Ein zeitgemäßes Museumskonzept: 99 Seiten im Königsbrunner Stadtrat vorgestellt

Im Königsbrunner Handelsmuseum Mercateum sind auch Trauungen möglich. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn |

Königsbrunn. Attraktiver und zeitgemäßer möchte die Stadt Königsbrunn ihre Museen gestalten und dadurch langfristig die Besucherzahlen steigern. Deshalb hat der Stadtrat eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die auf 99 Seiten sowohl den aktuellen Stand als auch künftige Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt. Ihre ausführliche Analyse stellte Birgit Kadatz in der jüngsten Ratssitzung vor; das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf dem Archäologischen-, dem Lechfeld- und dem Naturmuseum.

Schon heute versucht Ursula Off-Melcher als Leiterin des Kulturbüros, das Interesse der Königsbrunner unter anderem mit einer langen Museumsnacht zu wecken, die wieder am 7. Juli stattfinden wird. An diesem Abend bieten alle Museen sowohl kurze Führungen als auch freie Besichtigung an und es gibt ein interessantes Rahmenprogramm.

Museen attraktiver machen: Marketing und moderne Räumlichkeiten

Seit vier Jahren ist Off-Melcher intensiv mit dem Marketing der Museen betraut, um sie stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und auch auswärtige Besucher anzulocken. Neben den neuen Flyern und informativen Stelen sowie ehrenamtlichen Kulturvermittlern, die erweiterte Öffnungszeiten und Führungen ermöglichen, und Aktionen zum Internationalen Museumstag sind aber auch moderne Räumlichkeiten und inhaltliche Aufarbeitungen wichtig. Zum Beispiel ist der Bestand des Lechfeldmuseums bisher nicht katalogisiert.

Moderne Museen locken mit interaktiven Ausstellungen

Im Stadtrat sagte Kadatz, das Verständnis von einem modernen Museum sei heute ganz anders als vor 40 Jahren und müsse erweitert werden. An Beispielen aus Amsterdam und Helsinki zeigte sie eine interaktive Gestaltung für junges Publikum mit dem Einsatz von Mitmach-Stationen und 3 D-Animationen. Königsbrunn müsse seine Museen in der Region besser positionieren und interessante Konzepte mit neuen Ideen entwickeln; dabei sei Barrierefreiheit eine Selbstverständlichkeit. Außerdem müssten sich die Besucher ohne Führer selbständig informieren können. Sie werden momentan nicht über eine offensive Vermarktung aquiriert, weil das Kulturbüro diese Aufgabe mit seinem derzeitigen Personalstand nicht leisten kann. Auch die Möglichkeit eines digitalen Marketings für junge Besucher würde zusätzliches Personal erfordern.

Königsbrunner Museen aus dem Keller holen

Allerdings ist es noch ein weiter Weg bis zu einem eigenen Kulturhaus, in dem eines Tages die über mehrere Standorte verstreuten Ausstellungen zusammengefasst werden können. "Es empfiehlt sich dringend die Einrichtung einer wissenschaftlichen Leitung in Trägerschaft der Stadt Königsbrunn", so Kadatz bei ihrer Präsentation. Die drei kommunal betriebenen Museen befinden sich in wenig einladenden Räumlichkeiten, zwei davon in Kellerräumen.

Lechfeldmuseum bietet Eindruck in Alltag des 19. Jahrhunderts

"Die Objekte des Lechfeldmuseums haben hohen Erinnerungswert im Hinblick auf die lokale Siedlungsgeschichte", stellte Kadatz fest. Die dortige Sammlung besteht hauptsächlich aus Exponaten, die den bäuerlichen Alltag der Gründungssiedler, die Wohnverhältnisse und die Kleidung der früheren Bewohner des Lechfeldes anschaulich machen. In einer original eingerichteten Wohn- und Schlafstube präsentiert sich das Museum so realistisch, als ob jeden Moment die Bäuerin aus dem 19. Jahrhunderts eintreten würde.

Das Lechfeldmuseum zeigt die Faszination des technischen Fortschritts und die damit verbundene Verbesserung der Lebensqualität im Lauf der Geschichte; es dokumentiert aber ebenso das Schwinden überlieferter Lebens- und Arbeitswelten. Ein Besuch lohnt sich: Von bäuerlicher Handwerkskunst über alte Fotos, Postkarten und Uhren bis zum Fernschreiber aus dem Jahr 1930 reichen die Objekte auf insgesamt 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
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