Ein Rebell im Rolli: Benedikt Lika lässt sich durch seine Behinderung nicht unterkriegen

Benedikt Lika (vorne) mit Pianistin Tamara Bajaschwili, Bürgermeister Franz Feigl und Irmgard Badura. Foto: Stöbich
„Die körperlichen Fähigkeiten eines Menschen sind kein Maßstab für kulturelles und künstlerisches Schaffen“, sagte Kulturbüro-Leiterin Ursula Off-Melcher zum Auftakt der neuen Vortragsreihe „Außergewöhnlich – Gewöhnlich“. Dieser Titel beschreibt die Vereinbarkeit von Unvereinbarem. Fünf Kulturschaffende, darunter ein Sportler mit Behinderung, präsentieren sich und ihr Wirken.

Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Landesregierung für Menschen mit Behinderung, lobte in ihrem Grußwort die Initiative zu dieser Veranstaltungsreihe; sie betonte, wie wichtig eine solche Plattform wie in Königsbrunn nicht nur für die Künstler sei. Badura, die fast vollständig erblindet ist, war es ein großes Anliegen, bei der Eröffnung mit dabei zu sein.

Mit dem Augsburger Benedikt Lika, der vom Rollstuhl aus seit Jahren als Dirigent und seit 2014 auch im Stadtrat aktiv ist, ging das Kulturbüro in die erste Veranstaltung. Als er eineinhalb Jahre alt war, wurde bei ihm die seltene Krankheit Mukopolysaccharidose (MPS) festgestellt. Dennoch ist aus ihm ein Vollblut-Musiker geworden. Seine Eltern schickten ihn auf die normale Schule – zu einer Zeit als es noch üblich war, behinderte Kinder in gesonderte Fördereinrichtungen zu geben. Benedikt lernte Klavier und sang bei den Augsburger Domsingknaben. Später spielte er Schlagzeug und war Solopauker im Schulorchester; nach dem Abitur begann er in Augsburg Musik zu studieren und besuchte Meisterkurse im Dirigieren.
Seit 2007 ist Lika Initiator, Dirigent und künstlerischer Leiter des sozial-kulturellen Konzertfestivals „Roll and Walk“. In einer Präsentation berichtete er über die Entstehung dieser inzwischen etablierten Konzertreihe und brachte im voll besetzten Sitzungssaal im Rathaus mehrere Ausschnitte zu Gehör. „Wer die Welt verändern will, muss auffallen – ich tue das von Natur aus“, sagte Lika.
Das Thema Inklusion, über das er bei der Veranstaltung sprach, ist ihm ein Herzensanliegen, für das er seit mehr als zehn Jahren kämpft. Bürgermeister Franz Feigl freute sich besonders über das Wiedersehen mit Benedikt Lika, den er seit vielen Jahren persönlich kennt, und würdigte die Bedeutung dieser Veranstaltungsreihe.

Da Lika aus einer Musikerfamilie kommt, lag es nahe, dass sein Bruder Maximilian, ein deutschlandweit konzertierender Tenor, für Musik an diesem Abend sorgte.
Für das kommende Jahr stehen drei weitere Termine in dieser Reihe fest: Robert Maurer, ein durch Krankheit erblindeter Sportler, spricht über sein Leben und sein Wirken am 15. Januar im Sportstudio Fitz. Am 26. Februar liest Florian Sitzmann, Autor mit Beinamputation, aus seinem Buch „Der halbe Mann“ im Königsbrunner Pfarrsaal zur göttlichen Vorsehung. Die Leiterin der Pfarrbücherei, Martina Bäßler, ist Kooperationspartner dieser Reihe. Abgerundet wird die Reihe durch eine Ausstellung des Malers Markus Kolb, der wegen seiner Behinderung den Pinsel mit dem Mund führt.

Mehr Informationen zu diesen Veranstaltungen gibt es im Kulturbüro am Marktplatz 9, Telefon 08231/606 260.
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