen Probleme und geht dabei der Frage nach, ob die Zeit Unrecht zu Recht macht und machen darf.
"DIe wundersame Welt der unendlich grossen Zahlen" hat Ingo Blechschmidt (Lehrstuhl für Algebra und Zahlentheorie Institut für Mathematik) seinen Vortrag am 10. Mai betitelt. Die Beschäftigung mit Unendlichkeit verknüpft Mathematik mit philosophischer Erkenntnistheorie. Doch statt Formeln oder Rechnungen
wird es in Königsbrunn Bilder und anschauliche Gedankenexperimente geben. Die alte Frage, ob unendlich plus eins nun mehr sei als unendlich oder doch wieder nur unendlich, können die Zuhörer anschließend ohne jegliche Restzweifel beantworten.
Christian Weiblen (Lehrstuhl Komparatistik / Neuere Deutsche Literaturwissenschaft) wird am 11. Oktober über das Verhältnis vin Literatur und Naturwisenschaft sprechen. Auf den ersten Blick scheinen Kunst bzw. Literatur und Wissenschaft nicht viel gemeinsam zu haben. Das Verhältnis ist jedoch komplexer, als es dieses binäre Raster vorschlägt. Dies wird bereits daran deutlich, dass diese Gegenüberstellung geschichtlich gesehen ergleichsweise jung ist und sich erst mit der Ausdifferenzierung unserer spezialisierten Gesellschaft verfestigte. Dieser Trennung stellen sich jedoch verstärkt Tendenzen entgegen, die das Bewusstsein dafür schärfen, dass die vermeintlich unvereinbaren Welten sehr wohl in einem Miteinander zu denken sind.
Um das sogenannte Couchsurfing geht es Christian Schwarzenegger (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt öffentliche Kommunikation) dann am 15. November. Sein Vortrag beschäftigt sich mit möglichen Vorzügen, aber auch Lockungen und Gefahren, der Teilhabe an dieser und vergleichbaren Communities. Der Referent geht der Frage nach, was sie zur Etablierung von persönlichen Freundschaftsnetzwerken über Grenzen hinweg beitragen kann und ob Couchsurfing hilft, die Welt durch kulturelle Begegnung und kosmopolitische Annäherung ein wenig kleiner und vertrauter zu machen. Geht
es bei Couchsurfing und verwandten Diensten wirklich um soziale Erfahrungen oder sind sie als Vertreter der "Sharing Economy" eine Form von Plattformkapitalismus, der Grenzen zwischen privat und öffentlich, Profi und Amateur, Dienstleistung und Freundschaft infrage stellt und auflöst?
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