Schiffe am Mandichosee

Viel Liebe zum Detail steckt Günther Hibelt in seine Modelle. Foto: Stöbich


Zur Eröffnung der Fahrsaison werden sich Freizeitkapitäne aus der Region mit ihren Schiffsmodellen zwei Tage lang am Mandichosee treffen. Am Samstag und Sonntag, 16./17. April, gibt es jeweils ab 10 Uhr eine interessante Ausstellung sowie Fahrvorführungen mit Handels-, Fracht-, Kriegs-, Passagier- und Segelschiffen. Wenn das Wetter mitspielt, ist am Samstag auch ein Nachtfahren vorgesehen.

Teilnehmen werden unter anderem Mitglieder der Münchner Vereine Klabautermann und Wolpertinger sowie "SOS Titanic" aus Königsbrunn, dem auch Günther Hibelt angehört. Er hat gerade seinen 60 Zentimeter langen Minensucher M48 fertiggestellt, der erstmals zusammen mit anderen Modellen am 21., 22., 28. und 29. Mai bei der Marinekameradschaft 1894 in Ingolstadt zu sehen sein wird.

Dort wird im Maßstab 1:1250 die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges zwischen der deutschen Hochseeflotte und der Grand Fleet der Royal Navy nachgestellt. Sie fand vom 31. Mai bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland statt; die Skagerrak-Schlacht kostete rund 8500 Menschen das Leben. Dass Modelle wie der 2,12 Meter lange Schlachtkreuzer "Lützow" in allen Details möglichst originalgetreu sind, liegt Hibelt und seinen Vereinskollegen am Herzen. Dafür wird mit großer Sorgfalt monatelang getüftelt, geklebt, geplankt und geschliffen. Allein das Bugwappen der "SMS Gneisenau" besteht aus 56 winzigen Einzelteilen, die in mühevoller Handarbeit zusammengefügt werden müssen. Dabei kommt Günther Hibelt seine Ausbildung als Formenbauer, Werkzeugmacher und Feinmechaniker für medizinische Geräte zugute.

"Jedes neue Modell ist wieder eine Herausforderung", schildert er. "Wenn es dann nach unzähligen Arbeitsstunden funktionstüchtig ist, bedeutet das Bestätigung, Erfolg und Freude!" Bei seinem Hobby ist er Perfektionist, deshalb muss alles möglichst detailgetreu aussehen. Modelltreue und Größe der kleinen Wunderwerke variieren je nach Preislage; einfacher Zusammenbau sogar von komplizierten Modellen macht Bausätze vor allem für den Einsteiger attraktiv.

So realistisch sind die kleinen Wunderwerke, dass sich sogar die Filmemacher aus Geiselgasteig Hibelts "SMS Graf Spee" als Requisit ausliehen. "Wenn ich alles verwirklichen wollte, was mir noch im Kopf herumspukt, dann müsste ich mindestens 150 Jahre alt werden", meint er. Als Jugendlichen hatten ihn eine Zeit lang auch Modellflugzeuge interessiert.

Doch nach drei bruchgelandeten und am Horizont verschwundenen Maschinen konzentrierte er sich - auch mit Blick auf den Geldbeutel - wieder auf Schiffe: Segler und U-Boote, Fregatten und Korvetten, leichte und schwere Kreuzer, Linien-, Panzer- und Schlachtschiffe - wenn Hibelt mit seinen Vereinskollegen begeistert über Ruderkoker und Stevenrohre fachsimpelt, könnte man meinen, er sei an der Waterkant geboren.

Auf rund 30 Modelle hat er es bisher gebracht. An den Wänden hängen meterlange Originalpläne, die er sich bei den Schiffswerften besorgt hat. "Mich fasziniert die anspruchsvolle Technik, nicht das Kriegspielen im Miniaturformat." Manches fertige Modell testet er zwar im Königsbrunner Ilsesee auf seine Funktionstüchtigkeit, "aber es wird schnell langweilig, dauernd im Kreis herumzufahren".

Als einmal eines seiner U-Boote nicht mehr auftauchte, alarmierte er sogar die Wasserwacht und trommelte die ganze Familie bei Sonnenaufgang zusammen, um das teure Stück möglichst vor Beginn des Badebetriebs zu finden. Seine Frau Roswitha entdeckte es schließlich und bekam zum Dank das Segelschiff "Magdalena".

"Ich bewundere seine grenzenlose Geduld", sagt seine Frau, "denn allein schon vom Zuschauen werde ich ganz kribblig." Beispielsweise dann, wenn ihr Mann seine komplizierte Bastelarbeit mit in den Urlaub nimmt und insgesamt 12 000 winzige Planken aus Nussbaumfurnier zu einem Schiffsdeck zusammensetzt.

"Schiffsmodelle gab es schon in vorägyptischer Zeit", berichtet Hibelt. "Der älteste Nachweis eines Segelschiffes überhaupt ist ein 4000 Jahre altes Tonmodell, das im Zweistromland gefunden wurde und heute im Israel-Museum in Jerusalem zu besichtigen ist." Aus dem Jahr 1525 ist bekannt, dass konkurrierende Schiffbaumeister dem venezianischen Staat Modelle ihrer eigenen Entwürfe zur Entscheidung über ein Schiffbauprogramm vorlegten. Dies markierte den Startpunkt einer ganz neuen Entwicklung im Schiffsmodellbau: die Schaffung maßstabsgetreuer und in den Proportionen richtiger Modelle. (Peter Stöbich )
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