Königsbrunner ist unterwegs wie ein Hollywood-Star

Ein echter Blickfang ist Wolfgang Reymanns Morgan Roadster. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Wenn Wolfgang Reymann und seine Frau Ottilie durch die Stadt fahren, dann schauen ihnen viele Königsbrunner bewundernd nach. Denn der 63-jährige ist nicht in einem unscheinbaren grauen Pkw unterwegs, wie sie es -zigtausendfach gibt, sondern in einem Morgan Roadster Sports wie aus einem Hollywood-Film. "Wie alt ist denn der?", diese Frage hört der stolze Besitzer häufig und gibt dann die überraschende Antwort, dass es sich um einen gebrauchten Neuwagen aus England handelt: Die Morgan Motor Company ist ein britischer Autohersteller für Sportwagen in privater Hand.
"Pro Jahr werden rund 1000 Fahrzeuge gebaut, die bei einer großen Fangemeinde Kultstatus genießen", weiß Reymann. Das Unternehmen ist weltweit das einzige, das bei Automobilen noch Aufbauten mit Rahmen aus Eschenholz einsetzt - eine Fertigungstechnik, die noch aus dem Kutschwagenbau stammt.
"Das erste Auto im Leben vergißt man ebenso wenig wie die erste Frau", soll der Rennfahrer Stirling Moss einmal gesagt haben. Für den Königsbrunner war es Liebe auf den ersten Blick, als er mit 16 Jahren nach Italien trampte und dort zum ersten Mal einen eindrucksvollen Morgan zu Gesicht bekam. "Mein erstes eigenes Auto war aus finanziellen Gründen allerdings ein VW!"
Fortan ließ ihn die Leidenschaft nicht mehr los; er studierte ausgiebig Fachlektüre und war auch von Fahrzeugen wie Jaguar oder Spitfire fasziniert. Vor fünf Jahren wurde er bei einem Händler in Stuttgart fündig und leistete sich das über 60.000 Euro teure Liebhaberstück in glänzendem Schwarz. "Das war schon die Erfüllung eines Lebenstraums", sagt er und zählt stolz die technischen Daten auf: sechs Zylinder und Ford-Motor, 230 PS, in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h.
Doch es geht ihm nicht in erster Linie darum, auf der Autobahn einen BMW auszubremsen - "zumal meine Frau keine Raserei mag." Lieber ist das Ehepaar samt Vierbeiner Vida mit 80 Sachen gemütlich zum Bodensee oder nach Südtirol unterwegs, "da kann man mit offenem Verdeck die Natur geniessen", sagt Ottilie Reymann. Während der Wintermonate wird der Morgan abgemeldet; um seine Wartung kümmert sich der Sohn, der in Königsbrunn eine Autowerkstatt hat.
"Ein wenig verrückt muss man da schon sein", sagt der 63-jährige, "aber wenn einem etwas so lange im Kopf herumspukt..." Oft wird er von Passanten auf sein Liebhaberstück angesprochen und kommt dann mit den Leuten ins Fachsimpeln. Alle Modelle haben immer noch ein Holzgerüst für die Karosserie auf einem Stahlrahmen; Morgan ist damit das letzte Automobilunternehmen, das für Personenkraftwagen noch die klassische Gemischtbauweise verwendet, wie sie im Boots- und Kutschenbau üblich ist. Wenn er kommendes Jahr in Rente gehen wird, bleibt Reymann noch mehr Zeit für sein Hobby mit einem Hauch von Hollywood.
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