Rabenschwarze Komödie über ein unattraktives wortkarges Mädchen – Mittelstufentheater inszeniert tiefgründiges Theaterstück "Yvonne, die Burgunderprinzessin"

Yvonne (Jenny Bergmann) und Prinz Philipp (Romeo Fischer)
   
von links .... Prinz Philipp (Romeo Fischer), Kammerherr (Fom Berchtold), Yvonne (Jenny Bergmann), König Ignaz (Ammon Abt) und Königin Margarethe (Ela Yegin)

Bei zwei vollbesetzten Abendvorstellungen sowie zwei Schulaufführungen für sechs Schulklassen der 9. und 10. Jahrgangsstufen der Königsbrunner Realschule und des Gymnasiums zog das Mittelstufentheater "Dramalution Kids" mit der tiefgründigen rabenschwarzen Komödie "Yvonne, die Burgunderprinzessin" ihr Publikum in den Bann.

In dem gesellschaftskritischen Theaterstück von Witold Gombrowicz, einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, treffen Macht, Individuum, Angst, Unterwerfung, Gewalt, Unschuld, Ausgrenzung und Liebe aufeinander. In seiner vollen tragischen Wucht trifft Mobbing auf ein unattraktives schweigsames Mädchen.

Die Geschichte

Es ist die Geschichte von Yvonne, die unscheinbar und einfach anders ist. Sie wird als abstoßend und hässlich empfunden und dient ihren Mitmenschen sowie dem hochnäsigen extravaganten durchgeknallten Hofstaat als Objekt ihrer Späße, unter ihnen auch Prinz Philipp. Sie wird als unappetitlich, hässlich und dumm verspottet, während sie daneben sitzt, es wird auf sie eingebrüllt, sie wird bedrängt und geschlagen und vor aller Augen gedemütigt. Prinz Philipp will in seiner jugendlichen Freigeistigkeit nicht dem "Gesetz der Natur" gehorchen, nur anziehende Frauen könnten geliebt werden. Als Scherz, Überdruss, Langeweile und Extravaganz, aber auch "angezogen" von ihrem Schweigen und Phlegma verlobt sich der Prinz mit Yvonne.

König Ignaz und Königin Margarethe willigen aus Furcht vor dem Skandal, mit dem Philipp ihnen droht, in die Verlobung ein. Im Mittelpunkt steht ein dekadenter Königshof, der Langeweile und dem Hochmut zugleich verfallen ist. Es ist eine scheinbar fröhlich-ausgelassene Welt und ebenso unbarmherzig gegenüber allem, was nicht zu ihr passt, wie Yvonne am eigenen Leib erfahren wird.
Yvonne kommt an den Hof und auch da ist sie wie sie ist. Sie ist nicht lustig, verneigt sich nicht, kurz gesagt sie lässt sich nicht verbiegen. Es kommt wie es kommen musste. Yvonne verliebt sich in den Prinzen, obwohl dieser sie mit seinem Kumpanen Cyrill exzessiv demütigt. Überrascht und beleidigt von dieser Liebe fühlt sich der Prinz verpflichtet, sie ebenfalls zu lieben. Trotz ihrer "psychologischen Defekte" will man sie hof- und gesellschaftsfähig machen. Doch die Versuche dahin scheitern an ihrer vollkommenen Passivität.

Es geschieht eher das Gegenteil: Nicht Yvonne, alle anderen verändern sich – provoziert durch die Anwesenheit der schweigsamen, lahmen und apathischen jungen Frau, die sich passiv und gleichgültig verhält, weckt in ihrer Umgebung Gewissensbisse und Beschämung, Hass und Aggressivität. Jeder findet in ihren Mängeln plötzlich eine Art Spiegel für seine eigene Unvollkommenheit und die der anderen. Jeder scheint jeden zu belauern, überall wispert es. Eine Epidemie ungesunden Lachens, Gerüchte, Klatsch aber auch Ähnlichkeiten stellen das Hofleben komplett auf den Kopf. Der König entsinnt sich seiner alten Sünden und ein bislang gut gehütetes Geheimnis der Königin kommt zum Vorschein. Mit Entsetzen bemerkt die Königin durch den Vergleich mit Yvonne, dass ihre heimlichen intimen Gedichte ebenso schrecklich stümperhaft sind wie sie. Jeder verdächtigt nun jeden irgendwelcher Absurditäten. Auch der Prinz fühlt sich hinsichtlich seiner Verlobung mit Yvonne absurd. Um der Umklammerung seiner eigenen absurden Verstrickung zu entkommen, gesteht er öffentlich der attraktiven Hofdame Isa seine Liebe und verlobt sich mit ihr.

Er bricht mit Yvonne. Doch gleichzeitig weiß er, dass Yvonne immer an ihn und sein neues Glück denken wird. Der König und der Kammerherr erinnern sich an ein Verbrechen, dass sie vor Jahren begangen haben. Die alte funktionierende Ordnung am Hof droht zu zerbrechen. König Ignaz ist klar: Um das zu verhindern, gibt es nur einen Ausweg," Yvonne, diese 'Zimperliese' muss sterben." Tiefe Abgründe machen sich auf, denn nicht nur der König, sondern auch die Königin und der Prinz mit ihren Mitwissern versuchen jeder auf eigene Faust Yvonne "los zu werden". Doch sie direkt zu töten, übersteigt ihre Kräfte: der Akt erscheint zu dumm, die Konventionen sprechen dagegen. Auf den Rat des Kammerherrn beschließen sie, den Mord zu organisieren um so den schönen Schein und die Überlegenheit seiner Majestät zu wahren. Bei einem Dinner finden sich die Mordlustigen zusammen und vollbringen mit einem vergifteten Fisch als Mordwerkzeug ihr Werk.

Tiefgründiges Stück über eine Außenseiterin

Unter der Regie von Theaterpädagogin Angie Klecker brachten die insgesamt 15 Jugendlichen Darsteller (inklusive Zweitbesetzung) eindrucksvoll und emotionsgeladen ein tiefgründiges Stück über eine Außenseiterin, die in ihrer merkwürdigen Art die Gesellschaft dazu bringt, die Masken fallen zu lassen und ihre Abgründe zu offenbaren, auf die Bühne. Extremes Mobbing modern ausgedrückt, mit Wortwitz und Bösartigkeiten in vielen Facetten, die von einer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz sowie einer herausragenden schauspielerischen Leistung der 14- bis 17jährigen Darsteller zeugt. An den beiden Abendveranstaltungen ergaben sich neben einem veganen Buffett, gesponsert vom Café "Dreizehn" in Augsburg, viele intensive Gespräche.

Den Schlusspunkt setzte das junge Ensemble bei ihrer letzten Aufführung im Jugendzentrum Matrix. Mit einem herzlichen und ehrlichem DANKE sowie einem veganen Präsentkorb bedankten sie sich bei Angie Klecker für ihre viele Geduld. Denn die Schauspieler konnten teilweise ihren Text erst eine Woche vor den Aufführungen und aufgrund vieler verschiedener schulischer Verpflichtungen kurz vor Ende des Schuljahres gestaltete sich auch die eine oder andere Theaterprobe aufgrund fehlender Darsteller als schwierig und eher zäh und somit auch als Zerreißprobe für die Regieleiterin Klecker. Davon war aber bei keiner Aufführung etwas zu spüren, zu sehen oder zu hören. Und somit ist aller Lohn ein begeistertes Publikum und das gelungene transportieren von Emotionen und Botschaften in die Zuschauerreihen, untermauert durch Textsicherheit und professioneller Mimik der Akteure.
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