Ein Typ wie jeder andere

Über den Auftritt von Florian Sitzmann freuten sich auch Jessica Nowak (links) und Martina Bäßler. Foto: Stöbich


Mit seiner Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Außergewöhnlich - Gewöhnlich" ist es dem Königsbrunner Kulturbüro gelungen, die Probleme behinderter Menschen in den öffentlichen Blickpunkt zu rücken. Zur jüngsten Veranstaltung in Kooperation mit der Pfarrbücherei war Florian Sitzmann nach Königsbrunn gekommen und begeisterte im Pfarrsaal "Zur Göttlichen Vorsehung" fast 100 Zuhörer. Obwohl der Buchautor und Sportler bei einem Motorradunfall beide Beine verloren hat, ist er im Rollstuhl nicht deprimiert und verzagt unterwegs, sondern überraschte sein Publikum mit einer gehörigen Portion Humor und Energie.

Martina Bäßler, Leiterin der Pfarrbücherei, hatte Sitzmann in Talkshows gesehen und daraufhin die Idee, ihn zu einer Lesung einzuladen. In seinen Büchern "Der halbe Mann" und "Bloß keine halben Sachen" schildert er sein Leben und verarbeitet mit viel Witz sein schweres Schicksal. Über seine Beine war nach einem Sturz vom Motorrad ein Lastwagen hinweggerollt. Das hatte er als Beifahrer überhaupt nicht wahrgenommen: Als er im Krankenhaus aus der Narkose erwachte, ahnte er nicht, wie es um ihn stand.

Heute sagt er: "Ich bin ein Typ wie jeder andere, nur dass ich im Rollstuhl sitze." Bei der Inklusion seien nicht die baulichen Maßnahmen die größte Schwierigkeit sondern die Beschränkungen in den Köpfen "normaler" Menschen. Anschaulich schilderte er den Zuhörern,, wie man es als Patient einer "Klinik im Grünen", die oft auch noch auf einem Berg gelegen ist, schaffen kann, sich wieder ins Leben zurück zu kämpfen.

Der Sport, der für Florian Sitzmann bereits vor dem Unfall ein wichtiger Bestandteil seines Lebens war, half ihm, in seinem zweiten Leben wieder Perspektiven zu finden. Heute frönt er seiner Autoleidenschaft in einem Sportwagen Super Seven, lebt seine Technikverliebtheit in Spezial-Rollstühlen aus und seinen Bewegungs- und Lebensdrang in Sportwettkämpfen. 2003 holte er den Titel des Deutschen Meisters im Handbike-Einzelfahren, anschließend nahm er an den Paralympics in Athen teil.

Sitzmann nennt die Dinge beim Namen, schreibt sehr persönlich und direkt und demonstriert damit eine seiner Lebenserfahrungen als "halber Mann". Der dreifache Vater ist mit seinen Büchern auf Lesereise und auch bei Firmen als Coach aktiv. So vermittelte er die Botschaft dieser Veranstaltungsreihe, dass körperliche Fähigkeiten nicht ausschlaggebend für künstlerisches, sportliches und kulturelles Schaffen sind.

Die vorerst letzte Veranstaltung der Reihe "Außergewöhnlich-Gewöhnlich" ist die Vernissage des Mundmalers Markus Kolp am Freitag, 8. April, um 19 Uhr im Foyer des Königsbrunner Rathauses. (Peter Stöbich )
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