Ein Maler, der keine Hände braucht

Den Mundmaler Markus Kolp hat Ursula Off-Melcher zu einer Ausstellung eingeladen. Foto: Stöbich


Noch bis Mitte Mai wird im Foyer des Königsbrunner Rathauses eine Ausstellung mit ausdrucksstarken Landschaftsbildern zu sehen sein. Bemerkenswert ist, dass Markus Kolp aus Großaitingen seine Werke nicht wie jeder andere Künstler gemalt hat - er ist seit 34 Jahren gelähmt und führt den Pinsel deshalb mit dem Mund. Eine schier unglaubliche Leistung, wie viele Besucher der Vernissage bewundernd feststellten.

"Genau darum ist es uns mit dieser Veranstaltungsreihe gegangen", sagt Kulturbüro-Leiterin Ursula Off-Melcher. "Zu zeigen, dass Menschen mit einer Behinderung sich nicht unterkriegen lassen und ein ganz normales Leben führen können wie zum Beispiel der Augsburger Dirigent und Stadtrat Benedikt Lika."

Außergewöhnlich - gewöhnlich, so lautete das Motto der fünf Abende, zu denen außer Kolp und Lika auch ein Autor, eine Literaturwissenschaftlerin und ein Sportler nach Königsbrunn gekommen waren. "Alles starke Persönlichkeiten mit einer positiven Ausstrahlung", so Off-Melcher, die Berührungsängste abbauen und das Thema Inklusion ins öffentliche Bewusstsein rücken wollte.

Dass ihr das bestens gelungen ist, zeigt das rege Publikums-Interesse: Bis zu 100 Zuhörer kamen zu den spannenden Vorträgen, die interessante Begegnungen mit Menschen ermöglichten, die sich von ihrer Behinderung nicht einschränken lassen wollen. Dass es dazu eine große Portion Hartnäckigkeit und Lebensenergie braucht, machte die Chefin des Königsbrunner Kulturbüros bei der Vernissage deutlich.

Nach einem Mopedunfall mit 16 Jahren ist Markus Kolp gelähmt und muss seit 1982 im Rollstuhl sitzen. "Da war es mit meinem Traum von einer Piloten-Ausbildung vorbei", erzählt er. Zehn Jahre danach hatte er seine erste Einzel-Ausstellung in Schwabmünchen, wo er Gründungsmitglied des Kunstvereins ist und bei der Vorsitzenden Kersten Thieler-Küchle lernt. Jede Woche arbeiten sie zusammen, erarbeiten Themen und Farbkonzepte, die er dann eigenständig umsetzt.

Als Mitglied der Vereinigung der Mund- und Fußmaler lernte er den Umgang mit Acryl-und Aquarellfarben, mit Licht und Schatten und gestaltet seitdem großartige Naturstudien und Landschaften. Ob Sonnenuntergang über Norderney oder London im Nebel - man mag kaum glauben, dass es möglich ist, solch detailreiche Bilder mit dem Mund zu malen. Kolps Ausstellung im Kunst-Karree fügt sich nahtlos ins kulturelle Jahresmotto "Königsbrunn lebt bunt" ein, mit dem Off-Melcher möglichst viele Bürger ansprechen will.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Reihe hatte sie aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit mit den Königsbrunner Förderschulen. "Die Begegnung mit Menschen, die nicht der gängigen Norm entsprechen, war für mich eine große Bereicherung", sagt sie - und für die zahlreichen Zuhörer an den fünf Abenden ebenfalls. (stö)
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