Einzigartiges Projekt in der Königsbrunner Heide: "ebeetle" soll bedrohte Pflanzen vor Aussterben retten

Der Landwirt Rudolf Sirch bei der Nutzung der Maschine zum Abtragen von Saatgut. (Foto: Fischer)
 
Gerhard Süßmaier und sein Sohn Christoph betätigen den ebeetl. (Foto: Fischer)

Ungewöhnlich viel los ist an diesem Tag in der Königsbrunner Heide. Landwirte und Pflanzenliebhaber haben sich zur Präsentation einer neuen Maschine eingefunden. Wegweisend soll diese sein. Der sogenannte „ebeetle“ soll unter anderem eine fast ausgestorbene Heideblume erhalten und die Stadt Augsburg in ein violettes Blumenmeer verwandeln.


Die Schweizer Erfindung dient dazu, Samen von einer Spenderwiese zu ernten, um diese dann auf Ausgleichsflächen auszusäen. Damit ist es auch möglich, Samen aussterbender Pflanzen auf Vorrat anzulegen. Die Maschine soll es den Fachwirten für Naturschutz und Landschaftspflege ermöglichen, regionale Arten schützen, erhalten und vervielfältigen zu können.

Schutz seltener Pflanzen in Bayern

Die Graue Skabiose ist beispielsweise eine Pflanze, die nur in Bayern und vor allem auf der Königsbrunner Heide zu Hause ist. Mithilfe des ebeetl kann diese Pflanze nun nachhaltig erhalten werden, indem sie anderorts angepflanzt werden kann. Wenn die Graue Skabiose in Bayern aussterbe, dann gäbe es sie weltweit nicht mehr, warnt der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Nicolas Liebig.
Er hat sich dieses Projekts angenommen, da ihm die Thematik und die Königsbrunner Heide sehr am Herzen liegen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Liebig sofort von der Idee der Landwirte Rudolf Sirch und Gerhard Süßmaier überzeugen ließ, Mähgut auf andere Wiesenflächen zu exportieren.

Funktionsweise des ebeetl

Der Erfinder der neuartigen Maschine, Andreas Bosshard, erklärt, wie die Maschine konzipiert ist und wie sie funktioniert. „Es ist erstaunlich einfach und trotzdem funktioniert es erstaunlich gut“, berichtet der Agrarökologe, „es ist im Prinzip nur eine Bürste, die rotiert und das Saatgut aus dem stehenden Bestand zupft.“ Das Gerät ist sehr flexibel und vielseitig einsetzbar, die Räder sind mit einem Elektromotor angetrieben. Obwohl es primär für die Steilhänge in der Schweiz konstruiert wurde, ist es besonders gut für die ebenerdige Königsbrunner Heide geeignet.

Fundiertes Fachwissen nötig

Ein weiterer Vorteil der Vorrichtung ist die unmittelbare Nähe zur Flora, da „man sich nicht wie mit dem Traktor zwei Meter über dem Boden befindet“, schildert der Schweizer Bosshard die Einsatzfähigkeit.
Der Apparat kann im besten Fall von zwei ausgebildeten Fachpersonen bedient werden. „Wir können hier nicht jeden hinstellen und ihn die Maschine handhaben lassen“, stellt Nicolas Liebig klar. Es sei sehr wichtig, dass die richtige Erntezeit der einzelnen Arten abgepasst wird, dazu sei fundiertes Fachwissen notwendig.
„Ich würde nie alleine hinfahren und entscheiden, Saatgut zu gewinnen, das wird immer mit der Naturschutzbehörde oder dem Landschaftspflegeverband abgesprochen“, erklärt der Landwirt Gerhard Süßmaier.

Bereits Erfolge verzeichnet

Verschiedene Samen von der Königsbrunner Heide wurden zwischenzeitlich bereits auf verschiedene Grünflächen in der Stadt ausgesät: Am Wissenschaftszentrum der Universität Augsburg, in Lechhausen und Pfersee beispielsweise, haben die bunten Heideblumen einen Platz gefunden.
Am Innovationspark wurde bei der Außengestaltung „eine große Chance vertan“, moniert der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands, „es wurden gebietsfremdes Saatgut, standortfremde Gehölze und Ziergräser, die dort nicht hingehören, eingepflanzt.“
Richtig angewendet sei die neue Form der Bepflanzung eine innovative Möglichkeit der Erhaltung verschiedener Arten.
Dennoch will Liebig die Samen nicht an Privatpersonen verkaufen, denn „wir wollen nichts Kommerzielles daraus machen.“

(Rebecca Ostertag und Svenja Fischer)
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