Staatsstraße 2380 im Sommer gesperrt

Über die Lechbrücke fahren jeden Tag viele tausend Fahrzeuge. Im Sommer wird die fünf Kilometer lange Fahrbahn erneuert und eine Aufstiegshilfe für Fische geschaffen. Foto. Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Das ist eine Hiobsbotschaft für alle Autofahrer, die jeden Tag die Strecke zwischen Mering und Königsbrunn nutzen: Die kompletten Sommerferien über wird die Staatsstrasse 2380 für 1,2 Millionen Euro saniert und deshalb sechs Wochen lang für den Verkehr gesperrt; Umleitungen erfolgen über Lagerlechfeld oder die Hochzoller Lechbrücke.
Das empfinden viele Pendler wie Maik Abendroth als ziemliche Zumutung. Der Königsbrunner fährt jeden Morgen mit dem Bus zum Meringer Bahnhof und von dort mit dem Zug weiter zu seinem Arbeitsplatz beim Münchner Maschinenbau-Unternehmen MTU. "Soll ich vielleicht eineinhalb Monate Zwangsurlaub nehmen, nur weil gebaut wird?", stellt er verärgert fest.
Wie viele Arbeitnehmer, die keine Ferien haben, muss auch er ab 1. August Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Denn die Regionalbuslinie 100 des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbunds (AVV) wird die Fahrgäste dann nicht wie gewohnt nach Mering bringen, sondern zum Hauptbahnhof Augsburg / Bussteig G. "Die Abfahrtszeiten sind im Ersatzfahrplan so ausgelegt, dass die Pendler ihre gewohnten Regionalzüge am Augsburger Hauptbahnhof erreichen", sagt AVV-Sprecherin Irene Goßner.
Von der Sperrung betroffen sind aber nicht nur hunderte von Pendlern, sondern auch die Ausfahrer des Meringer Dentallabors Gibisch sowie Kurierdienste oder Taxifahrer Arnold Schütze aus Mering. "Sofern ich nicht auf Schleichwege ausweichen kann, müssen meine Kunden halt den Umweg über Augsburg zahlen", sagt er, zum Beispiel, wenn er Passagiere ins Königsbrunner Kino "Cineplex" bringt.
"Weiträumig auweichen", lautet die Empfehlung von Bauoberrat Stefan Heiß vom staatlichen Bauamt in Augsburg. "Die Arbeiten auf der fünf Kilometer langen Strecke werden voraussichtlich bis zum 10. September dauern", kündigt er an und hofft, dass alles im vorgegebenen Zeitrahmen klappt. Wegen des schlechten Fahrbahnzustands muss die Deckschicht dringend erneuert werden; ergänzend soll durch den Einbau einer zusätzlichen Asphaltschicht der Oberbau verstärkt und damit die Standfestigkeit der Strecke nachhaltig verbessert werden. Außerdem werden Bankettsteine neu gesetzt, um die Verkehrssicherheit zu verbessern.
Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Mering und Königsbrunn war in den Jahren 1977/78 errichtet und 20 Jahre später als Staatsstraße klassifiziert worden. "Nach 38 Jahren wird es höchste Zeit, dass die Fahrbahn wieder ordentlich hergerichtet wird", meint Stefan Heiß. Leidtragende sind - auch wenn während der Ferien weniger los ist - sowohl die Autofahrer als auch die Bürger von Hochzoll, wenn wochenlang viele tausend Busse, Lastwagen und Pkw mehr als sonst auf die Umleitungsstrecke ausweichen müssen. Rund 18.500 Fahrzeuge sind es laut offizieller Verkehrszählung, die Tag für Tag auf der St 2380 unterwegs sind.
Einige von ihnen biegen gern zur Waldgaststätte Friedenau ab, deren Pächter sich eigentlich auf ihren dritten Sommer in dem idyllischen Ausflugslokal gefreut hatten. "Aber jetzt hat es uns kalt erwischt", stellen Cornelia Wörsching und Ulf Merle fest, die erst durch einen Zeitungsartikel von der geplanten Sperrung erfahren hatten. Daraufhin gab es Ende März bei der Firma Sonac auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein ausführliches Gespräch mit dem Augsburger Bauamt, der Polizeiinspektion Friedberg, den Bürgermeistern von Mering und Merching sowie anderen Betroffenen.
Das Ergebnis: Der südlich der St 2380 gelegene Geh- und Radweg zwischen Königsbrunn und Mering bleibt während der gesamten Bauphase benutzbar. Von der Sperrung betroffene Anwesen können in den ersten drei Wochen über die nördlich und südlich gelegenen Anwandwege von Mering aus erschlossen werden. "Aber von Königsbrunn aus ist die Erschließung mit einem Fahrzeug nicht möglich", sagt Stefan Heiß.
"Das bedeutet, dass unsere drei Mitarbeiter aus Königsbrunn im Sommer wohl mit dem Rad zur Arbeit kommen müssen", sagt Cornelia Wörsching - falls es überhaupt genügend Arbeit gibt, denn die Pächter befürchten erhebliche Einbußen gerade zu einer Zeit, welche sonst die umsatzstärkste im ganzen Jahr ist. "Wir fühlen uns total abgeschnitten und haben schon mit einem Anwalt gesprochen" erzählt die Wirtin; juristisch lasse sich aber wohl kaum etwas gegen die Erneuerung der Jahrzehnte alten Fahrbahn unternehmen.
Im ersten Bauabschnitt, der von Mering bis zur Abzweigung zum Mandichosee reicht, wird während der ersten drei Wochen die Decke erneuert. Heiß: "In einer zweiten Etappe bis zum Königsbrunner Kreisverkehr erfolgt ein Vollausbau über die gesamte Bauzeit." Bei einem dritten Bauaschnitt will man außerdem in wenigen Tagen die Deckschicht des Königsbrunner Kreisverkehrs erneuern.
Der Ablauf dieser umfangreichen Arbeiten wird mit denen der Firma Uniper Kraftwerke (früher EON) abgestimmt, um die Verkehrsbeschränkungen auch durch die Errichtung einer Fischaufstiegsanlage so gering wie möglich zu halten. Denn die industrielle Stromgewinnung am Lech hat in den letzten Jahrzehnten den Fischbestand vor allem in seiner Vielfalt drastisch reduziert. Es fehlt die Durchlässigkeit zwischen den Staustufen: Die Fische können nicht wandern.
Diese Wanderung soll jetzt wieder ermöglicht werden. Für die Erfüllung dieser Naturschutz-Auflage werden über zwei Millionen Euro ausgeben. Die Fischaufstiegshilfe wird vom Fluss aus hochgezogen und an den Umlaufgraben an der Ostseite der Staustufe angebunden. Dazu muss die Staatsstraße 2380 mit einem größeren Rohr unterquert und insgesamt eine Höhendifferenz von elf Metern überwunden werden.
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