Leinen los am Mandichosee

Als Neueinsteiger kam Manfred Suppmann zum Mandichosee. Foto: Stöbich


Mit einem Stapellauf auf dem Mandichosee haben die Modellbauer ihre Sommersaison eröffnet. Trotz zeitweiser April-Schauer und Frühjahrsböen hieß es für die Mitglieder mehrerer Vereine "Leinen los und Schiff ahoi!". Mal gemächlich, mal bis zu 50 Stundenkilometer schnell schipperten die aufwendigen Nachbauten über die Wellen - das stolze Ergebnis einer manchmal monatelangen Präzisionsarbeit. Denn viel Geduld und Geschick sind notwendig, um zum Beispiel detailgetreue Nachbauten der kaiserlichen Marine zu basteln.

Einfacher hatte es sich Manfred Suppmann vom Verein "Wolpertinger" gemacht: Weil er keine Kellerwerft hat, in der er werkeln kann, bestellte er sich übers Internet die über 40 Jahre alte "Neptun", die sich nachts eindrucksvoll beleuchten lässt. Neben dem Neueinsteiger waren aber auch erfahrene Modellbauer am Start wie Jürgen Siegel, der neugewählte 2. Vorsitzende des Königsbrunner Vereins "Titanic".

Nach Autos und Flugzeugen im Miniaturformat hat er sich seit einiger Zeit auf Schiffe spezialisiert und fachsimpelt jeden zweiten Donnerstag ab 20 Uhr mit seinen Vereinskollegen im Kiosk am Mandichosee. Während der Wintersaison treffen sich die "Titanic"-Mitglieder zum Erfahrungsaustausch in der Gaststätte Friedenau.

"Schiffsmodelle gab es schon in vorägyptischer Zeit", berichtet Siegel. "Der älteste Nachweis eines Segelschiffes überhaupt ist ein 4000 Jahre altes Tonmodell, das im Zweistromland gefunden wurde und heute im Israel-Museum in Jerusalem zu besichtigen ist." Aus dem Jahr 1525 ist bekannt, dass konkurrierende Schiffbaumeister dem venezianischen Staat Modelle ihrer eigenen Entwürfe zur Entscheidung über ein Schiffbauprogramm vorlegten. Dies markierte den Startpunkt einer ganz neuen Entwicklung im Schiffsmodellbau: die Schaffung maßstabsgetreuer und in den Proportionen richtiger Modelle.

Viele eindrucksvolle Nachbauten waren in Merching in Zelten zu bestaunen: Neben imposanten Handels-, Fracht-, Kriegs-, Passagier- und Segelschiffen auch Flugzeuge wie von Christian Bruns. Seine "Seawind" kann auf dem Wasser starten und landen, was sie auch problemlos tat - allerdings warf ein heftiger Windstoß das Modell wenige Meter vor dem Ufer um, so dass es mit Hilfe eines Ruderbootes geborgen werden musste. "Jeder erleidet mal Schiffbruch, der diese Hobby längere Zeit betreibt", weiß Bruns.

Wer keine Lust oder wenig Zeit hat, um in der Werkstatt winzige Teile zusammenzubauen, kann auf Bausätze verschiedener Hersteller zurückgreifen. Siegel: "Was vor vierzig Jahren noch als meisterhafte Individualanfertigung gegolten hätte, kann heute so mancher Jugendlicher beim ersten Modell realisieren." Wurden zum Beispiel Details der Rumpf- und Decksbeplankung zunächst weggelassen oder nur angedeutet, bieten manche Bausätze nunmehr die Rumpfbeplankung mitgeformt und die Decksplanken passgenau vorgeschnitten.

Viele Modellbau-Fans freuen sich schon auf ein großes Treffen im kommenden Monat: Bei der Marinekameradschaft 1894 in Ingolstadt wird am 21., 22., 28. und 29. Mai die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges zwischen der deutschen Hochseeflotte und der Grand Fleet der Royal Navy nachgestellt. Sie fand vom 31. Mai bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland statt; die Skagerrak-Schlacht kostete rund 8500 Menschen das Leben. (Peter Stöbich )
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