Die AWO feiert 60. Geburtstag

Mit einem Geschicklichkeits-Turnier beteiligte sich die AWO heuer am Königsbrunner Ferienprogramm. Foto: Stöbich

Zur 60-Jahrfeier ihres Ortsvereins treffen sich alle Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Samstag, 31. Oktober, um 14 Uhr im Gemeindesaal St. Johannes. Auf Initiative von Fritz Scholze war die Königsbrunner AWO Anfang 1955 im Gasthaus Redel mit zehn Mitgliedern gegründet worden; heute sind es etwa 270 unter dem Vorsitz von Otto Müller. Schwerpunkt der Arbeit waren damals die materielle und finanzielle Hilfe für Familien in Not und Ferienangebote für Kinder.

In den vergangenen Jahren musste auch der Ortsverein auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. „Nicht jeder ältere Mensch hat heute das Glück, in der Geborgenheit seiner Familie leben zu können“, sagt Müller. Deshalb bietet die AWO in ihrer Begegnungsstätte in der Füssener Straße 121 a Seniorennachmittage an. „Miteinander reden, spielen und feiern ist immer eine willkommene Abwechslung im Alltag“, so der Vorsitzende.

Das Kursangebot in der Begegnungsstätte bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Möglichkeiten, sein Hobby zu leben. Ob Kreativ-Kurse, Aktiv-Kurse für Gesundheit und Entspannung, Sprachen, Spielturnen für die Kleinsten, Nähkurs oder Patchwork – das Programm enthält viele günstige Angebote unter Leitung erfahrener Kursleiter. Der Monatsbeitrag kostet 2,50 Euro und vier Euro für Familien.

Jeweils im Herbst gibt es ein fröhliches Fest und zum Beginn der Adventszeit ein besinnliches Treffen. „Außerdem engagieren wir uns bei vielen städtischen Veranstaltungen“, berichtet Müller. So zum Beispiel beim Ferienprogramm der Stadt Königsbrunn, beim Markt der Vereine oder beim Nikolausmarkt.
Die Arbeiterwohlfahrt wurde am 13. Dezember 1919 aus der SPD heraus als sozialdemokratische Organisation für soziale Dienste von Marie Juchacz gegründet. Dahinter stand das Ziel, Not zu lindern und ihr vorzubeugen. Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, gab dem jungen Wohlfahrtsverband das Motto auf den Weg: „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft“. So wurde neben der „bürgerlichen Wohltätigkeit“ ein sozialdemokratischer Wohlfahrtsverband aufgebaut, unter dem man allerdings damals etwas anderes verstand als heute.

Die AWO forderte soziale Rechtsansprüche ein. Der Massenverelendung wurde mit praktischer Selbsthilfe in einer Vielzahl von Diensten und Einrichtungen begegnet. So unterhielt die AWO Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten und Beratungsstellen. Viele sozialdemokratische Frauen und Männer wurden für einen sozialen Beruf ausgebildet. Zur Finanzierung veranstaltete die AWO eine eigene Lotterie und verkaufte Wohlfahrtsmarken. 1923 schlossen sich die Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Innere Mission und die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden zur „Liga der freien Wohlfahrtspflege“ zusammen.

Mit den rasanten Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt und der fortschrittlichen Technologie im vergangenen Jahrhundert änderten sich auch die Aufgaben der AWO. So sind Gesetze entstanden, die Rechtsansprüche auf soziale Hilfen garantieren. Als ein Beispiel unter vielen gilt dafür die sozialrechtliche Sicherung des Pflegefallrisikos.

Die AWO hat neue soziale Aufgaben übernommen, die im Wandel der Gesellschaft ihren Ursprung haben. Dazu gehören die Betreuung der zahlreichen ausländischen Arbeitnehmer, die stationäre und ambulante Altenhilfe, die Suchtberatung und sozialpsychologische Betreuung.

Von Peter Stöbich
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